Ressort
Du befindest dich hier:

Kommentar: Euke Frank zum Weltfrauentag

Euke Frank über den Weltfrauentag, unangenehme Gehaltsverhandlungen, Klopapier und lackierte Fingernägel.


Kommentar: Euke Frank zum Weltfrauentag
© Oliver Topf

Seit ich weiß, dass sogar die öffentlichen Pissoirs und Pipi-Räume einen Welttag haben (19. November! Eintragen!), begehe ich den WeltFRAUENtag (Heute!) ja weniger feierlich. Seit Tagen kennt meine Mailbox kaum ein anderes Thema. Im Betreff steht da „Aus Anlass des...“ oder „Weltfrauentag: Wir fordern...“. Gerne auch: „Immer noch sind...“ Und auch wenn dieser Tag längst der Geschäftemacherei dient – ein Möbelmulti gibt den Frauen heute 20 Prozent, wenn sie – erraten! – ein Bett kaufen – finde ich ihn gut und richtig!

Ich werde Ihnen jetzt nicht erzählen, dass wir Frauen im Schnitt immer noch um etwa 25 Prozent weniger verdienen als Männer, die exakt die gleiche Arbeit verrichten. Und ich will auch nicht darüber sprechen, dass in den meisten Führungsgremien Männer sitzen, die sich wiederum fast ausschließlich Männer auf ihre Etage holen, weil’s halt lustiger ist mit denen Macht auszukosten. Nein, ich rede auch nicht davon, dass in unserem Parlament immer noch 70 Prozent Männer sitzen... Ich erzähle Ihnen einfach drei kleine Episoden aus meinem Leben.

Ich bin, das sagen andere, eine sehr passable Autofahrerin. Und ich kann besser einparken, als alle Männer mit denen ich jemals zusammen war. Vor ein paar Wochen bremse ich mich vor einem Parkplatz ein, reversiere, um mich reinzuschlängeln und sehe aus dem Augenwinkel, dass da zwei junge Männer stehenbleiben, um mir zuzuschauen. Da war klar: die beiden geben sich jetzt die „blonde Tussi, die ob des engen Parkplatzes eh gleich die Nerven wegschmeißen wird“. Es war eng, sehr eng, aber ich war mit zwei Mal vor und zurück drinnen in der Lücke. Als ich aussteige, sagt der eine zu mir: „Wir haben gewettet, dass...“ Ich unterbreche ihn: „Und, wer hat zu mir geholfen?“ Daraufhin der andere verdutzt: „Nein, ich habe gewettet, dass Sie am vorderen Auto anstoßen und er hat aufs hintere Auto getippt.“
UNTERSCHÄTZT UNS NICHT!

Vor Jahren verhandelte ich wegen einer Gehaltserhöhung (Nein, es war nicht mein jetziger Chef!). Eine Notwendigkeit, die ich immer als extrem unangenehm empfunden habe. Und ich weiß von Freundinnen, dass sie kaum etwas mehr hassen, als mit Männern, die ihnen vorgesetzt sind, über ihre Leistung und eine adäquate Entlohnung zu sprechen. Ich saß also da und fasste kurz (man soll seine Chefs ja nicht langweilen und unnötig aufhalten) zusammen, warum ich mehr verdiene, als ich verdiene. Mein Pech: mein damaliger Freund arbeitete auch in diesem Unternehmen. Und da sagte der Ex-Chef wortwörtlich zu mir: „Wozu brauchst du mehr Geld? Dein Mann verdient doch eh genug.“
VERARSCHT UNS NICHT!

Ich habe das große Glück in einer Beziehung zu leben, die sehr partnerschaftlich ist. Und auch wenn ich mich um viele Dinge des Haushalts kümmere, habe ich den Eindruck, dass all die mühsamen Erledigungen des Alltags gerecht aufgeteilt sind. Bei meiner Freundin A. ist das ganz anders: sie hat einen anstrengenden Job, der sie weit über die normalen Arbeitszeiten fordert. Und trotzdem kümmert sie sich um den Haushalt, den Lernerfolg ihrer beiden Kinder, das fehlende Klopapier und den Lurch in den Ecken. Den Ehemann kann man vergessen: als die Kinder Babys waren, brauchte er seinen Schlaf. Wenn eines der lieben Kleinen in der Nacht kotzt, räumt sie auf, weil er den Geruch nicht mag. Wenn Klopapier fehlt, nimmt er halt Küchenrolle – man könnte es nachkaufen, dafür ist er aber zu beschäftigt. Elternabende fallen dummerweise immer genau auf jene Tage, an denen er mit den Kumpels Tennis spielen geht. Und die Schule ruft auch bei ihr und nicht bei ihm an, wenn das Kind von der Sprossenleiter fällt und sich dabei fast die Zunge abbeißt. Nicht dass Sie glauben, sie würde das alles einfach hinnehmen. Nein, sie streitet mit ihm. Dauernd. Sie fordert Mithilfe ein, bekommt sie ein paar Tage und dann ist alles beim Alten. Das Problem: er kapiert einfach nicht, dass die Hälfte der ganze Alltagskacke SEINE ist.
MACHT EUREN ANTEIL!

Das war’s auch schon...
Ach ja, irgendwann, als ich spätabends ziemlich erschöpft auf der Couch lag und verschiedene Farben Nagellack ausprobierte, meinte mein Mann: „Kein Wunder, dass wir die Welt regieren.“
Irrtum: wir wollen mit lackierten Nägeln die Hälfte der Macht und das gleiche Gehalt. Und damit unser Lack länger hält, macht Ihr Männer einfach die Hälfte der Hausarbeit!