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Hey Chefs, deswegen solltet ihr Mütter einstellen!

Stressresistenz, Teamorientierung, Kreativität. Psychologin und Buchautorin Anika Harb erklärt im Talk mit WOMAN, warum Mama-Sein die beste Weiterbildung überhaupt ist.

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Supermoms - Kompetenzen, die nur Mütter haben

Endlich die Kompetenz von SuperMoms und SuperDads erkennen!

© istockphoto.com

Nichts trainiert die Nerven, die Umsicht und das Zeitmanagement so gut, wie Kinder. Psychologin und Autorin Anika Harb ist sich sicher: "Wer Kinder hat, der macht eine Ausbildung, die man sonst nirgends bekommt." In ihrem neuen Buch beschreibt die zweifache Mutter die geheimen Kräfte von Supermoms und erklärt, warum Väter und Mütter für Unternehmen oft die wertvollsten Mitarbeiter sind.

»Es war für mich schier unvorstellbar, was man alles an einem Tag schaffen kann!«

WOMAN: In letzter Zeit scheint, als würde es nur noch perfekte Blogger-Mütter geben, oder jene, die offen zugeben, dass sie es bereuen Mutter geworden zu sein. Woher kommen diese beiden Extreme?
Anika Harb: Ich glaube das spiegelt eine „Zerrissenheit“ von Müttern wider. Einerseits möchten sie als Mama perfekt sein, andererseits auch als Berufstätige oder gar Karrierefrau wahrgenommen werden. Die Gesellschaft respektiert scheinbar nur die Kombination. Wenn man als Mutter nicht gleich wieder arbeiten geht, wird man „schief“ angeschaut, wenn man sich dafür entscheidet, zu Hause zu bleiben, ebenso. Mir berichten Mütter ihr „Zerrissensein“ oft mit einem schlechten Gewissen, das sie ständig begleitet: „Wenn ich den ganzen Tag arbeite, habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht bei meinem Kind bin und wenn ich zu Hause bei meinem Kind bin und mit ihm Zeit verbringe, habe ich ein schlechtes Gewissen der Firma gegenüber, dass ich nicht erreichbar bin“.

Gelassenheit üben für Mütter

WOMAN: Warum dann der Schwenk in die eine oder andere extreme Richtung?
Anika Harb: Ich glaube, das ist die Sehnsucht danach, nicht überall perfekt sein zu wollen oder zu können. Oder sogar, nur Mutter sein zu dürfen oder auch nur als Frau wahrgenommen zu werden.

WOMAN: Welche Rolle spielen die perfekten Instagram-Mütter, wenn es um die Zufriedenheit der Mütter mit sich selbst geht?
Anika Harb: Dieselbe wie Model-Fotos, wenn es um die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper geht.

»Viele von uns haben verlernt, darauf zu hören, was unser „Mutterinstinkt“ uns rät.«

WOMAN: Mütter mit Burnout sind auch keine Seltenheit mehr. War das denn schon immer so – oder hat man nur nicht davon gesprochen?
Anika Harb: Ich kann mich erinnern, dass ich vor über 10 Jahren in meiner Ausbildung zur Klinischen Psychologin am LKH Graz sehr erstaunt war, warum auf der Psychiatrie so viele Jung-Mütter stationär waren. Mit Burnout, Depression, Angst. Jetzt – wo ich selbst Mutter bin – ist mir klar warum. Muttersein verlangt Höchstleistungen. Vor allem dann, wenn wir uns die Latte („perfekte Mutter“) so hoch legen und wenig auf uns selbst vertrauen. Viele von uns haben verlernt, darauf zu hören, was unser – sagen wir dazu mal banal „Mutterinstinkt“ – uns rät. Wir vertrauen eher Foren im Internet, Dr. Google und unterschiedlichsten Einflüsterern, die auch Unterschiedliches flüstern. Dadurch werden wir noch mehr verwirrt – anstatt das zu tun, was unsere Großmütter und Ur-Großmütter schon getan haben: Auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.

WOMAN: Sie sind selbst Mutter von zwei Kindern. Was ist Ihrer Meinung nach heutzutage die größte Herausforderung, wenn man Kinder bekommt?
Anika Harb: Seinen eigenen Weg zu wählen und den auch zu gehen bzw. den auch bei Bedarf anzupassen, wenn man erkennt, dass für einen selbst oder für die Kinder dieser Weg nicht optimal ist. Schließlich haben wir ja uns und unseren Kindern gegenüber eine Verantwortung, die wir nicht einfach abgeben können. Schon gar nicht an externe Betreuungseinrichtungen.

Anika Harb
Anika Harb mit ihren beiden Kindern

WOMAN: In ihrem neuen Buch geht es um die außergewöhnlichen Fähigkeiten, die Mütter besitzen. Wieder eine persönliche Frage: Welche Fähigkeit haben Sie erst als Mutter entwickelt, die sie vorher noch nicht hatten?
Anika Harb: Einige: Zeitintelligenz, zum Beispiel. Es war für mich schier unvorstellbar, was man alles an einem Tag schaffen kann! Wie routiniert man in vielen Dingen wird und wie wenig Schlaf man wirklich braucht!
Oder Stressresistenz: Mich konnte so schnell nichts mehr aus der Bahn werfen. Sich über Kleinigkeiten aufregen? Das kam bald gar nicht mehr vor. Der Fokus war schnell dort, wo er hingehörte: bei meinem Kind bzw. jetzt bei meinen Kindern. Wobei ich auch rasch gelernt habe, dass sich nicht alles um die Kinder drehen darf. Das ist eben auch nicht gesund.

WOMAN: Sie sind der Auffassung, dass die Zeit der Elternschaft eine grandiose Fortbildung ist. Was lernt man denn als Mutter noch so?
Anika Harb: In den ersten 5 Jahren der Elternschaft habe ich 12 Superkräfte identifiziert. Ich bin aber davon überzeugt, dass in Schulzeit, Pubertät und später beim Loslösen noch viel mehr Fähigkeiten auf mich warten, die ich vielleicht noch nicht kenne oder bei mir noch nicht so ausgeprägt sind, wie sie sein können.

Supermoms - Kompetenzen, die nur Mütter haben

WOMAN: Welche 12 Fähigkeiten sind das?
Anika Harb:
1. „Mein Kopf sortiert Checklisten bereits alphabetisch.“
(Superkraft Organisationsstärke)

2. „Mich kann so schnell nichts mehr aus der Ruhe bringen.“
(Superkraft Stressresistenz)

3. „Ohne Teamarbeit geht gar nix!“
(Superkraft Teamorientierung)

4. „Manchmal kommt mir vor, ich plane bereits im Sekundentakt.“
(Superkraft Zeiteffizienz)

5. „Wenn alle krank sind – eine hält immer die Stellung: Mama!“
(Superkraft Resilienz)

6. „Ich fühle mich wie ein General beim Bundesheer – mit dem Unterschied: ich werde dafür geliebt!“
(Superkraft Führungsstärke)

7. „Die Erkenntnis: Wenn Gurken wie Krokodile aussehen werden sie gegessen“
(Superkraft Kreativität)

8. „Der Moment, wenn dein Säugling dir signalisiert, er versteht jedes Deiner Worte.“
(Superkraft Kommunikationskompetenz)

9. „Realistische Ziele: Zuerst drehen, dann sitzen, dann evtl. krabbeln, dann gehen.“
(Superkraft Zielorientierung)

10. „Meine Kinder sind unbarmherzig ehrlich – damit muss mein Ego klarkommen.“
(Superkraft Kritikfähigkeit)

11. „Manchmal hat Streitschlichten bei Kleinkindern etwas von einem Ringrichter beim Boxen.“
(Superkraft Konfliktfähigkeit)

12. „Von Tag zu Tag lerne ich auf’s Neue, wie viel Vertrauen ich meinen Kindern schenken kann –
denn ich lerne sie von Stunde zu Stunde besser kennen.“
(Superkraft Vertrauen)

WOMAN: Wie können Mütter ihre erworbenen Kompetenzen oder "Superkräfte" in die Firma einbringen?
Anika Harb: Ich bin davon überzeugt, dass sie das automatisch tun. Wenn wir nur daran denken, dass UnternehmerInnen in Österreich über 1,2 Mrd. € pro Jahr für Fortbildungen ausgeben: zu diesen Fortbildungen zählen sehr viele persönlichkeitsbildende Weiterbildungen wie Führungsstärke, Kommunikationskompetenz, Kritikfähigkeit etc. Mütter (aber auch Väter, die Zeit mit ihren Kindern verbringen) werden automatisch in diesen Disziplinen geschult. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Das kann kein Seminar der Welt leisten.

WOMAN: Können Sie ein Beispiel aus der Praxis nennen?
Anika Harb: Marita Haas zeigt in ihren Studien an der TU Wien auf, dass Mütter zum Beispiel effektiver im Zeitmanagement sind. Sie hat in Gesprächen mit Managern schon des öfteren Statements gehört wie: „Ich arbeite lieber mit Müttern zusammen, denn die nutzen ihre Zeit besser. Da gibt es kein unnötiges "Blabla" – denn eine Mutter, die um 16 Uhr weg muss, um ihr Kind vom Kindergarten zu holen, hat schlichtweg nicht die Zeit, ewig um um den heißen Brei herumzureden“.

»Es wird Zeit, dass wir uns selbst bewusst werden, dass wir Mütter Großartiges leisten.«

WOMAN: Das klingt ziemlich attraktiv aber wie mache ich das in einem Vorstellungsgespräch meinem zukünftigen Arbeitgeber bewusst?
Anika Harb: Indem ich klarstelle: Ich bin Mutter und deshalb hab ich was drauf. Es wird Zeit, dass wir uns selbst bewusst werden, dass wir Mütter Großartiges leisten. Viele lassen sich durch die Zerrissenheit und die unterschiedlichen Mütter-Bilder leider im Gegenteil eher verunsichern. Davon müssen wir wegkommen. Hin zu: M.A.M.A. „Mehr als manche ahnen“.

WOMAN: Wie kann einer Mutter oder einem Vater ihr Buch weiterhelfen?
Anika Harb: Ich habe das Buch in erster Linie für Mütter von Kindern im Alter von 0-6 geschrieben, aber auch für solche, die sich an diese Zeit erinnern möchten. Es hilft dann weiter, wenn wir bereit sind, Mamasein (wieder) als Stärke betrachten zu können. In „Supermoms“ habe ich versucht, meine Geschichten und die meiner 15 wunderbaren InterviewpartnerInnen zu erzählen. Ich bin aber davon überzeugt, es gibt noch unzählige andere Geschichten, die beweisen, dass wir Mütter Superkräfte besitzen. Wir sollten nur beginnen, diese wieder zu sehen!

Das Buch "Die geheimen Kräfte von Supermoms - Warum Mütter außergewöhnliche Fähigkeiten besitzen" ist für 19,95 Euro im Handel erhältlich.

Die geheimen Kräfte der Supermoms - Anika Harb

Themen: Eltern, Karriere,

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