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Kommt der Wechsel immer früher?

Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, trockene Haut: Die Menopause kann eine große Challenge sein. Umso mehr, wenn sich die Hormone bereits lang vor der Zeit umstellen.

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Kommt der Wechsel immer früher?
© istockphoto.com

Nadja Wagner ist gerade einmal 33 und schon mitten im Wechsel – ein Ereignis, das die meisten Frauen vielleicht mit 50 erwarten. Trifft man die junge, vor Lebenslust sprühende Frau, kann man sich unmöglich vorstellen, dass ihre fruchtbaren Jahre bereits vorbei sind. Nadja hat schon zwei Kinder und plante kein weiteres. "Aber ein seltsames Gefühl ist es trotzdem", sagt sie, "dass mir die Natur das jetzt aus der Hand genommen hat." Was der genaue Grund für den frühen Wechsel ist? Man weiß es nicht genau. So wie Nadja scheint es immer mehr Frauen zu gehen. Doch ist das auch statistisch belegbar? Und wie schlimm ist der Wechsel eigentlich? Immerhin ist er von Nebenwirkungen begleitet, die die Lebensqualität ziemlich beeinflussen können. Vom Gynäkologen Johannes Seidel (womanandhealth.com) wollten wir wissen, was beim Klimakterium im Körper passiert und was man dagegen tun kann. Und ob die Angst vieler Frauen vor einer Hormonersatztherapie gerechtfertigt ist. Gesellschaftlich betrachtet haben doch noch immer einige Frauen das Gefühl, durch den Wechsel auf einmal zum alten Eisen zu gehören. Unter dem Hashtag #Klimawechsel will eine Kampagne das Klimakterium deshalb aus dem tabuisierten Eck herausholen und Frauen eine Plattform geben, wo sie sich über ihre Erfahrungen austauschen können.

Was passiert beim Wechsel?

Hormoncrash. Mit dem Klimakterium ist die fruchtbare Phase der Frau zu Ende. Medizinisch betrachtet spricht man von der Menopause, wenn die Blutung ein Jahr lang ausgeblieben ist. Statistisch gesehen passiert das im Alter zwischen 49 und 55. "Das ist allerdings kein plötzlicher Vorgang, das Erlöschen der Eierstockfunktion zieht sich über Jahre", erklärt Dr. Johannes Seidel. Viele Frauen empfinden das als eine Art Hormoncrash. Leserin Monika Wahl etwa leidet unter den gleichen Stimmungsschwankungen wie ihr pubertierender 16-jähriger Sohn. Fakt ist, dass durch das Ende der Eizellreifung der Hormonspiegel durcheinander gerät. Östrogen- und Progesteronproduktion nehmen ab, später auch das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Das kann Schlafstörungen, trockene Haut und trockene Schleimhäute, Gewichtszunahme, Libidoverlust & Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen verursachen. Dazu kommt, dass viele Frauen parallel dazu eine Art Midlife-Crisis durchleben, die durch die Symptome der Menopause nicht besser wird. Auf halten kann man den Wechsel nicht, wie Seidel weiß. "Aber das ist ja keine Krankheit, sondern nur eine weitere Veränderung im Lebenszyklus. Umso wichtiger ist es deshalb, dass man die therapeutischen Möglichkeiten mit seinem Arzt bespricht!"

Statistisch gesehen ist es übrigens nicht haltbar, dass Frauen immer früher in den Wechsel kommen. "Es gibt eine genetische Disposition, bei der ein Frühwechsel wahrscheinlich ist, meistens passiert das um die 40. Davon sind etwa fünf Prozent aller Frauen betroffen", weiß Seidel. Diese Zahlen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht verändert. Allerdings wird heute mehr darüber gesprochen und auch die mediale Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Macht man sich Gedanken darüber, wann man selbst in den Wechsel kommen wird, kann der Gynäkologe die Höhe des sogenannten Anti- Müller-Hormonspiegels bestimmen. Ist dieser hoch, das Östrogen aber niedrig, ist der Wechsel in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich. Einen Anhaltspunkt geben auch Frühwechsel-Fälle in der Familie.

Kann der Lifestyle zu einer verfrühten Menopause führen?

Eizellen vorgegeben. An sich ist der Zeitpunkt des Wechsels mit dem Ende der Eizellreserven vorgegeben. Davon haben wir von Geburt an zwischen 300.000 und 500.000, mit jedem Zyklus werden 40 bis 60 verbraucht. Ein ungesunder Lifestyle mit zu viel Alkohol und Zigaretten, Übergewicht, fehlender Bewegung und schlechter Ernährung kann die Eizellreserve negativ beeinflussen -um maximal ein bis zwei Jahre. "Die Eizellen sind wie kleine Festplatten, sie speichern alles ab", erklärt Gynäkologe Seidel. Achtet man zu wenig auf die Gesundheit, kann sich das auf ihre Qualität und damit die Hormonproduktion der Eierstöcke auswirken. Auch Operationen am Eierstock, bei denen Eizellmaterial entnommen werden muss, z. B. beim Abschälen von Zysten, können das zur Folge haben. Unterleibseingriffe wie Unterbindung oder Verödung der Gebärmutter haben eher keine großen Auswirkungen.

Ein anderes Thema sind schwere Krankheiten wie Krebs. Durch die Chemotherapie werden auch die Eizellen schwer geschädigt, viele betroffene Frauen bekommen gar keine Periode mehr. Bei hormoninduzierten Krebserkrankungen (z. B. viele Brustkrebsarten) ist das sogar wünschenswert. Betroffene müssen ohnehin eine Antihormontherapie machen.

Ist die Angst vor Hormonersatztherapie berechtigt?

Bioidente Hormone. Doch was tut man nun, wenn man unter Wechselbeschwerden leidet? Das sind immerhin 70 bis 80 Prozent der Frauen, in unterschiedlich starkem Ausmaß. Ist man dazu verdammt, diese durchzustehen? Keineswegs, betont Dr. Seidel. Als einfache und mit Abstand effektivste Hilfe sieht er die Hormonersatztherapie. Vor der haben allerdings viele Frauen Angst, da sie das Krebsrisiko erhöhen soll. Doch diese Vorwürfe bestehen zu Unrecht, wie der Experte erläutert: "In den Nullerjahren gab es zwei große Studien, die ein erhöhtes Krebsrisiko nahelegten. Allerdings war das Design dieser Studien sehr fragwürdig. Die daran beteiligten Frauen waren großteils bereits über 60, als sie mit der Therapie begannen, ein Alter, in dem das eigentlich gar keinen Sinn mehr macht. Außerdem wurde mit künstlichen Hormonen gearbeitet, die nicht genau so wirken wie die von unserem Körper selbst produzierten." Heute setzen viele Ärzte bioidente Hormone ein. Diese sind biochemisch exakt so gebaut wie die körpereigenen. Auch werden sie meist nicht oral eingenommen, sondern in Cremen auf die Haut appliziert und so nicht über die Leber verstoffwechselt. Dadurch gibt es die Nebenwirkungen aus den fraglichen Studien nicht. Die Therapie hat im Gegenteil sogar positive Auswirkungen: Das Risiko für Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz, Alzheimer oder Parkinson sinkt. Auch Haut und Haare bleiben durch das zugeführte Östrogen viel dicker und dichter. Die Brustkrebsgefahr steigt zwar nach fünf Jahren Therapie leicht an, aber das Risiko durch fehlenden Sport und Übergewicht ist im Vergleich dazu viel höher. "Wichtig ist, dass man die Therapie zum richtigen Zeitpunkt beginnt, ideal ist innerhalb der ersten fünf Jahre, in denen der Wechsel einsetzt. Und dann muss man sie natürlich immer wieder hinterfragen. Braucht man sie eigentlich noch?", betont Dr. Seidel. Ein verfrühter Wechsel ist übrigens eine wichtige Indikation für Hormonersatztherapie: "Diesen Frauen fehlen hormonell gesehen zehn Jahre im natürlichen Alterungsprozess, da sollte man schon etwas tun." Selbstverständlich wird im Vorfeld immer abgeklärt, ob medizinische Gründe gegen eine Behandlung sprechen.

Möchte eine Frau auf keinen Fall Hormone nehmen, gibt es auch die Möglichkeit von Pflanzenpräparaten, sogenannte Phytohormone. Diese docken im Körper an den gleichen Rezeptoren an wie die entsprechenden Hormone und entwickeln so eine ähnliche Wirkung. Sie helfen sehr wohl gegen das Osteoporoserisiko, ästhetische Nebenerscheinungen und leichte Symptome. Gegen starke Wechselbeschwerden helfen sie allerdings eher nicht, wie Seidel weiß.

Neue Kampagne: #Klimawechsel

Blogge. Bleibt die Tatsache, dass der weibliche Wechsel in unserer Gesellschaft teils noch immer mit Vorurteilen behaftet ist. Manche Frauen können nicht offen darüber reden, müssen sich dumme Sprüche über Launenhaftigkeit und das Älterwerden anhören. Der Phytohormonpräparatehersteller Dr. Schreibers hat deshalb die Initivative #Klimawechsel ins Leben gerufen. Auf einfach-besser-leben.at bloggen betroffene Frauen über ihre ganz persönlichen Anliegen zum Thema und ihre diesbezüglichen Erlebnisse. Es werden auch noch weitere Frauen gesucht, die ihre Erfahrungen teilen wollen. Einfach bewerben unter experten <AT> dr-schreibers.at.