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"Kochen ist kein Firlefanz"

Im Erfolgsprogramm „Fremd“ spielt er mehrere Biografien. Der Kult-Kabarettist über Eitelkeit bei Männern und wie er Frauen hilft.


"Kochen ist kein Firlefanz"
© ORF

Seit dem Film „Indien“, der Sitcom „MA 2412“ und der ORF-Satire „Dorfers Donnerstalk“ kennt jeder Alfred Dorfer. Am 6. Mai bringt er sein Bühnenprogramm „Fremd“ ins Akademietheater. Persönliche Fragen verweigert der Vater eines 18-jährigen Sohnes. WOMAN probierte es trotzdem.

„Was ist ein Feminist?“
Woman: Gibt es Freundschaften in der Kabarettszene? Oder überwiegen die Eitelkeiten?

Dorfer: Eitelkeiten unter Männern? Ich bitte Sie (lacht). Es sind kalifornische Beziehungen.

Woman: Was heißt das?
Dorfer: In Kalifornien ist man baff, wie freundlich und offen die Leute sind – und nach drei Wochen kommt man drauf, dass sich die Offenheit nicht weiterentwickelt. Es gibt in der Kabarettszene keinen Neid um einen Napf, weil es keine Subventionen gibt. Man muss sich um nichts anstellen. Zu den meisten Kollegen habe ich ein kalifornisches Verhältnis.

Woman: Und wenn die sich über Sie lustig machen?
Dorfer: Wenn ein Kabarettist, der Abend für Abend austeilt, keinen Scherz auf seine Kosten aushält, dann hat er den falschen Beruf.

Woman: In „Dorfers Donners­talk“ kritisieren Sie den ORF bis zur Peinlichkeit. Was und wem müssen Sie was vorlegen?
Dorfer: Die Sendungen sind alle live, da gibt es nichts zum Vorlegen. Wir machen einfach das, was wir machen (lacht).

Woman: Kaum zu glauben!
Dorfer: Es gibt keine Kompromisse und auch nur eine Richtschnur und die heißt ORF-Gesetz: Ich darf niemanden dif­-
fa­mieren. Und: Die Sendezeit beträgt 40 Minuten.

Woman: Was hat für Sie Prio­rität: Kritik, Unterhaltung, An­spruch, Humor?
Dorfer: Die etwas pathetisch klingende Frage ist: Was kann ich bewirken? Mir geht es nicht darum, dass Menschen meine Meinung übernehmen. Ich bin kein Priester. Man kann Gedankengänge in Bewegung setzen, indem man das Auffällige im Unauffälligen versucht darzustellen. Und dadurch auch Veränderungen im Denken bewirken, die natürlich nicht messbar sind, aber vielleicht eine Welle auslösen, wie wenn ein Stein ins Wasser fällt. Es geht also darum, über den Humor den Inhalt zu transportieren und nicht um reine Unterhaltung.

Woman: Worüber lästern Sie?
Dorfer: Ich lästere eigentlich gar nicht. Qualtinger hat gesagt, er sei kein Schauspieler, sondern er sei ein Menschen-Imitator. Ich wiederum bin, quasi so wie eine Hebamme, immer im Dienst. Ich beobachte ständig, wie sich Menschen verhalten, nach dem einfachen Grundsatz, was steckt dahinter? Das ist für den Effekt kein Problem, solange man – wieder etwas pathetisch – mit den Menschen liebevoll umgeht. Beim Denunzieren hätte ich schon ein Problem. Die einzigen, die keine Gnade verdienen, sind Politiker. Auch die habe ich nach ihren Äußerungen und Jobs zu behandeln, ihr Privatleben ist nicht meine Angelegenheit.

Woman: Ist Konsequenz für Ihr Metier nötig?
Dorfer: Ja, und deshalb hätte ich auch gerne mehr davon. Das ist ein schwieriger Lernprozess, weil die Konsequenz einen nahen Verwandten hat: die Sturheit. Und Sturheit heißt Unbeweglichkeit. Deswegen bin ich vorsichtig, weil ich beide Dinge nicht unterscheiden kann: Es ist mir nicht gegeben zu sagen, das ist ein konsequent guter Weg, den man weiter geht, oder das ist ein Beharren auf etwas, das gar nicht mehr stimmt oder das ich mir einbilde.

Woman: Manche meinen, man müsse sich Ihre Programme dreimal ansehen, um alle „Wuchteln“ zu verstehen.
Dorfer: Das wäre ein guter Verkaufstrick. (lacht). Meine Dramaturgie auf der Bühne ist nicht klassisch aufgebaut, sondern assoziativ. Dadurch wird das Ganze ziemlich schnell. Und ich warte nicht ab, ob die Pointe überall ihren Abnehmer gefunden hat. Ich gehe weiter.

Woman: Sind Sie vielleicht zu intellektuell?
Dorfer: Glaube ich nicht. Es ist meine Aufgabe, die Inhalte so zu übersetzen, dass sie für jeden transparent sind.

Woman: Wer kommt in Ihren Programmen nie vor?
Dorfer: Ich habe immer vermieden, mich über Fußball lustig zu machen. Das macht mir keinen Spaß, weil ich ein Afi­cionado bin.

Woman: Sie sind Austria-An­hän­ger. Muss man sich zu einem Club deklarieren?
Dorfer: Absolut, sonst ist das ja nicht lustig. Fußball ist ja mehr als ein Spiel, mehr als ein Sport, es ist ein soziales Ereignis.

Woman: Ausschließlich für Männer, wenn man sich die Umarmungen am Spielfeld ansieht …
Dorfer: Es spielen Männer, aber es kommen immer mehr Frauen auf den Platz. Wir haben jetzt auch eine Schiedsrichterin in der Bundesliga, das möchte ich lobend erwähnen. Aber es ist es ein Männersport. Die Buben suchen die Aufgehobenheit im Rudel, die Geborgenheit im Rudel, die gemeinsame Enttäuschung im Rudel. Man verschwindet als Individuum – und das ist angenehm.

Das ganze Interview finden Sie im aktuellen WOMAN