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Kann dir mein Körper nicht einmal egal sein?

"Ich liebe die Kurven meiner Frau!!": Warum viele die Nase davon voll haben, dass Männer sich für ihre Liebe zu kurvigen Frauen öffentlich feiern lassen.

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Robbie Tripp Instagram Kurven Frau
© instagram.com/tripp

Eigentlich hat es ganz lieb angefangen: Robbie Tripp hat auf Instagram ein Foto von sich und seiner Frau am Strand gepostet. Es sollte eine Liebeserklärung an ihre Kurven, ihre breiten Hüften und vollen Oberschenkel sein. In mehreren Postings schrieb er, wie sehr er ihre Fülligkeit liebe und sie für ihn die perfekte Frau sei.

Dann appelierte er noch an alle Männer da draußen, dass sie die Schönheitsideale ignorieren und sich nicht dissen lassen sollen, wenn sie - wie Tripp - auf kurvigere Frauen stehen. "Mädels, glaubt nicht, ihr müsstet euch an die Ideale anpassen, nur um geliebt zu werden. Da draußen gibt es einen Typen, der euch genau so lieben wird, wie ihr seid, so wie ich meine Sarah liebe.", schrieb der Amerikaner.

Er hat sie lieb, sie hat ihn lieb, Ende Gelände. Man könnte das Thema auch damit belassen und sich fragen, warum überhaupt irgendein Medium über diesen Typen und seine Lady geschrieben hat. Aber dann würde man eben ignorieren, wie das Internet funktioniert. Amerikanische Online Medien wurden aufmerksam auf ihn und schließlich betitelte Buzzfeed einen Artikel so: "People Are Applauding This Man For Celebrating His Wife’s Curves On The Internet" (übersetzt: Alle Leute applaudieren diesem Mann, weil er die Kurven seiner Frau im Internet feiert).

Und dann wurde es ein bisschen lauter, rund um Tripp. Denn viele dieser "people" waren gar nicht am Applaudieren, sondern eher ein bisschen abgeturnt von den Worten des Amerikaners, der sich in einem der Posts sogar als Feminist bezeichnete. Zu Recht fragte man sich, warum es wieder mal so ist, dass einem Mann zugeprostet wird, wenn er seine kurvige Frau feiert und gleichzeitig tausende kurvige Frauen, die sich selbst im feiern, online fertig gemacht werden?

Und außerdem, warum muss man ihn eigentlich dafür feiern, dass er seine Frau so akzeptiert wie sie ist? Irgendwie ist das doch ein Trugschluss, was seine eigene Toleranz anbelangt, denn im Endeffekt klingt das nach: Deine dicke Frau ist sexy, auch wenn sie nicht den Normen entspricht. Und bevor mir jemand an die Gurgel springt: Ja, der Mann liebt seine Frau, ja, er hat es gut gemeint! Doch das ist natürlich kein Grund, ihn als Held darzustellen.

Aber nicht er, die Privatperson Robbie Tripp, ist das Problem. Nicht er sollte das Auge des Mini-Shitstorms sein, nach dem man sich getrost die Hände reiben und alle guten Argumente wieder vergessen kann. Nein, wir sollten über das wahre Problem reden: Nämlich die Normen per se! Unsere Gesellschaft wird von den vermeintlichen Regeln beherrscht, die sagen, was schön - Norm - und was nicht schön ist. Doch wir müssen uns vor Augen führen, dass diese Konventionen künstlich konstruiert sind! Sie haben keine Verankerung in unseren Genen oder in unseren Gehirnen; sie haben sich einfach so entwickelt.

Rosa und Blau sind nur zwei Farben!

Wer das nicht verstehen kann (oder möchte), dem sage ich es so: Heute scheinen wir zu wissen, dass Hellblau für Jungs und Rosa für Mädchen ist. Das war aber nicht immer so! Früher wurden kleine Mädchen in Blau gekleidet, weil das die Farbe der Jungfrau Maria war. Und Jungs trugen rosa, also die "kleine" Form von Rot als Farbe für Stärke und Kampf. Man sieht also, dass die Zuteilung der Farben heutzutage keinen anderen Sinn hat, als die Wirtschaft zu stärken, damit mehr verschiedene Produkte verkauft werden können.

Wir sollten alle gemeinsam versuchen, Konventionen abzuschaffen, die Personen ins Abseits drängen. Dicke Menschen, dünne Menschen - sie können alle gleichermaßen gesund, ungesund, sportlich, unsportlich, mit sich zufrieden oder unzufrieden sein: Da sollte es einfach keine Trennung geben, die sagt: Dünn = Attraktiv, Dick = Unattraktiv. Allen Menschen muss derselbe Grundrespekt entgegengebracht werden, egal wie ihr Körper beschaffen ist.

Respekt ist für alle da.

Um aber nicht zu sehr abzuschweifen, will ich noch einmal wiederholen, was die Probleme mit Tripps Posting wirklich sind: 1. Er wird für etwas medial gefeiert, das eigentlich normal und deshalb nicht der Rede wert sein sollte!, 2. Ist es typisch, dass ein Mann für etwas gelobt wird, für das Frauen tagtäglich gemobbt werden. und 3. Ist es auch ein Problem, dass Menschen jetzt den Amerikaner fertig machen, obwohl sie die Chance nutzen könnten ernsthaft, über die Quelle der Probleme zu diskutieren.