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15 Minuten Laufen pro Tag schützt vor Depressionen

Eine aktuelle Studie zeigt: Tägliche Bewegung ist eine wirksame Prävention gegen Depressionen. Vor allem jene, die vor stressigen Zeiten stehen und gefährdet sind - etwa Menschen, die in herausfordernden Jobs arbeiten aber auch werdende Eltern - sollten sich das zu Herzen nehmen.

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15 Minuten Laufen pro Tag schützt vor Depressionen
© Aigner

Dass Laufen bzw. Bewegung gegen schlechte Stimmungen hilft, war uns ja schon länger klar. Auch in vielen Studien wurde das schon nachgewiesen - die hätten wir dazu gar nicht unbedingt gebraucht. Denn auch wenn es nicht immer ganz leicht fällt sich die Laufschuhe anzuziehen und sich aufzuraffen, hinaus zu gehen - spätestens nach dem ersten Kilometer in der frischen Luft wissen wir ganz genau, warum wir das tun: Die Haut im Gesicht wird frisch, die Wangen rot, die ersten Schweißperlen tauchen auf, die Gedanken beginnen sich zu lichten und bald setzen sich die Füße fast wie von selbst voreinander.

Jedenfalls bei mir funktioniert das seit Jahren: Spätestens nach dem dritten bis vierten Kilometer bin ich richtig "drin", im "Flow", wie diesen Zustand so manche nennen würden. Wenn ich mich einmal nicht bzw. schwer motivieren kann - dann denke ich genau an dieses Gefühl und schon fällt es mir um einiges leichter, doch noch das Laufgewand anzuziehen und eine Runde zu drehen. Vorzugsweise irgendwo in der Natur, ein bisschen bergauf, ein bisschen bergab - denn der Geruch von Wald und Wiesen oder die Aussicht und Stimmung am Berg machen das alles noch mal "heilsamer".

Schlechte Gedanken und Gefühle weglaufen

Warum ich vor rund acht Jahren überhaupt mit dem Laufen angefangen habe, hatte - wie bei vielen Leuten - damit zu tun, dass es mir zu der Zeit nicht besonders gut ging. Ich war gerade arbeitslos, Krankheit und Tod in Familie und Freundeskreis, viel Zeit, in der ich alleine war. Und während ich eines grauen Tages in Wien wieder mal mit der Welt haderte und nicht wusste wohin mit meinen tausend Gedanken und eben auch nichts dringendes zu tun hatte, begab ich mich zum ersten mal in Laufschuhen auf den Wiener Berg um dort auf andere Gedanken zu kommen.

Klar, am Anfang sind die ersten Kilometer hart, es kostet Überwindung nicht aufzugeben. Aber wenn man erst ein paar mal Laufen war, geht es mit jedem mal besser - und irgendwann denkt man sich nicht mehr "heute muss ich noch fünf Kilometer laufen gehen", sondern "ich freu mich schon auf's Laufen nacher!". (Dass - bis heute - auch immer wieder mal der Schweinehund gewinnt und man sich doch lieber mit Schokolade auf die Couch begibt will ich an dieser Stelle gar nicht abstreiten. Auch das muss erlaubt sein.)

Ursache - Wirkung: Was war zuerst?

Was ich als "Hobbypsychologin" schon seit meinen ersten, gelaufenen Kilometern weiß, hat nun auch eine groß angelegte Studie untersucht. Denn obwohl klar war, dass man sich durch Laufen besser fühlt, war noch nicht genau erforscht wer in der Causa zuerst war: Die Henne oder das Ei? Und das heißt in dem Fall: Werden Menschen depressiv, weil sie sich zu wenig bewegen - oder bewegen sie sich zu wenig, weil sie depressiv sind?

15 Minuten laufen: 26 Prozent geringeres Depressions-Risiko

Forscherinnen und Forscher des Massachusetts General Hospital berichten nun in ihrer Studie über diesen "Ursache-Wirkungs-Zusammenhang", dass Bewegung tatsächlich vor Depression schützen könnte. Um das nachzuweisen wurden die Daten von rund 300.000 Personen analysiert und das zeigte eindeutig: Körperliche Aktivität senkt das Depressionsrisiko. Praktisch umgelegt bedeuten die Ergebnisse: Wer sich an einem Tag 15 Minuten intensiv bewegt, also etwa läuft oder sich eine Stunde moderat bewegt, etwa flott spazieren geht anstatt zu sitzen, reduziert sein Risiko für Depressionen um etwa 26 Prozent. Sportliche Höchstleistungen sind dazu nicht notwendig: „Bereits etwas Bewegung ist besser als gar keine“, so Studienautorin Karmel Choi gegenüber science.ORF.at.

Laufen macht glücklich! Um diesen Zustand zu erreichen muss es gar kein Wettbewerb sein, wie die Studie zeigt.

Wenige Faktoren beeinflussbar

Dabei sind diese Forschungs-Ergebnisse insofern interessant, als dass es grundsätzlich sehr wenige Faktoren für Depressionen gibt, die man beeinflussen könnte, so die AutorInnen in der Studie. Da man nun mit der Bewegung einen identifiziert hat, der das ermöglicht, sei es sehr sinnvoll, hier anzusetzen. Dabei sollte sich Prävention vor allem an jene richten, die eben noch nicht von Depressionen betroffen, aber gefährdet sind eine zu entwickeln. Die Studienautorin nennt gegenüber science.orf.at als Beispiel bei Teenager oder Menschen, die stressige Lebensphasen vor sich haben, wie etwa werdende Eltern oder Personen, die in belastende Jobs einsteigen. Und nicht nur präventiv kann Bewegung helfen, sie kann auch – wie frühere Studien zeigen – die Therapie von Depressionen unterstützen.

Also bleibt uns jetzt nur mehr eins zu sagen: Rein in die Laufschuhe und das Leben genießen!