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Von Aerial-Yoga bis Plogging: Wie gesund sind Trendsportarten für unsere Gelenke?

Besonders in den letzten Jahren tauchten immer mehr außergewöhnliche Sportarten auf, die „Mainstream-Sportarten“ wie Laufen und Co. erweitern und besonders effizient sein oder viel Spaß bereiten sollen. Aber wie gut sind diese eigentlich für Knie und Gelenke?

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Von Aerial-Yoga bis Plogging: Wie gesund sind Trendsportarten für unsere Gelenke?
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Und wie gut ist das für die Knie? 5 Trendsportarten im Test

Abseits der gängigen Sportarten wie Laufen oder Pilates tauchen immer wieder neue, außergewöhnliche Sportarten auf, die aufgrund des Spaßfaktors viele begeistern. Zu den großen Trends zählen aktuell Plogging, Bouldern und Blobbing. Doch wie gesund sind die neuen Bewegungsformen tatsächlich? Oftmals vergessen: Sport bedeutet immer auch Belastung unserer Gelenke. Der Wiener Knie- und Schulterspezialist Dr. Marcus Hofbauer analysiert die beliebtesten Trendsportarten und nimmt sie insbesondere auf ihre „Gelenkstauglichkeit“ unter die Lupe:

Plogging

Es zählt wahrscheinlich zu den nachhaltigsten Sportarten, die aktuell gefragt sind: Plogging. Die Kombination aus Müll sammeln – auf Schwedisch „plocka“ (aufheben) – und Jogging hält nicht nur fit, sondern kommt auch der Umwelt zugute. Mit Handschuhen und Mistkübeln ausgestattet, sammelt man während des Laufens herumliegenden Müll ein. Der Experte warnt jedoch vor unbedachten Bewegungen: „Diese Trendsportart ist absolut unterstützenswert und ist für Körper und Umwelt eine Win-Win-Situation. Allerdings ist es hier noch wichtiger als beim herkömmlichen Laufen, sich ordentlich aufzuwärmen und zu dehnen. Durch die Aufhebe-Bewegung besteht die Gefahr von Rissen und Gelenkverdrehungen“, erklärt Dr. Hofbauer und ergänzt: „Besser: bewusst kurz stehen bleiben und das Müllaufheben als eine korrekt ausgeführte Kniebeuge machen.“

Außergewöhnliche Yoga-Varianten: Von Aerial-, Akro- oder Hot-Yoga

Yoga zählt mittlerweile zu den beliebtesten Sportarten schlechthin. Neu sind jedoch die jährlich hinzukommenden Nischen-Varianten, wie Akro-Yoga, wo man mit einem Partner akrobatische Yoga-Übungen umsetzt, oder Hot-Yoga bzw. Bikram-Yoga, das bei schweißtreibenden 40 Grad Zimmertemperatur stattfindet. 2019 wird auch Aerial-Yoga immer beliebter. Hier werden die Übungen in von der Decke hängenden Tüchern vollzogen.
„Yoga ist grundsätzlich eine gelenkschonende Sportart, so auch die sich daraus entwickelnden Varianten“, erklärt der Knie-und Schulter-Experte, „allerdings ist das Um und Auf, dass die Übungen zum einen korrekt ausgeführt werden und zum anderen das eigene Maß nicht überschritten wird. Besonders starke Verrenkungen, beispielsweise des Nackens, der Schulter oder der Knie, bergen große Gefahr für Gelenksschäden und Bänderrisse.“

Bouldern

Geklettert wird 2019 zwar nicht allzu hoch, dafür aber ohne Sicherung ­ dafür steht die absolute Trendsport Bouldern. Beim Bouldern beansprucht man beinahe die ganze Körpermuskulatur, insbesondere aber die Ober- und Unterarm-, Finger-, Waden-, Bauchmuskel sowie die gesamte Schulterpartie. „Man hört immer wieder, dass man seine Finger gut aufwärmen soll. Dabei wird die Schulter oftmals vernachlässigt, obwohl diese auch ganz schön beansprucht wird und es kann sogar zu einer ‚ausgeleierten Schulter‘ kommen kann. Um diesem Problem entgegenzuwirken, sollte man beim Klettern darauf achten, dass die Schulter nicht zu den Ohren wandert sowie Schultermuskulatur extra trainieren, um hier entsprechend gewappnet zu sein“, empfiehlt der Experte.
Besonderer Tipp: Neben dem Bouldern sollte Ausgleichstraining, also Krafttraining und Kräftigung der Gesamtmuskulatur gemacht werden – so werden Haltungsschäden, Schulterprobleme und Co. verhindert.

Sabrina Kraußler

Mermaiding

Ist das Meerjungfrauenschwimmen bei den Kleinsten schon längst ein Hit, trauen sich auch immer mehr Erwachsene an die Mono-Flosse. Dabei trainiert die Schwimmtechnik vor allem den Rumpf sowie die Arme und Rücken. „Schwimmen ist für die Gelenke eine der besten Sportarten, denn durch die Schwerelosigkeit im Wasser werden sie geschont und die Muskeln trotzdem intensiv beansprucht“, so Dr. Hofbauer,
„Der neue Trend zum Meerjungfrauenschwimmen fühlt sich deutlich anders an als normales Brustschwimmen. Viele unterschätzen vorher auch, wie anstrengend das Schwimmen mit der Monoflosse tatsächlich ist. Ich empfehle daher, den ganzen Körper vor dem Gang ins kühle Nass aufzuwärmen und vor dem Schwimmen mit der Monoflosse ein paar Längen abwechselnd im Brust- und Kraulstil zu schwimmen. So ist man optimal vorbereitet und das Risiko für Muskel- und Gelenkschäden werden minimiert.“

Blobbing

Nicht wirklich eine Sportart, aber definitiv ein Hype, der im Sommer vielerorts angeboten wird: Blobbing. Mittels einem im Wasser schwimmenden Schlauch bzw. Hüpfburg wird eine Person (der „Blobber“) in die Luft katapultiert, indem eine andere Person von einem Turm auf diesen Schlauch springt. Der Blobber ist mit Helm und Schwimmweste gesichert und sollte darauf achten, keine Bauchlandung im Wasser zu machen.
„Als Knie- und Schulter-Spezialist mache ich mir aber mehr um die Person sorgen, die vom Turm springt. Das Um und Auf ist, so flach wie möglich auf dem Schlauch zu landen und auf keinen Fall auf den Beinen. Der Stoß gegen das Knie ist aus dieser Höhe enorm und kann unmittelbar, aber auch langfristig starke Schmerzen verursachen“, kommentiert der Wiener Arzt, „Personen mit Knieproblemen empfehle ich auf solche Sprünge zu verzichten.“