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Was kostet deine Welt? Eine Kundendienst-Mitarbeiterin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eigentlich eine Kundendienstmitarbeiterin? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Kundendienst-Mitarbeiterin über ihren Kontostand
© Privat

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im zehnten Teil der Serie, haben wir eine Kundendienstmitarbeiterin zum Interview gebeten.

Bettina ist 30 Jahre alt und hat nach der Matura Politikwissenschaft an der Universität Wien studiert. Drei Semester davon verbrachte sie in Hamburg und Stuttgart. Ihren Master hat die Wienerin in „Allgemeiner Rhetorik“ an der Universität Tübingen absolviert und zusätzlich auch eine Ausbildung zur Synchronsprecherin gemacht. Seit 2017 arbeitet Bettina 30 Stunden beim Ö1-Service: Das heißt, sie protokolliert und beantwortet Anfragen und Rückmeldungen zum Programm des Radiosenders. „Wir sind die Schnittstelle zwischen Redaktion und Publikum. Außerdem betreuen wir die Mitglieder des Ö1 Club und nehmen die Bestellungen von Sendungsmitschnitten entgegen“, erklärt die Kundendienstmitarbeiterin. Nebenberuflich spricht sie auch Hörbücher ein.

Wie viel verdienst du monatlich?
Bettina: Ich verdiene für 30 Stunden 1400 Euro brutto, das ergibt 1100 netto.

Wie hoch sind deine Fixausgaben?
Bettina: Jeden Monat fix abgebucht werden ca. 550 Euro für Miete, Versicherungen, Handy, Internet und TV. Für Essen, Kleidung und Weiterbildung kommen noch etwa 300 Euro dazu. Meine regelmäßige Freizeitgestaltung (Tanzkurs, Pokern im Verein, Ausgehen) kostet ca. 250 Euro und ich spende im Schnitt 30 Euro.

Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja – Warum und wie viel gibst du dafür monatlich aus?
Bettina: Nein.

Sparst du Geld? Und wie legst du es an?
Bettina: Wenn etwas übrig bleibt, lege ich es auf ein Sparkonto, wo ich es auch jederzeit wieder abheben kann, wenn ich es für eine größere Anschaffung brauche.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Bettina: Ungefähr 50 Euro.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Bettina: Meistens schon. Es reicht, um mein Leben so führen zu können, wie ich es will. Allerdings auch, weil meine Großeltern für ihre Enkel gut vorgesorgt haben und meine Eltern und mein Freund da sind, wenn es wirklich einmal eng werden sollte. Wirklich frustriert bin ich eigentlich nur, wenn ich sehe, wie groß der Gehaltsunterschied zwischen meiner Branche, in der hauptsächlich Frauen arbeiten und den „klassischen“ Männerberufen ist. Mein Partner verdient in der Baubranche ohne Diplom 30% mehr als ich mit Masterabschluss (auf Vollzeit, brutto gerechnet). Mein Arbeitgeber macht diese Lücke vor allem dadurch wett, dass auf die Wünsche der MitarbeiterInnen bei der Dienstplanung eingegangen wird. So kann man einfacher nebenbei studieren, die Familie koordinieren oder sich für ein Hobby auch einmal bei einem Vormittagskurs eintragen. Das ist für mich persönlich sehr wertvoll. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Arbeitswelt von einem fairen Zustand noch weit entfernt ist.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Bettina: Nur von jenen, die in der gleichen Position arbeiten wie ich. Wir werden nach Kollektivvertrag bezahlt.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Bettina: Für Reisen und Kulinarisches. Ich gehe gern gut Essen und ich koche für meine Freunde, wenn es sich zeitlich einrichten lässt.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Bettina: Zum Sparen. Ich hätte gerne einen größeren Polster, um z.B. eine Motorrad-Reparatur nicht nach hinten verschieben zu müssen.

Redest du mit deinem Freundeskreis übers Geld?
Bettina: Gelegentlich, aber es ist kein Dauerthema.

Gibt es sonstige Einnahmen?
Bettina: Ich spreche Hörbücher ein und wenn es eng wird, gehe ich auch immer wieder mal kellnern. Das sind im Schnitt 150 Euro pro Monat extra. Mein Freund und ich teilen die Fixkosten und die großen Anschaffungen halbe-halbe, aber bei den Kleinigkeiten übernimmt er sicherlich mehr als ich.

Was ist dein größter Luxus?
Bettina: Ich leiste mir einmal im Monat eine Maniküre und alle zwei Monate eine Massage. Außerdem besitze ich ein Motorrad.

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Bettina: Ich bin immer gut mit meinem Einkommen ausgekommen, also ja.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst oft auf was verzichten?
Bettina: Nein, ich habe nicht das Gefühl, dass ich auf etwas verzichten muss, was mir wirklich wichtig wäre.

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?
Bettina: In meiner jetzigen Situation würde ich lieber mehr verdienen. Wenn mir mein Job aber keinen Spaß machen würde oder wenn ich Kinder hätte, würde ich das vermutlich anders sehen.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Bettina: Arbeit ist sehr wichtig für mich. Ich habe schon mit 15 angefangen neben der Schule mein eigenes Geld zu verdienen. Für mich bedeutet das Selbstständigkeit. Ich finde es unerträglich, von jemandem abhängig zu sein. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass sich immer etwas findet. Wenn ich mich in einem Job langweile oder ausgenutzt fühle, dann gehe ich.