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Diese Frau hat in 2 Jahren keinen Abfall produziert!

Ein Leben ohne Abfall: unmöglich? Nein! Die New Yorkerin Lauren Singer schafft es (fast)müllfrei! Und dabei ist sie kein grüner Moralapostel, im Gegenteil! In ihrem Blog zeigt sie, wie es geht...

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Lauren Singer lebt ohne Müll

Lauren Singer schaut auf ihre Umwelt!

© instagram.com/trashisfortossers

Lauren Singer ist ein "Tree-Hugger". Ein Ökofreak - so eine, die gerne Bäume umarmt. Von ihrer Familie wurde die junge Amerikanerin schon als Teenie so genannt. Passt irgendwie, dass die 23-Jährige jetzt mit einem erstaunlichen Projekt auf sich aufmerksam macht: In den vergangenen beiden Jahren hat sich bei ihr nämlich beinahe kein Müll angesammelt. Heißt: Sie produziert keinen Mist, der nicht natürlich verrottet oder recycelt werden kann. Gerade einmal ein mittelgroßes Glas voll hat sich da in 24 Monaten angesammelt. Etwa 500 Gramm haben darin Platz. Im Vergleich dazu: Auf jeden Österreicher kommen rund zwei Kilogramm Abfall pro Tag -aufs Jahr hochgerechnet sind das über 584 Kilogramm, wobei etwa die Hälfte davon wiederverwertet oder kompostiert wird.

»"ICH WAR EINE HEUCHLERIN."«

"Schon als Jugendliche protestierte ich gegen Ölkonzerne und kämpfte für den Verbleib jedes Baumes, der gefällt werden sollte", erzählt Lauren, die Politik- & Umweltwissenschaften studiert hat. Heute führt sie ein "zero trash life". Eine Studienkollegin hat sie dazu gebracht, denn: "Ich habe lange beobachtet, wie sie Tag für Tag ihr Essen in einer Plastiktüte mitgenommen hat, die landete dann zusammen mit dem Plastikbesteck und einer Plastikflasche im Müll. Das hat mich wütend gemacht. Da sitzen wir auf der Uni, lernen von Nachhaltigkeit, und sie produziert so viel Abfall!" Nach einem dieser Tage checkte Singer zu Hause ihren Kühlschrank -und fast jedes Produkt darin war in irgendeiner Plastikhülle verpackt: "Da habe ich mich wie eine Heuchlerin gefühlt, ich war ja kein bisschen besser! Theoretisch war ich total umweltfreundlich unterwegs. Aber praktisch? Kein bisschen Und das brachte mich zum Umdenken: Hey, wir sind für die Zukunft dieser Erde verantwortlich und versauen sie mit unserem Müll. Es ist zu wenig, zu sagen, dass man achtgibt. Es ist höchste Zeit, auch so zu handeln." Das war 2012. Lauren begann damit, allen unnötigen Kunststoff aus ihrem Alltag zu verbannen. "Zuerst habe ich bestimmte Produkte durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt, etwa Plastikdosen durch diverse Glasbehälter. Um Plastiktaschen zu vermeiden, trage ich immer einen Stoffbeutel bei mir, und statt Küchenutensilien aus Kunststoff verwende ich Kochlöffel aus Holz oder Schüsseln aus Eisen." Für die Aktivistin gehört aber auch ein bewusstes Konsumverhalten dazu: Was brauche ich tatsächlich zum Leben? Worauf kann ich verzichten? Was kann ich öfter benutzen? "Geschirrtücher oder Servietten aus Baumwolle kann ich genauso gut als Putzfetzen verwenden. Und auch an Kleidung habe ich nur das behalten, was ich auch wirklich trage. Den Rest habe ich karitativen Einrichtungen gespendet oder im Internet weiterverkauft." Wenn sie heute shoppen geht, dann ausschließlich in Second-Hand-Läden: "Das hilft nicht nur der Umwelt, sondern auch mir beim Geld sparen."

Yo, dis mah trash.

Ein von Trash Is For Tossers (@trashisfortossers) gepostetes Foto am

Lauren Singer zeigt auf ihrer Site trashisfortossers.com, wo man nachhaltig Lebensmittel einkauft oder wie man ganz einfach selbst Zahnpasta mache kann.

SO FUNKTIONIERT DER MÜLLFREIE LIFESTYLE

Der Amerikanerin war das aber längst nicht genug: Vom plastikfreien Alltag ging sie in ein komplett müllfreies Leben über. Und wollte so beweisen, dass es möglich ist, mitten in New York zu wohnen, ohne riesige Mengen an Abfall zu produzieren. In einer Metropole, in der täglich elf Millionen Kilo Müll zusammenkommen. "So habe ich begonnen, keine verpackten Lebensmittel mehr zu kaufen und stattdessen meine eigenen Tüten und Gläser mitzubringen. Waschmittel und Beautyprodukte begann ich nach und nach selbst zu erzeugen. Und ich habe mir simple Dinge angewöhnt, wie etwa im Restaurant zu sagen, dass ich keinen Strohhalm in meinem Getränk haben möchte." Ein Jahr hat es gedauert, bis Lauren Singer ihr Leben umgestellt hatte. Mittlerweile schafft die 23-Jährige ihren müllfreien Lebensstil seit über zwei Jahren Wie ihr "zero waste life" funktioniert, beschreibt Singer auch in ihrem Blog. Unter trashisfortossers.com zeigt sie unter anderem, wie sie ihre Beautyartikel selbst produziert: "Die richtige Rezeptur für Zahnpasta oder Deodorants zusammenzustellen, war eine der kniffligsten Herausforderungen. Ich habe viel ausprobiert, war oft frustriert. Aber jetzt, wo ich alle Produkte, die ich verwende, selbst zusammenrühren kann, ist es superleicht." Nur 30 Sekunden würde es dauern, seine eigene Zahnpasta herzustellen, verspricht Lauren. Und so geht 's: Zwei Esslöffel organisches Kokosnussöl mit einem Esslöffel Backpulver und 15 bis 20 Tropfen an organischen, ätherischen Ölen (je nach Geschmack) vermischen - fertig! "Es ist sehr simpel und funktioniert. Ich verwende sie seit mehreren Jahren und habe noch immer all meine Zähne!", schmunzelt die Umweltschützerin. Ihr Gesicht cremt sie sich morgens mit Calendulaoder Jojoba-Öl ein. Das Make-up, das sie verwendet, ist Naturkosmetik (Marke RMS) und wird in zu 100 Prozent recycelbarer Verpackung vertrieben, Bronzer oder Gesichtspuder mixt sie sich zu Hause.

BIZ GESTARTET
Aus ihrem Selbstversuch ist mittlerweile auch ein eigenes Unternehmen entstanden. Mit ihrer Firma "Simply Co.", die Lauren im November 2014 lanciert hat, vertreibt sie ein nachhaltiges Waschmittel, das nur aus drei Inhaltsstoffen besteht: Backpulver, Kristallsoda und pflanzlicher Seife. Die New Yorkerin ist stolz: "Ich habe die Firma gegründet, um meine Produkte jenen Menschen zugänglich zu machen, die keine Zeit haben, sie herzustellen. Derzeit haben wir nur ein Produkt, aber heuer kommen noch einige biologische und vegane Reinigungsmittel dazu."

WOHIN MIT KONDOMEN?
Wofür sich jedoch die Leute, die von Laurens Lebenswandel erfahren, viel mehr interessieren: "Mein Intimleben! Viele wollen wissen, was ich mit Kondomen mache? Oder welches Toilettenpapier und welche Tampons ich verwende." Hier kommt auch schon die Auflösung: Während ihrer Periode verwendet die 23-Jährige Menstruationscups. Diese werden aus Silikon erzeugt, kosten rund 26 Euro und können bis zu zehn Jahre lang verwendet werden. "Am Anfang ist es ein bisschen komisch, aber man gewöhnt sich daran. Und ich spare damit Geld - hochgerechnet auf den Nutzungszeitraum bis zu 1400 Euro", erklärt die New Yorkerin. Und wie ist das jetzt beim Sex? Wie hat man ökofreundlichen Geschlechtsverkehr? Lauren Singer: "Ja, ich verwende Kondome. Mittlerweile gibt es sogar hier in New York eine Öko-Alternative: ,Sustain Condoms' - die werden auch Fairtrade produziert." Wäre das nun also auch geklärt...

MORALAPOSTEL ODER VORREITERIN?
Jemand, der so sehr auf seinen ökologischen Fußabdruck achtet, will bestimmt auch alle anderen dazu motivieren, möglichst nachhaltig zu agieren - könnte man meinen. Nicht so die Amerikanerin: "Ich will niemanden maßregeln! Und ich würde niemals jemanden dazu ermutigen, meinem Lebensstil zu folgen, wenn er das nicht wirklich will. Das bringt nichts! Aber wenn man es versuchen möchte, ist es ein relativ einfacher Prozess. Man muss nicht von einem Tag auf den anderen sein gesamtes Leben umstellen. Es reicht ja, wenn man Tag für Tag oder Woche für Woche den Alltag bewusster zu gestalten beginnt."

Swoon. Yay for bulk!!! #trashisfortossers #ecocult #zerowaste #bulk #bloggers #sustainability #eco #green #nyc #notrash #nowaste

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FAZIT: Bleibt noch ein Vorurteil: Öko-Lifestyle kostet doch zu viel Geld! Falsch, denn auch da kann Singer beweisen: "Ich spare! Weil ich nicht mehr planlos in den Supermarkt laufe, sondern mir vorher eine genaue Liste schreibe. Und ich kaufe mir nicht mehr jedes Outfit, das gerade in ist. Wer braucht auch schon zehn verschiedene Jeans im Kleiderschrank?"

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