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Lachverbot für Frauen in der Türkei?

Ein offenes und herzliches Lachen. Ist daran etwas Verwerfliches? Oder gar Unsittsames? Scheinbar, wenn es Frauen tun und es nach dem Weltbild von Bülent Arinc, dem Vizepremierminister der Türkei geht.

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lachende Frau

Darüber können wir - bisher - nur lachen!

© m-imagephotography/ iStock/ Thinkstock

Einen allgemeinen Verfall der Sitten in seinem Land betrauert der dem konservativen und religiösen Flügel der Regierungspartei AKP angehörende Politiker Bülent Arinc: Sittsamkeit sei jedoch ein wertvolles Gut, das darüber hinaus gepflegt werden muss. Und bei Frauen beinhalte dies, sich zurückhaltend zu kleiden und nicht in der Öffentlichkeit laut los zu lachen.

Privat darf man sich also schon noch des Lebens erfreuen, aber bitte nicht, wenn andere Menschen dies sehen könnten? Oder schon beinahe poetisch ausgedrückt: „Wo sind die Mädchen, die leicht errötend die Augen niederschlagen, wenn sie uns anschauen, und so zu Symbolen der Sittsamkeit werden?“
Ebenso gestört fühlt sich Arinc von "stundenlangen" Gesprächen der Frauen am Handy, wobei ja ohnehin nur Kochrezepte oder der neueste Klatsch ausgetauscht wird. Auch das also bitte nur mehr im stillen Kämmerlein. Wobei allerdings nicht der Fernsehen eingeschaltet werden sollte, denn die Freizügigkeit von Fernsehshows führe unweigerlich zu einer „Sex-Abhängigkeit“.

Das einzige Mittel, um den offensichtlichen Verfall der türkischen Gesellschaft zu stoppen wäre laut dem Regierungssprecher und Stellvertreter von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan die intensive Lektüre des Korans, der ja in jede Handtasche passe.

Als Antwort darauf erfolgte Gelächter: Hunderte Frauen zeigten sich lauthals lachend auf diversen sozialen Netzwerken und machten damit Lachen zum Politikum, zum Zeichen gegen eine Regierung, die verstärkt in das Privatleben der Bürgerinnen und Bürger eingreifen will und das Land nach islamisch-konservativen Ideen umformen will. Und mit diesen Vorstellungen aber scheins bei einem Großteil der religiösen Bevölkerung punkten kann.

Bleibt nur zu hoffen, dass wenn Worten dieser Art Taten folgen, uns nicht das Lachen im Halse stecken bleibt.

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