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Warum das K.o.-Tropfen-Statement von Gudenus so problematisch ist

Im Zuge des Ibiza-Videos behauptet Gudenus, er sei durch K.o-Tropfen "willfährig" gemacht worden und verhöhnt damit all jene, die tatsächlich Opfer der Substanz wurden. Wie K.o-Tropfen tatsächlich wirken.

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Warum das K.o.-Tropfen-Statement von Gudenus so problematisch ist
© 2017 Getty Images

Am Dienstag meldete sich Johann Gudenus zum Ibiza-Video zu Wort und erklärte, er sei ein "willkommenes und willfähriges Opfer" gewesen, dass man "womöglich zusätzlich mit K.o-Tropfen oder ähnlichen Substanzen und Drogen" gefügig gemacht habe. Ihm würden streckenweise Erinnerungen fehlen und er wisse nicht, was er "in diesen Zuständen" von sich gegeben habe, führt der Ex-Politiker als Grund für sein Verhalten an.

Kritik an Gudenus

Die kritischen Stimmen ließen nicht auf sich warten: Ins Russische übersetzen, gerade stehen und über sieben Stunden eine Unterhaltung führen, ist unter tatsächlichem Einfluss von K.o-Tropfen so gut wie unmöglich. Äußerst problematisch ist aber vor allem eine Sache: Gudenus verharmlost damit die Wirkung von K.o-Tropfen und verhöhnt somit all jene, die Opfer dieser Substanz wurden. Wie K.o-Tropfen nämlich tatsächlich wirken, zeigt die Info-Seite des Frauenservice Wien.

Kampagne "Mich kriegst du nicht K.o."

Die Kampagne "Mich kriegst du nicht K.O." des Frauenservice Wien klärt darüber auf, was K.O. Tropfen sind, wie man sich davor schützen kann und was man tun kann, wenn man selbst oder andere betroffen sind.

Was sind K.o-Tropfen und wie wirken sie?

Die Abkürzung K.o steht für "Knock-Out" und nicht etwa für Korruption, nur so am Rande. K.o-Tropfen sind verschiedene farb- und geruchlose Substanzen (flüssig oder pulverartig) und wirken schnell betäubend. "Sie machen manipulierbar und wehrlos. Mitunter werden sie gezielt eingesetzt, um Frauen zu vergewaltigen", so heißt es in der Kampagne. Im Jahr 2015 wurden österreichweit 54 Vergewaltigungsfälle aktenkundig, bei denen die Täter ihre Opfer ohne deren Wissen unter Drogen gesetzt hatten.

  • K.o-Tropfen wirken sehr unterschiedlich. Auch die Dauer des Zustands variiert
  • Je nach Dosierung können sie die Bewegungs- und Handlungsfähigkeit einschränken
  • Sie können in höheren Dosierungen zu einem tiefen, komaartigen Schlaf führen

Anzeichen für eine Vergiftung

  • Wahrnehmungsschwierigkeiten
  • Bewusstseinstrübung
  • Dämmerzustand
  • Willenlosigkeit
  • Eingeschränkte Beweglichkeit bis hin zur Regungslosigkeit
  • Erinnerungslücken bis hin zur Amnesie
  • Mehr über die Anzeichen auf eine Vergiftung durch K.o-Tropfen und deren Nachwirkungen lest ihr hier.

K.o. Tropfen - Tipps zur Vorbeugung & Vermeidung

Das Frauenservice Wien gibt einige Tipps zur Vorbeugung und Vermeidung. Meistens werden K.o-Tropfen in Bargetränke gemischt. Sollte es Anzeichen dafür geben, Opfer von K.o-Tropfen geworden zu sein, sollte Anzeige bei der Polizei erstattet werden. Hier gibt es Tipps zur Strafverfolgung der Täter. Und hier noch einige Tipps vom Frauenservice:

  • Lass dein Getränk nicht unbeaufsichtigt stehen bzw. vereinbare mit FreundInnen gegenseitig auf Getränke aufzupassen
  • Keine offenen Getränke von Fremden annehmen.
  • Online-Dates immer an öffentlichen Orten vereinbaren, Vertrauenspersonen informieren.
  • Wenn du dich auf einer Party plötzlich unwohl fühlst, wende dich an eine Freundin oder einen Freund und verlasst die Party gemeinsam. Plötzliches Unwohlsein kann ein Symptom sein.
  • Wenn du alleine unterwegs bist und Hilfe brauchst, wende dich an das Barpersonal.
  • Im Zweifelsfall Polizei oder Rettung rufen.
  • Wenn du etwas Verdächtiges beobachtet hast, informiere die betreffende Person umgehend.
  • Lass eine Person, die sich eigenartig verhält, nicht alleine.

Hier findest du noch mehr Tipps.Beratung bietet übrigens auch der Frauennotruf, erreichbar unter 01 71719.

Thema: Report