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Was kostet deine Welt? Eine IT-Verkaufsberaterin über ihren Kontostand

Jeder Tag ist anders, aber immer wieder aufregend: Wir haben eine Verkaufsberaterin aus der It-Branche nach ihrem Kontostand gefragt. Und wollten wissen, ob Corona sie beruflich getroffen hat.

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© iStock

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Nicht zuletzt trägt diese Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen, über Geld sollten wir dringend sprechen! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen nach ihrer finanziellen Situation.

Im aktuellen Teil der Serie haben wir Martina zum Gespräch gebeten. Die 44-Jährige arbeitet im IT-Vertrieb als Sales Consultant und betreibt als Selbstständige ihre eigene PR-Agentur.

Martina Geldserie
Martina arbeitet im IT-Bereich.

WOMAN: Wie kann man sich einen normalen Arbeitstag von dir vorstellen?
Martina: Meine Arbeitstage sind sehr unterschiedlich, eigentlich unplanbar. Corona hat eine völlig neue Struktur geschaffen. Derzeit lese ich zum Frühstück meine E-Mails. Oft führt das dazu, dass ich meinen Tag umplanen muss. Trouble Shooting, wenn etwa der Betrieb eines Kunden steht, geht vor. Danach arbeite ich meine Termine ab, die ich mir selbst vereinbare. Ich mache Software-Präsentationen, Prozess-Beratungen und Analysen. Mittags nehme ich mir immer Zeit, im Außendienst um irgendwo zu sitzen, nicht zu kommunizieren und den Kopf ausrauchen zu lassen. Bis in den Abend hinein telefoniere, erkläre und berate ich. Ich habe Unterstützung durch Assistentinnen im Innendienst, die dann schriftlich umsetzen, was ich verkauft und vereinbart habe, die mir Termine eintragen und Rückrufe erledigen. Diese E-Mails lese ich am Abend, um ungefähr zu wissen, was am Morgen passiert.

WOMAN: Welche Ausbildung(en) hast du gemacht?
Martina: Ich habe die Lehre zum Großhandelskaufmann gemacht und gefühlt 1.000 Schulungen und Kurse.

WOMAN: Welchen Stellenwert nimmt dein Job in deinem Leben ein?
Martina: Priorität Nummer eins ist meine Tochter, Melanie. Priorität Nummer zwei sind meine Familie und Freunde, danach kommt der Job. Wobei diese Priorisierung eine Herzensangelegenheit ist und in der Realität ohnehin die tägliche Arbeit im Vordergrund steht.

WOMAN: Wie wichtig ist dir Geld?
Martina: Mir persönlich ist es nicht wichtig. Aber ich habe schnell gelernt, dass man nur wirklich frei und unabhängig ist, wenn man finanziell auf eigenen Beinen steht. Um das Leben zu führen, dass ich führen möchte, ist Geld wichtig.

WOMAN: Hat dich Corona beruflich und finanziell getroffen? Wenn ja, inwiefern?
Martina: Ich arbeite in einem IT-Unternehmen, dass auch HR-Software entwickelt. Uns alle hat Corona enorm getroffen – durch erhöhten Arbeitsaufwand, durch Gesetze, Erlässe und Verordnungen, die wir verstehen mussten. Finanziell hat es mich nur in meiner privaten Selbständigkeit belastet. Ich konnte einige gute Events nicht veranstalten, einige Ideen nicht umsetzen. Außerdem habe ich viel Zeit damit verbracht, meinen Kunden Hoffnung zu machen und Ideen zu entwickeln, wie man Corona für sich nutzen kann, um mit guten PR-Maßnahmen doch Umsatz zu generieren. Am schlimmsten war für mich, dass mein gewohnter Arbeitsalltag plötzlich nicht mehr existiert hat. Ich sitze fast nie am Schreibtisch, bin nie durchgehend zu Hause. Diese Veränderung ist nach wie vor schwierig für mich.

»Um das Leben zu führen, dass ich führen möchte, ist Geld wichtig.«

WOMAN: Wie viel verdienst du?
Martina: Ich habe netto ohne Prämien, Diäten und andere Zuschläge rund 2.500 Euro. Über ein normales Berufsjahr gerechnet sind es rund 3.000 bis 4.500 Euro.

WOMAN: Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Martina: ... frag das nie einen Vertriebsmitarbeiter!

WOMAN: Wie hoch sind deine privaten Fixausgaben?
Martina: Meine Fixkosten sind exakt 1.900 Euro pro Monat, ohne dass ich mir Unsinn geleistet haeb.

WOMAN: Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja, warum und wie viel gibst du monatlich dafür aus?
Martina: Ich habe zwei Lebensversicherungen und gebe dafür 130 Euro aus. Eine ist eine reine Pensionsvorsorge, die andere eine reine Sparform mit Fonds, um auch eine gute Rendite zu erzielen.

WOMAN: Wofür gibst du gerne und am meisten Geld aus?
Martina: Ich bin spontan und lebe sehr gerne. Mein Laster sind Schuhe alle Art. Spannenderweise habe ich nie die richtigen. Das meiste Geld gebe ich aber für meine Tochter aus, derzeit hat sie ihr erstes Auto bekommen. Oft auch für spontane Kurzurlaube, die mir am Donnerstag einfallen und am Freitag starten müssen.

WOMAN: Sparst du Geld? Wenn ja – wie legst du es an?
Martina: Auf den Bausparer kommen 100 Euro und auf mein Sparbuch lege ich rund 300 bis 500 Euro.

Martina Konto
Martina & ihre Tochter.
»Das meiste Geld gebe ich aber für meine Tochter aus.«

WOMAN: Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Martina: Schwer zu sagen mit schwankenden Bezügen. Momentan wenig. Oft sind es nur 50 Euro, manchmal auch 300 Euro. Je nachdem, was meine Tochter braucht, je nachdem was gerade kaputt geht und wie die Rücklagen sind.

WOMAN: Was würdest du gerne haben, kannst es dir aber nicht leisten?
Martina: Nichts. Es sind nur noch sehr große Träume, die ich mir nicht erfüllt habe: Ein Segelboot mit genügend Schlafplätzen für alle FreundInnen und eine Wohnung in Grado. Diese Wünsche sind aber gerade nicht so wichtig.

WOMAN: Wie gut kannst du mit Geld umgehen? Und wie behältst du deine Finanzen im Blick?
Martina: Meinen Kontostand checke ich täglich. Meine Finanzen plane ich in einer Excel-Haushaltsliste. Ich kann mehr oder wenig gut mit Geld umgehen, aber wenn mich der Hafer sticht, gebe ich es aus! Ich muss es ohnehin alleine ausbaden, wenn ich übertrieben habe und weiß ganz genau, dass ich es wieder verdiene.

WOMAN: Weißt du, wie viel deine KollegInnen aus der Branche verdienen?
Martina: Ja, natürlich. Es gehört zu meinem Job, sich am Einkommen zu messen. Ich arbeite in einer Männerdomäne. Als Frau bin ich in meiner beruflichen Rolle den männlichen Kollegen gleichgestellt. Der "Held" ist, wer am meisten Umsätze bringt, somit die meisten Erfolge verbucht und am Ende am meisten verdient. Kompetenz wird in Zahlen (Einkommen) gemessen.

WOMAN: Sprichst du mit deinem Freundeskreis über deine Finanzen?
Martina: Ungern, weil ich gemessen an dem, was so manche Freundin verdient, sehr viel verdiene. Und weil ich mir nicht vorstellen kann zum Leben einen Mann/Partner zu brauchen um gut zu leben. Es ist mir wichtig, finanziell unabhängig und eigenständig zu sein. Ich könnte es auch nicht anders leben. Frauen verdienen leider in vielen Berufen viel weniger als ihr Einsatz und ihre Zeit eigentlich wert ist. Ich möchte in meinem Privatleben keine Disharmonien, weil eine/r sehr gut und eine/r weniger verdient. Wir unterhalten uns über andere Themen die wichtiger sind.

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