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Was kostet deine Welt? Eine Krankenpflegerin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eigentlich eine Krankenpflegerin? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer neuen Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Krankenpflegerin über ihren Kontostand
© Privat

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im vierten Teil der Serie, haben wir eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin zum Interview gebeten.

Katharina Stöllner ist 38 Jahre alt und lebt mit ihren beiden Töchtern (sieben und zehn Jahre alt) und ihrem Mann in Wien. Nach der Matura (1998) absolvierte sie die dreijährige Ausbildung zur Diplomierten Krankenpflegerin. Seit mittlerweile 17 Jahren ist Katharina Stöllner auf der Chirurgie tätig und dabei für die prä- und postoperative Betreuung zuständig. „Ich bin Krankenpflegerin aus Leidenschaft“, sagt die Wienerin. Aufgrund der Kinder ist sie „nur“ 25 Stunden in der Woche im Einsatz, aber dennoch stets bemüht, auch an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu arbeiten, um für die PatientInnen qualitativ hochwertige Arbeit gewährleisten zu können.

Wie viel verdienst du monatlich - brutto bzw. netto?
Katharina: Mein Grundgehalt beträgt 1.685 Euro brutto, netto bleiben je nach Sonn –und Feiertags- sowie Nachtdiensten durchschnittlich 1.400 Euro übrig.

Wie hoch sind deine Fixausgaben?
Katharina: Die Fixausgaben betragen zwischen 2.000 Euro und 2.300 Euro im Monat. Darunter fallen Miete, Strom, Kinderbetreuung, Handy, die Wiener-Linien-Jahreskarte, Fitnessstudio, Lebensmittel, Versicherungen, Zeitungen, GIS etc. Wir teilen uns die Ausgaben. Miete, Strom und ein Teil der Lebensmittel werden von meinem Mann übernommen, Kinderbetreuung und sonstige Ausgaben für die Kinder wie Schulmittel, Kleidung, Schuhe etc. von mir.

Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja – warum und wie viel gibst du dafür monatlich aus?
Katharina: Ja, ich habe eine Pensionsvorsorge. Davon werden 30 Euro Monat, sowie 25 Euro vom Bruttogehalt auf die Seite gelegt. Als zweifache Mutter habe ich mich bewusst für die Teilzeit entschieden, um wertvolle Zeit mit meiner Familie verbringen und sie unterstützen zu können, allerdings wird auf diese Weise natürlich auch die Pension zwangsläufig weniger sein.

Sparst du Geld und wie legst du es an?
Katharina: Wir besitzen ein Sparbuch, einen Bausparer, zwei Lebensversicherungen und Wertpapierfonds um stets einen „Polster“ zu haben, unter anderem für spontane Anschaffungen, Renovierung der Wohnung, neue Möbel, Geräte und natürlich für den Urlaub.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Katharina: Viel bleibt am Ende nicht übrig, vielleicht 200 bis 300 Euro. Es kommt dann natürlich auch auf den Monat an. Im September und Oktober sind die Ausgaben erfahrungsgemäß stets um einiges höher wegen des Schulbeginns. Zudem haben beide Kinder Geburtstag und für andere schulische Aktivitäten und Freizeit-Kurse, sowie die Winterbekleidung fallen ebenfalls Kosten an.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Katharina: Prinzipiell bin ich mit meinem Gehalt zufrieden, da es sich im Großen und Ganzen ohne gröbere Probleme ausgeht. Wenn man sich allerdings überlegt, mit welcher Verantwortung der Job verbunden ist - Fürsorge der PatientInnen, körperliche und psychische Belastungen, teilweise sehr erschwerte Arbeitsbedingungen durch Personalnotstand und sonstige Einsparungsmaßnahmen, massiver Leistungsdruck bedingt durch Überstunden und 12-Stunden-Dienste (sei es an Sonn-/Feiertagen oder eben nachts) - ist mein Beruf doch unterbezahlt.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Katharina: Bei direkter Anfrage wird Auskunft gegeben, aber im Großen und Ganzen lautet das Credo immer noch: „Über Geld spricht man/frau nicht“.

Wofür gibst du gerne Geld aus?
Katharina: Anschaffungen für die Kinder, Dinge zur Wohnungsverschönerung, Urlaube, Kleidung, Essen gehen, Theaterbesuche und Kosmetik.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Katharina: Für spontane Ausflüge, Kurzurlaube, Wohnungseinrichtung und Renovierung.

Sprichst du im Freundeskreis über Geld?
Katharina: Teilweise, interessanterweise vor allem aber mit Freunden, die ebenfalls Kinder haben.

Gibt es sonstige Einnahmen?
Katharina: Mit der Familienbeihilfe kommen monatlich 394 Euro dazu, damit ist zumindest die Nachmittagsbetreuung abgedeckt. Mein Ehemann arbeitet Vollzeit in der Produktion bei einer Tageszeitung und hat somit ebenfalls Schichtdienst. Wir müssen uns alles gut organisieren. Die Familienbeihilfe ist natürlich ein hilfreicher Betrag und doch ärgert es mich immer wieder, wenn kinderreichen Familien der Vorwurf gemacht wird, sie würden lediglich für die Beihilfen Kinder in die Welt setzen. Das ist derartig zynisch, denn diese Rechnung kann einfach nicht aufgehen.

Was ist dein größter Luxus?
Katharina: Ich gehe regelmäßig zur Maniküre und Pediküre und leiste mir da auch manchmal teurere Produkte. Der Sommerurlaub bedeutet für mich ebenfalls Luxus. Wir sind große Griechenland-Fans.

Katharina Stöllner (38, Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin)

Kannst du dir die Dinge leisten, die du haben möchtest oder musst du auf etwas verzichten?
Katharina: Natürlich müssen immer wieder Abstriche gemacht werden, es muss abgewogen werden, wie dringend etwas wirklich benötigt wird. Bei Urlauben zu viert in der Hauptsaison entscheiden wir uns meist für Appartements mit Selbstversorgung, da dies entscheidend billiger ist. In diesem Fall ist ein fertig angebotenes Frühstück ohne Vorbereitung und anschließendem Wegräumen tatsächlich „Luxus“, auf den ich dann doch verzichte. Aber bei Ausflügen und sonstigen Ausgaben soll es uns im Urlaub aber an nichts fehlen.

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Katharina: Nach einem jahrelangen Lernprozess komme ich im Großen und Ganzen mittlerweile gut mit meinem Geld aus. Ich würde mich aber nicht zu den wirklich "sparbegabten" Menschen zählen, ich gebe gerne Geld für schöne Dinge aus und glücklicherweise zählen wir doch immer noch zu jenen Privilegierten, die nicht jeden Cent umdrehen müssen.

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?
Katharina: Ich habe mich ganz bewusst für die Teilzeit entschieden, da meine Priorität bei meiner Familie liegt. Ich bin prinzipiell mit meinem Gehalt zufrieden, da es sich im Alltag ausgeht und mir meine Lebensqualität mittlerweile um einiges wichtiger ist als ein paar zusätzliche 100 Euro. Ich bin überzeugt davon, dass es uns allen wesentlich besser ginge, würde die allgemeine Stundenanzahl, bei gleichem Gehalt, runtergeschraubt werden. Lebensqualität, die Zufriedenheit und die allgemeine Produktivität wären um einiges höher.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Katharina: Meine Arbeit ist mir sehr wichtig! So sehr ich meine Kinder liebe, so könnte ich nie „nur“ Mama sein (auch wenn dies ein absolut fordernder 24-Stunden-Job ist!). Ich wollte immer schon Krankenpflegerin werden, da ich von Anfang an sozial veranlagt war und mir der Kontakt mit Menschen in äußerst herausfordernden Lebenssituationen wichtig ist. Mit Menschen und für Menschen zu arbeiten, unterstützend zu wirken, Empathie zu zeigen und für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, das ist es, was mich zu dem Menschen macht, der ich bin.

Was kostet deine Welt? Alle Teile der Serie

Hier findest du alle bisher erschienen Teile der Serie.