Ressort
Du befindest dich hier:

Krieg der Mütter

Von wegen easy going ... Dieses Mutterbild gibt's nur auf Instagram. Viele Frauen fühlen sich zunehmend verunsichert. Der Vergleich mit anderen "Supermamas" schürt Neid und Selbstzweifel. Mommy-War ist angesagt! Mamis, die sich verurteilen und bekriegen. Wir sprachen mit Bloggerinnen, die etwas dagegen tun wollen.

von

Krieg der Mütter
© istockphoto.com

Bitte, wie kann sie nur? Ein Schoko-Eis für die Kleinen zwischendurch? Die vergiftet ihre eigenen Kinder! Stillen in den Öffis? Ein absolutes No-Go! Nach drei Monaten Karenz wieder zurück in den Job? So eine Rabenmutter! Mütter, die sich gegenseitig bekriegen: Willkommen bei den Mommy-Wars! So nennt man die Mütterkriege, bei denen scharf geschossen wird: am Kinderspielplatz, vor der Schule, seit einiger Zeit massiv auch online. Frau mit Kind steht automatisch unter Beobachtung von anderen Müttern. Ernährung, Stillen, Familienbett, Impfen. Egal wie frau sich entscheidet: Es gibt immer eine Mami, die genau das Gegenteil gut findet. "Was, du lässt deine kleine Maus nicht mehr ins gemeinsame Bett? Also ich würde das ja nicht übers Herz bringen." Solche Ansagen verursachen Druck. Mache ich alles richtig? Bin ich gut genug als Mutter?

"Ich mag den Begriff 'Gute Mutter' ja nicht", meint Daniela Gaigg, 36, die auf diekleinebotin.at über Erziehung, Lifestyle und DIY bloggt. "Jede Frau gibt das Beste für Kind und Familie, die Umsetzung ist eben individuell. Nur: Alles, was man zur Religion macht, kann zu einem Glaubenskrieg führen." Das Problem sieht die zweifache Mutter im permanenten Vergleichen: "Die Info-Flut über Social Media bis hin zu den gut gemeinten Tipps der Schwiegermutter ist erdrückend. Dabei fällt es schwer, die eigenen Bedürfnisse im Fokus zu halten. Es gibt kein Richtig und Falsch. Leben und leben lassen, das gilt auch beim Thema Kind. Bei uns haben sich viele Dinge von selber ergeben, das ist eines meiner wichtigsten Learnings." Ihre Message? "Folgt eurer Intuition!"

Hört sich gut an, nur wie findet man überhaupt heraus, was man möchte, was gut für einen ist, was sich richtig anfühlt? Und wohin mit den Versagensängsten, dem Druck, der Verunsicherung, dem Gefühl, dass man jeden Tag aufs Neue in seiner Mamarolle kläglich scheitert? Auch diese Momente gehören dazu! "Online werden ja nur die schönen und guten Dinge des Mutterseins abgebildet. Keine Mami möchte ihr Kind, das gerade einen Wutanfall im Supermarkt hat, der ganzen Welt präsentieren. So was verunsichert", weiß Mama-Bloggerin Paula Timofte (trendmum.com) aus eigener Erfahrung. Auch Zwillings-Mum Christina Tropper, 35, findet, dass Medien mit ihrer unrealistischen Abbildung junge Frauen unter Druck setzen. "Im TV hört man von Managerinnen, die vier Kinder haben und einen Konzern leiten. Stars und Sternchen, die zwei Wochen nach der Geburt wieder mit Top-Figuren am roten Teppich stehen. Und in den sozialen Medien posten Mütter selbst genähte Kleidung und Bastel-Kunstwerke. Wie zur Hölle geht das alles? Wie oft sitzen diese Superfrauen heulend in der Küche und sind überfordert?" Als Zwillings-Mum hat Tropper andere Mütter, "vermutlich unbewusst", gemieden. "Das lag auch daran, dass man mit Twins meist zu Hause sitzt und sich mit anderen Zwillings-Müttern im Internet vernetzt." Sie möchte auf ihrer Plattform einerschreitimmer.com auch die unglamourösen Mama-Momente einfangen – ehrlich und chaotisch. "Diese vergleichende 'Mein Kind kann' – Mentalität geht mir auf die Nerven." Dass sich Mütter selbst bekriegen, führt die Oberösterreicherin auf Unsicherheiten zurück. "Man will seinen eigenen Weg rechtfertigen und vertritt ihn somit auch vehement."

Eine andere Erfahrung machte Evelyn Höllrigl, 29, Mutter einer Tochter, die sich auf ihrem Mama-Blog littlepaperplane.at kritisch mit Rollenklischees und Stereotypen auseinandersetzt: "Mir wurde gesagt, dass ein Kaiserschnitt keine normale Geburt sei. Lächerlich! Welche Geburt ist denn schon normal? Niemand sollte anderen Frauen Schuldgefühle aufschwatzen können. Und schon gar nicht bei persönlichen Entscheidungen!"

Trotzdem passiert das immer wieder. Auch online. Zweifach-Mum und Autorin Tina Vega Wilson (titantinasideen.blogspot.co.at), kennt das und zeigt sich besorgt über den forschen und respektlosen Umgangston, der sich auf vielen Online-Mama-Foren eingeschlichen hat: "Mamas verurteilen sich so streng untereinander." Warum? "Wenn ich davon ausgeht, dass der eigene Weg der einzig richtige ist, profiliere ich mich selber und werte dadurch andere ab", erklärt die 37-jährige Niederösterreicherin dieses Verhalten. Dadurch, dass es immer weniger Großfamilien gibt, fällt das unkomplizierte "Schnell mal die Mama fragen, ob das bei ihr auch so war" weg, ergänzt Blogger-Kollegin Tropper. "Die ersten Kinder, die ich gewickelt habe, waren meine eigenen. Klar, dass man nicht so versiert ist und sein Handeln hinterfragt", sagt sie.

Ihr Tipp? "Mädels, runter vom Gas! Seid ehrlich zueinander, wir machen doch alle einen guten Job. Wir sollten uns unterstützen, nicht bekriegen! Unser Leben ist auch ohne Mommy-War anstrengend genug, oder?!"

Themen: Eltern, Kinder

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .