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"Kuckuckskinder": Wann der Vater den Unterhalt zurückverlangen kann

Sogenannte "Kuckuckskinder", also Kinder, die aus einem Seitensprung entstanden sind, können zu einem rechtlichen Streitfall werden. Das zeigt eine Entscheidung, die kürzlich vom Obersten Gerichtshof getroffen wurde.


"Kuckuckskinder": Wann der Vater den Unterhalt zurückverlangen kann
© Photo by Caroline Hernandez on Unsplash

Sogenannte "Kuckuckskinder" sind ein gesellschaftliches Tabuthema. Angeblich stammen bis zu 10 Prozent der Kinder aus einem Seitensprung. Andere Schätzungen liegen deutlich darunter. Gesicherte Statistiken gibt es nicht. Das liegt auch daran, dass die Väter in den meisten Fällen nie erfahren oder es gar nicht wahrhaben wollen, dass sie eigentlich nicht der leibliche Vater ihres Kindes sind. Aber der Teufel schläft nicht und manchmal kommt die Sache dann doch ans Licht.

Wenn der Vater erfährt, dass das Kind, dass er jahrelang großgezogen hat, eigentlich von einem anderen Mann stammt, bricht oft eine Welt zusammen und auch für das Kind ist die Wahrheit meistens schwer zu verkraften. Der Fehltritt kann aber nicht nur eine Familie in ihren Grundfesten erschüttern, sondern auch für die Mutter ganz schön teuer werden. Das musste erst unlängst eine Frau erfahren, die während aufrechter Ehe nach einem Seitensprung ein Kind zur Welt gebracht hat. Nach der Scheidung der Eltern zahlte der vermeintliche Vater Unterhalt für das Kind - im Glauben, es wäre sein eigenes. Viele Jahre später kam es, wie es kommen muss. Der sogenannte Scheinvater fand heraus, dass das Kind eigentlich von einem anderen Mann abstammt. Er klagte die Mutter auf Schadenersatz und verlangte die Rückzahlung des bis dahin bezahlten Unterhalts.

OGH gab Mann Recht

Der Fall landete schließlich beim Obersten Gerichtshof (OGH) und das Höchstgericht gab dem Mann Recht. Zwischen Ehegatten besteht nämlich eine gesetzliche Treuepflicht. Eine Verletzung dieser Pflicht berechtigt den anderen Teil zu Schadenersatz. Die Mutter musste dem Scheinvater insgesamt 26.750 Euro samt Zinsen zurückzahlen. Das Argument, sie habe nicht gewusst, dass das Kind von einem anderen Mann stammte, half ihr im Verfahren nicht.

Bei einer bloßen Lebensgemeinschaft wäre das wohl anders gewesen. Hier hat der OGH vor einigen Jahren entscheiden, dass die Mutter nur haftet, wenn sie bewusst wahrheitswidrige Angaben über die Vaterschaft macht. Das Gesetz bestimmt nämlich, dass die Mutter nicht dazu verpflichtet ist den Vater des Kindes bekanntzugeben und eine Treuepflicht besteht bei der bloßen Lebensgemeinschaft nicht. Wenn die Mutter nicht weiß oder nicht bekanntgeben möchte, wer tatsächlich der Vater ist, kann der Scheinvater den zu Unrecht bezahlten Unterhalt also nur vom leiblichen Vater (dem wahren Unterhaltsschuldner) zurückfordern.

Die Freude am Kind reduziert den Rückforderungsanspruch übrigens nicht. Auch das hat der OGH bereits klargestellt.

Gastautorin Carmen Thornton.

Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien und schreibt regelmäßig juristische Artikel für WOMAN.at - zuletzt etwa über Zahnspangenkosten. Ihre Kanzlei ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.