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Was kostet deine Welt? Eine Seminarmanagerin spricht über ihren Kontostand

In unserem Money-Talk verrät uns Seminarmanagerin Karina, 34, was sie verdient und warum sie gerne jedem erzählt, wie viel ihre Küche gekostet hat.

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Seminarmanagerin
© Privat

"Über Geld spricht man nicht" – das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt trägt diese Verschwiegenheit in Sachen Einkommen dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen, über Geld sollten wir dringend sprechen! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen nach ihrer finanziellen Situation. Im aktuellen Teil unseres Money-Talks haben wir Seminarmanagerin Karina Neuherz zum Interview gebeten.

Nach der HAK-Matura merkte Karina schnell, dass Studieren nichts für sie ist – sie wollte lieber gleich Geld verdienen. Später zog sie in die Schweiz, wo sie diverse Weiterbildungen absolvierte. Darunter auch einen Kommunikationslehrgang und die Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin. Im Mai 2020 kam sie wieder nach Österreich und zog gemeinsam mit ihrem Verlobten in ein Haus in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bad Blumau (Steiermark). Neben ihrem Teilzeitjob als Seminarmanagerin ist die 34-Jährige gerade dabei, sich ein eigenes Business als Style Coach aufzubauen.

WOMAN: Was arbeitest du genau?

Karina: Ich arbeite Teilzeit beim BFI (Anm. Berufsförderungsinstitut) als Seminarmanagerin. Das bedeutet, ich bin dafür verantwortlich, dass Seminare organisiert werden und die nötigen Unterlagen vorhanden sind. Ich bin für die Teilnehmeranmeldung zuständig und sorge dafür, dass die Kurse dann auch laufen.

WOMAN: Wie kann man sich einen normalen Arbeitstag von dir vorstellen?

Karina: Ich beginne jeden Morgen um 7:30 Uhr. Dienstag und Donnerstag gehe ich ins Büro, am Mittwoch bin ich im Home-Office. Zuerst bearbeite ich Mails und dann heißt es bei mir eigentlich „go with the flow!“ Natürlich habe ich meine fixen Aufgaben wie zum Beispiel Stundenpläne erstellen oder TrainerInnen für neue Seminare suchen, jedoch passiert vieles auch spontan. Jeder Tag ist anders und abwechslungsreich, da ist Flexibilität gefragt. Irgendwann ist es dann 16:00 Uhr und mein Arbeitstag ist zu Ende.

WOMAN: Welche Ausbildung(en) hast du gemacht?

Karina: Bis zum 9. Schuljahr besuchte ich eine Hauswirtschaftsschule und wollte danach eigentlich Friseurin werden. Ich ließ mich jedoch anderweitig beeinflussen und ging gemeinsam mit einer Freundin in die HAK. Nach einem kurzen, einsemestrigen „Ausflug“ ins Studienleben habe ich mich dann für’s Geldverdienen entschieden. Weiterbildungen sind mir persönlich sehr wichtig, deshalb habe ich auch schon einige gemacht. Ich bin ausgebildete Instructor of Dance Fusion, Farb- und Stilberaterin und in der Schweiz habe ich die Ausbildung zur Erwachsenenbildnerin sowie einen Kommunikationslehrgang gemacht. Aktuell bin ich in einem Online Business Coaching . Alles auf Englisch, was mich sehr freut, weil es meine Lieblingssprache ist.

WOMAN: Welchen Stellenwert nimmt dein Job in deinem Leben ein?

Karina: Mein Job beim BFI ist eher ein Mittel zum Zweck: Geld verdienen, um meine Fixkosten zu decken und einen einigermaßen angenehmen Lifestyle haben zu können. Die Stilberatung ist definitiv meine Leidenschaft. Es ist mein großes Ziel, Frauen auf der ganzen Welt bei Styling-Themen zu unterstützen. Aber noch kann ich nicht davon leben.

(c) Karina Neuherz


WOMAN: Wie wichtig ist dir Geld?

Karina: Geld war für mich früher immer ein eher schwieriges Thema, weil ich das Gefühl hatte, mich nicht mit Finanzen auszukennen und auch nichts damit zu tun haben wollte. In den letzten Monaten habe ich aber eine freundschaftliche Beziehung zum Thema Geld aufgebaut und sehe es als einen Lebensbegleiter. Wir verstehen uns mittlerweile sehr gut. Arigato, Money! (Lacht.)

WOMAN: Hat dich Corona beruflich und finanziell getroffen? Wenn ja, inwiefern?

Karina: Naja. Ich bin im Mai 2020 nach fünf Jahren in der Schweiz zurück nach Österreich gezogen. Das war anfangs ehrlich gesagt schon etwas schwierig, da ich kein Arbeitslosengeld erhalten habe. Gott sei Dank fand ich schnell eine Anstellung. Zwar hätte ich gerne Vollzeit gearbeitet, habe aber meine Teilzeitanstellung als Chance genützt, um mir nebenbei ein Business als Style Coach aufzubauen.

WOMAN: Wie viel verdienst du?

Karina: 1240€ netto für 22 Stunden.

WOMAN: Wie zufrieden bist du mit deinem Gehalt?

Karina: Ich habe viel Verantwortung in meinem Job, daher dürfte es gerne etwas mehr sein. Aber grundsätzlich bin ich sehr zufrieden mit meinem Gehalt als Teilzeitkraft. Dasselbe habe ich früher für 40 Stunden im Hotel an der Rezeption verdient.

WOMAN: Wie hoch sind deine privaten Fixausgaben?

Karina: Mit Kredit fürs Haus, Versicherungen, Auto, Handy, Lebensmittel und Co bin ich bei ca. 1000€ im Monat.

WOMAN: Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja, warum und wie viel gibst du monatlich dafür aus

Karina: Ja, das wurde mir vor vielen Jahren von meinem Versicherungsmakler empfohlen. Ich zahle dafür 66€ im Monat.

WOMAN: Wofür gibst du gerne und am meisten Geld aus?

Karina: Definitiv Mode! Also Kleidung, Schuhe und Schmuck.

WOMAN: Sparst du Geld? Wenn ja – wie legst du es an?

Karina: Mein Partner und ich sparen gemeinsam. Zehn Prozent von jedem Kontoeingang gehen auf ein separates Konto. Wir haben auch Anleihen, Aktien und Kryptowährungen. Wir sichern uns mehrfach ab. Man weiß ja nie...

WOMAN: Wie viel bleibt am Monatsende übrig?

Karina: Übrig bleibt in der Regel nichts mehr, wir verteilen alles auf verschiedene Unterkonten für Versicherungen, Haus und Möbel, Spenden, Weiterbildung und Unvorhergesehenes, damit wir für alle Eventualitäten gerüstet sind.

WOMAN: Was würdest du gerne haben, kannst es dir aber nicht leisten?

Karina: Im Moment träume ich von einem Rattan-Hängesessel – eine eher kleine Investition. Und wir würden gerne eine Fassade und eine Außenanlage rund ums Haus machen, aber das ist derzeit noch nicht drinnen.

WOMAN: Wie gut kannst du mit Geld umgehen? Und wie behältst du deine Finanzen im Blick?

Karina: Durchschnittlich. Ich sehe das so: Was bringt es mir, jeden Cent zu sparen, wenn ich morgen von einem Auto überfahren werden könnte? Ich gebe einfach gerne Geld aus und genieße mein Leben. Trotzdem habe ich ein Bedürfnis nach Sicherheit. Ich komme gut über die Runden und kann meine Zahlungen fristgerecht erledigen.

WOMAN: Weißt du, wie viel deine KollegInnen aus der Branche verdienen?

Karina: Ich glaube, mein Arbeitskollege verdient so viel wie ich. Wir wurden gleich eingestuft. Sonst kenne ich die Branche und die dazugehörigen Löhne in Österreich kaum.

WOMAN: Sprichst du mit deinem Freundeskreis über deine Finanzen?

Karina: Nicht wirklich. Das Thema kommt bei uns kaum auf. Ich habe auch das Gefühl, dass es in Österreich ein bisschen verpönt ist, über Geld zu sprechen. Das habe ich besonders gemerkt, als wir mit unserem Hausbau begonnen haben. Anfangs dachte ich, ich müsse mich dafür schämen, dass unsere Küche 32.000€ gekostet hat. Mittlerweile binde ich das gerne jedem, der es wissen will, auf die Nase. Es ist wirklich eine großartige, top-ausgestattete Küche! (Lacht.)

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