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Das Konzept Schönheit

Warum gehen immer mehr Menschen zum Beauty-Doc? Wie fühlen sie sich nach einem Eingriff und was ist eigentlich "schön"? Diesen und weiteren Fragen gingen wir gemeinsam mit Experten nach.

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Das Konzept Schönheit
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Seit Menschengedenken ist Schönheit für uns ein Thema. Schon im alten Ägypten wurden Pigmentflecken mit einer Bockshornklee-Salbe bekämpft. Auch das Schwärzen von Wimpern und Augenbrauen mit Kohle war selbstverständlich. Und der Grieche Hippokrates mixte bereits Tinkturen gegen Falten. Das Bewusstsein für Ästhetik liegt offenbar in unserer Natur. Menschen wollen hübsch sein, Kosmetika und Beauty-Behandlungen boomen. Aber was ist eigentlich schön? Zwei Umfragen und eine Studie haben sich mit dem Schönheitsempfinden und den psychologischen Effekten von ästhetischen Eingriffen beschäftigt. Außerdem haben wir Dermatologen und plastische Chirurgen um ihre Erfahrungen aus der täglichen Praxis gebeten.

Goldener Schnitt.

Die Attraktivitätsforschung hat herausgefunden: Gutes Aussehen ist eine Frage der Proportionen. "Menschliche Schönheit lässt sich auf ein mathematisches Verhältnis, den so genannten Goldenen Schnitt, zurückführen. Diese Kriterien finden sich auch bei Pflanzen- und Tieren: Je perfekter, desto schöner finden wir sie. Das Empfinden dafür hat sich über die Jahrtausende nicht verändert", weiß der plastische Chirurg Dr. Veith Moser (medspa.cc). Von 62 in einer Studie untersuchten Kulturen empfinden nur 20 Prozent sehr schlanke Frauen als attraktiv, die Hälfte setzt sogar auf üppige Rundungen, 30 Prozent lieben das Mittelmaß.

Nachbessern.

Da nur die wenigsten von der Natur mit perfekten Proportionen ausgestattet wurden, interessieren sich immer mehr für ästhetische Eingriffe. Immerhin meinen 73 Prozent aller Österreicher, dass eine gepflegte Erscheinung wichtig für beruflichen und privaten Erfolg ist, wie eine Karmasin–Umfrage für Moser Medical (haarestattglatze.com) zeigt. Ebenfalls 73 Prozent sind überzeugt, dass gut aussehende Menschen sich generell wohler fühlen. Attraktiv sein heißt nicht gleich perfekt: Nicht alle, die eine Zahnlücke oder abstehende Ohren haben, wollen dieses "Markenzeichen" auch loswerden. Doch immerhin 32 Prozent haben bereits an eine medizinische Schönheitsbehandlung gedacht.

Leidensweg.

Der Entschluss wird allerdings nicht leichtfertig getroffen. "Viele haben einen enormen Leidensdruck, weil etwa die Brust zu klein oder zu groß ist oder Fettpölsterchen auch mit entsprechendem Training einfach nicht verschwinden", weiß die plastische Chirurgin Dr. Sandra Rigel (womanandhealth.at). Auch Primar Dr. Johann Umschaden (schwarzlklinik.at) kennt diese Patienten–Sorgen: "So ein Eingriff ist für viele die Beseitigung eines persönlichen Makels. Das geht so weit, dass sie sich z.B. nicht mehr mit ins Freibad trauen oder den Bekanntenkreis meiden. Sie wollen aber wieder am Leben teilhaben." Überstürzt wird die Entscheidung trotzdem nicht getroffen. Oft dauert es Jahre, bis es tatsächlich so weit ist.

Akzeptanz.

Das große Tabu-Thema sind Beauty– OPs und –Behandlungen in unserer Gesellschaft mittlerweile nicht mehr, 47 Prozent stehen ihnen prinzipiell positiv gegenüber. Das fand das Gallup Institut für den Österreichischen Verband für Interdisziplinäre Ästhetische Chirurgie (afias.at) heraus. Diese erhöhte Akzeptanz, mehr Sicherheit bei den Eingriffen und besseres Einkommen sind die Gründe dafür, warum ästhetische Eingriffe so rasant zunehmen. Trotzdem darf es nicht "gemacht" aussehen. Knapp ein Drittel der Österreicher würde sich bei einem Eingriff Sorgen machen, dass das Ergebnis künstlich aussehen könnte. Dass Natürlichkeit Priorität hat, wissen auch die Experten. "Die Menschen wollen nicht künstlich verändert wirken", so Claudia Moser, Klinikleiterin von Moser Medical. Und Primar Umschaden bestätigt: "In Europa haben die Patienten – im Unterschied zu den USA – einen hohen Anspruch an Natürlichkeit. Sehr große Brüste oder Lippen werden nur in Ausnahmefällen gewünscht."

Erwartungen.

Was erhoffen sich die Menschen aber von einem Eingriff? Der Linzer Dermatologe Dr. Matthias Sandhofer (sandhofer.at) fasst es zusammen: "Die Patienten wollen sich in ihrer Haut wohlfühlen." Diese Erfahrung hat auch Univ.-Doz. Dr. Rafic Kuzbari, Facharzt für Plastische Chirurgie (kuzbari.at), gemacht: "Sie möchten schöner, jünger und dadurch selbstbewusster sein."

Psycho-Faktor.

Mit der Frage, ob diese Hoffnungen auch erfüllt werden, hat sich der deutsche Psychologe Dr. Jürgen Markgraf in einer Studie mit 808 Probanden beschäftigt: Die Menschen, die sich einer OP unterzogen haben, waren danach zufriedener als zuvor. Sie fühlten sich wohler, gesünder, hatten mehr Selbstwertgefühl, fanden sich attraktiver. Auffallend: Während Hochgefühle durch lebensverändernde Maßnahmen wie Jobwechsel oder Umzug innerhalb eines Jahres wieder zurückgehen, verbesserten die ästhetischen Korrekturen die Lebensqualität nachhaltig. Auch Dermatologin Univ.-Doz. Dr. Sanja Schuller-Petrovic (schuller-petrovic.at) kennt das: "Ich beobachte, dass Menschen nach einem Eingriff ein neues Selbstbewusstsein entwickeln, mehr Lebensfreude haben. Frauen kleiden sich chicer, schauen mehr auf sich." Mit einer Einschränkung: Die Erwartungshaltung muss realistisch sein. Denn eine Brust-OP kann z.B. nicht die Beziehung retten.

Thema: Beauty-OP