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Venen: Kampf dem Krampf!

Krampfadern sind weit mehr als ein kosmetisches Problem. Neue Methoden erleichtern die Diagnose und Behandlung bei Venenerkrankungen.


Venen: Kampf dem Krampf!

Schöne Beine ohne Krampfadern

© Thinkstock/iStock/Jacob Wackerhausen

Unangenehm ist höchstens noch das kalte Kontakt-Gel, das den Schallkopf zwischen Leiste und Knöchel sanft übers Bein gleiten lässt.

Die Zeiten, als für eine Venenuntersuchung das Einspritzen von Kontrastmittel nötig war, sind zum Glück vorbei. Die Diagnose erfolgt nun schmerz-und nebenwirkungsfrei per Ultraschalluntersuchung mit farbkodierter Duplex-Sonographie: Der Arzt führt den Schallkopf entlang der Venenverläufe über die Haut, auf dem Bildschirm des Geräts zeigen sich zeitgleich Blutfluss und Gefäßfunktion in Farbe. Erkrankte Abschnitte können so exakt lokalisiert und dargestellt werden, was schonend-punktgenaue Therapie erlaubt.

Neue Hilfe gegen Krampfadern

Wer Beschwerden, viele Besenreiser oder sichtbare Krampfadern hat, sollte diesen Check-up regelmäßig durchführen lassen, um den Zustand des Venensystems abzuklären und, wenn nötig, rechtzeitig die richtige Therapie in Angriff zu nehmen. Denn die Venen verrichten lebenswichtige Schwerstarbeit. Störungen selbiger können weit Schlimmeres auslösen als unschöne blaue Wülste an den Beinen.

Venen: Riskante Schwäche

Das Venensystem eines gesunden Erwachsenen transportiert täglich rund 7.000 Liter sauerstoffarmes Blut zurück zum Herzen. Von dort aus gelangt es zur Lunge, wo es mit neuem Sauerstoff angereichert wird. Venen befinden sich überall im Körper und vollbringen Großleistungen, etwa um das Blut aus den Beinen gegen die Schwerkraft wieder aufwärts Richtung Herz zu bringen. Die umliegende Muskelpumpe, die die Venen etwa bei jedem Schritt komprimiert, unterstützt dabei. Um vorzeitiges Rückfließen (weg vom Herzen) "verbrauchten" Blutes zu verhindern, verfügen die Venen über viele kleine Klappen, die sich nur in Herzrichtung öffnen.

Lässt die Spannung der Venenwände etwa durch vererbte oder altersbedingte Bindegewebsschwäche nach, weiten sie sich, die Klappen schließen nicht mehr, Blut fließt zurück und staut sich in der Vene. Bleibt das Problem in einem Abschnitt unbehandelt, steigt der Druck im darunter liegenden Bereich und schädigt bald auch diesen.

Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem

Hightech-Hilfsmittel "Vivo-Light"

Fast jede zweite Frau und jeder vierte Mann ab 50 leiden an den Folgen solcher Fehlfunktion: Varizen (also Krampfadern), "schwere", geschwollene Beine und Schmerzen sind typische Symptome. Hauptverursacher des Dilemmas sind Vererbung, Bewegungsmangel und Hormonsystem (Östrogen wirkt gefäßerweiternd!). Die Gefahren: Venenentzündungen, Thrombosen und im schlimmsten Fall tödliche Lungenembolien. Rechtzeitige Diagnose und Behandlung sind also wichtig -nicht nur der Schönheit zuliebe.

Ein neues Diagnosegerät, der so genannte Venendetektor ("Vivo-light"), lässt Varizeneingriffe jetzt noch zielgenauer und verträglicher ablaufen. Er funktioniert wie eine Art Hightech-Nachtsichtgerät: Eine spezielle Infrarotkamera vermisst den Verlauf von Wärme und projiziert ein exaktes Bild auf die Haut zurück. So wird auch der Verlauf kleiner, eng zusammenliegender Venen klar erkennbar. Dank des guten Bildes kann sich bei gleichzeitiger Ultraschallkontrolle auch in Horizontal-Lage keine Vene mehr verstecken.

Durch hochpräzise Bildgebung via Ultraschall und Venendetektor können kranke Venenabschnitte exakt dargestellt und mit Laserenergie punktgenau behandelt werden, während gesunde erhalten bleiben. Mit den modernen ,Radial 2ring'-Lasersonden können noch sicherer auch große, tiefliegende Krampfadern schonend und dauerhaft behandelt werden – große Schnitte sind nicht mehr nötig. Ein Vorteil, der auch Risikopatienten mit Gerinnungs- oder Wundheilungsstörung (z. B. Diabetiker, Schwergewichtige) nützt.

Sapheon Venaseal- und Clarivein-Technik

Minimalinvasive Verfahren, speziell der Laser, haben sich in Studien als ebenso effizient, aber weit risikoärmer und verträglicher erwiesen als klassische Venen-OPs ("Stripping"), bei denen Komplikationen (z. B. tiefe Beinvenenthrombosen, Nervenschäden, Wundinfektionen, Narben) auftreten können. Neben den erwähnten "Radial 2ring"-Lasersonden, die durch optimale Hitzeverteilung im zu verschließenden Gefäß Schäden im umliegenden Gewebe vorbeugen, versprechen etwa diese neuen, ambulanten Verfahren noch bessere Varizentherapie:

1

Sapheon Venaseal Closure System . Bei dieser in der Wiener Privatklinik Kiprov eingeführten Methode wird durch einen winzigen Stich ein Katheter gelegt und ein spezieller Acrylkleber in die betroffene Vene gespritzt, der diese sofort verschließt, ohne Gewebe zu verletzen. Anästhesie ist nicht nötig.

2

Clarivein-Technik . An der Spitze eines dünnen, ultraschall-geführten Katheters raut eine Art "Mini-Propeller" die Veneninnenwand sanft auf. Dadurch zieht sich die Vene zusammen. Zugleich wird das eingebrachte Verödungsmittel (Schaum) optimal verteilt. So wird es, wie Spezialist Andreas Franczak vom Evangelischen Krankenhaus Wien erklärt, erstmals möglich, auch erkrankte Stammvenen ohne Erhitzung millimetergenau und effizient zu verschließen.