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Soll der Krampus zu uns nach Hause kommen?

Angst, Furcht, Zwang: Der Besuch des Krampus in den eigenen vier Wänden wird für viele Kinder zur Tortur. Warum Brauchtum nicht zum Erziehungsmittel werden sollte.

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Soll der Krampus zu uns nach Hause kommen?
© iStock

Der Krampus – eine Gestalt, die in den meisten von uns Furcht und Angst auslöst. Früheste Kindheitserinnerungen kommen plötzlich hoch – meistens weniger schöne. Bei einigen musste der Krampus zumindest draußen warten, wenn der Nikolaus zu Hause vorbeikam und Geschenke brachte. Bei anderen gelang die zottelige Gestalt bis ins eigene Wohnzimmer. Der Krampustag wird traditionell am 5. Dezember gefeiert. Tags darauf ist offiziell Nikolaustag, bei dem der Nikolo einige Kinder in Österreich zu Hause besuchen darf – vor allem in den ländlichen Regionen. Begleitet wird er meist vom Krampus oder "dem Bartl", der das Böse symbolisieren und (leider auch) die "schlimmen" Kinder zurechtweisen soll.

Laut Brauchtum steht der gemeinsame Auftritt von Nikolaus und Krampus aber für den Sieg des Guten über das Böse. Nun ja, wenn wir uns ehrlich sind, erinnern wir uns eher daran, dass die Frage "Warst du auch brav?" einen ziemlich großen Stellenwert während des Besuchs der beiden hatte. Spätestens wenn der Krampus murrte und mit der Rute auf den Boden klopfte, waren die Hosen gestrichen voll. Es stellt sich die Frage, wie sehr das Brauchtum mit der Erziehung von Kindern in Verbindung gebracht werden sollte und ob der Auftritt des Krampus in den eigenen vier Wänden überhaupt noch zeitgemäß ist.

Darum sollte der Krampus lieber draußen bleiben

Tradition hin oder her: Wer Kindern mit dem kettenrasselnden Krampus "droht" und ihn in den geschützten Bereich des Kindes, nämlich die eigene Wohnung oder das Haus, eindringen lässt, liegt schlichtweg falsch. Dies damit zu rechtfertigen, dass man den Besuch des Krampus selbst als Kind "ohne Schäden überlebt hätte", ist an dieser Stelle wohl nochmal zu überdenken. Davon abgesehen, dass alleine schon der Besuch des Nikolaus für viele Kinder eine Herausforderung ist. Besonders für kleine Kinder zwischen einem und drei Jahren kann der große, verkleidete Mann nämlich auch ganz schön furchteinflößend sein. Wenn die Kids auf den Besuch des Nikolo vorbereitet sind und der Nikolaus selbst zum Wohle des Kindes agiert und auf Anweisungen der Eltern hört, kann aber eigentlich nichts schief gehen.

Brauchtum als Erziehungsmittel?

Aus pädagogischer und psychologischer Sicht sei eine Bestrafung durch einen Krampus als erzieherische Maßnahme vollkommen abzulehnen, sagt Ursula Wisiak, Expertin für Medizinische Psychologie und Psychotherapie der Med-Uni Graz gegenüber dem Standard. Die Liste aus unerwünschtem Verhalten eines ganzen Jahres abzuarbeiten, sei schlichtweg nicht sinnvoll. "Eine solche Bestrafung wirkt sich negativ auf die Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson aus, wobei das Vertrauensverhältnis – man ist ja verraten worden! – getrübt wird", sagt Wisiak. Weiters können durch das Androhen mit dem Krampus kindliche Ängste massiv aktiviert werden. Allerdings betont Wisiak auch, dass das Feiern eines traditionellen Tages ein wichtiger Beitrag für Kinder sein kann, da sie die Präsenz ihrer Eltern und Bezugspersonen spüren. Feste und Bräuche geben Kindern und Erwachsenen Orientierung und dem Jahresablauf Konturen.

Wie bereite ich mein Kind auf den Besuch von Krampus und Nikolaus vor?

  • Vor dem Besuch des Nikolaus mit den Kindern über den Brauch sprechen, Bilder zeigen, Geschichten erzählen etc.
  • Rollenspiele eignen sich perfekt, um den Kindern reale Situationen näher zu bringen. Vielleicht kann der Besuch mit einem Mantel und einem Stab gemeinsam mit den Eltern nachgespielt werden.
  • Den Kindern klarmachen, dass es nicht um Belohnung oder Bestrafung geht.
  • Sich SEHR gut überlegen, ob der Krampus mit ins Haus darf. Alternativ kann der Krampus auch vor dem Haus warten.
  • Bei der Bestellung des Nikolaus mit den agierenden Personen sprechen, wie sie den Besuch gestalten werden. Gegebenenfalls konkrete Anweisungen geben – Was darf der Nikolaus sagen? Was soll er besser lassen?
  • Bei der Vorbesprechung keine falsche Schüchternheit an den Tag legen. Schließlich zahlt ihr in den meisten Fällen für die "Dienstleistung"!

Stimmt ab! Soll der Krampus die Kids zu Hause besuchen?

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