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Krieg: Meine Flucht aus dem Libanon

Das Leben der österreichisch-libanesischen Familie Chammas ist geprägt vom Krieg. Seit über dreißig Jahren. Mutter & Tochter erzählen ihr Schicksal.


Krieg: Meine Flucht aus dem Libanon
© Hausler

"Meine Tochter ist in Sicherheit“, sagt Margit Chammas, 65, „und dafür danke ich Gott.“ Vorbei sind die bangen Tage und die schlaflosen Nächte des Wartens. Aber die Sorge um die vielen Verwandten und Freunde im Libanon lässt die Mutter dreier erwachsener Kinder trotzdem kein Auge zutun. Seit Kriegsbeginn ist nichts mehr, wie es vorher war. „Meine Tochter ist österreichische Staatsbürgerin, sie konnte den Libanon zum Glück im letzten Moment noch verlassen. Die anderen aber leben immer noch dort.“

Flüchtlinge ein Leben lang. Dreimal schon ist die österreichisch-libanesische Familie Chammas aus dem Libanon geflüchtet. Das erste Mal vor dreißig Jahren. „Ich wollte damals nicht weg“, erinnert sich Margit, „der Libanon war mir zur Heimat geworden, meine Kinder sind dort zur Welt gekommen, aber mein Mann hat darauf bestanden, dass ich mit den Kindern zu meinen Eltern nach Wien ziehe.“ Nach einem Jahr – „mein Mann ist im Libanon geblieben, er hatte ja seine Arbeit dort“ – hat es so ausgesehen, als wäre Ruhe eingekehrt. Margit ist mit den Kindern wieder zurück nachhause – in den Libanon. Ein Jahr danach nahmen die Unruhen wieder beängstigende Formen an, und „eine Freundin ist mit unseren drei Kindern nach Wien geflüchtet. Ich wollte wenigstens noch einige wenige Dinge einpacken und mitnehmen.“ Die Lage im Libanon verschärfte sich von Stunde zu Stunde, und eine Woche nachdem die Kinder in Wien angekommen waren, konnte Margit Chammas im letzten Augenblick das Land verlassen. „Ich habe Fotos und einige Erinnerungen mitgenommen und die Kinder einer Freundin aus Österreich, die das Land nicht so Hals über Kopf verlassen konnte.“