Ressort
Du befindest dich hier:

Lazio-Ultras wollen keine Frauen in ihrer Fankurve haben

Ultra-Fans des römischen Fußballklubs Lazio Rom haben ein Flugblatt rausgegeben, in dem Frauen aufgefordert werden, sich im Stadion Plätze ab Reihe 10 zu suchen. Der Fanblock wäre nämlich ein "heiliger Ort".

von

Lazio Rom
© Getty Images

Fußball und Extremismus gehen oft noch Hand in Hand, vor allem, wenn Fans beteiligt sind, die die Liebe zu einem bestimmten Klub für fragwürdige politische Aktionen nutzen. Was bei den Lazio-Fans nicht das erste mal der Fall ist: Ihre Nähe zum rechten Rand inklusive faschistischem Gruß ist kein Geheimnis. Diesmal haben sie aber mit einer anderen Aktion für einen Eklat gesorgt. Vor dem ersten Spiel der Serie A (die höchste Spielklasse in Italien) teilten sie im Stadion sexistische Flugblätter aus. Auf diesen sprachen sie davon, dass ihr Fan-Block, also die Nordkurve, "ein heiliger Ort" sei und man deshalb Frauen dazu auffordere, sich keine Plätze in diesem Bereich zu suchen. Es herrsche dort ein ungeschriebener Kodex. Frauen, Freundinnen und Ehefrauen sollen sich erst ab Reihe 10 einen Platz suchen.

Dem nicht genug: Jene, die den Stadionbesuch als eine Art romantischer Abend sehen, sollen sich sowieso einen anderen Platz suchen. Der Verein selbst distanzierte sich von der Aktion und den Fans, deren Meinung sie absolut nicht teilen. "Wir sind gegen jede Diskriminierung", sagte ein Sprecher. Die Fans des römischen Klubs fallen aber nicht zum ersten Mal negativ auf: 2017 hatten sie für einen antisemitischen Skandal gesorgt. Vor einem Spiel gegen die rivalisierende Mannschaft AS Rom, landeten Fans von Lazio in der Fankurve des Gegners und beklebten Sitze mit einem Bild von der im Holocaust verstorbenen Anne Frank, der ein AS-Rom-Shirt auf den Körper gephotoshopt wurde. Daraufhin musste der Fußballklub eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro zahlen.

Lazio Rom
Anne Frank mit AS-Rom-Shirt: Die Lazio-Ultras wissen, wie man zu weit geht. / Getty Images

Laut Beobachtern des Klubs leisten sich die Ultra-Fans nicht zum ersten Mal einen solchen Skandal. Tatsächlich gibt es eine lange Tradition von rechten Tendenzen im Fan-Bereich. Seit den 1990ern etwa wird im Stadion häufig ein faschistischer Gruß aus der Mussolini-Zeit gesichtet. In den letzten Jahren kam es dann sogar zu Übergriffen auf Roma und Sinti, linke Aktivisten und die queere Community. Die Spitze des Eisbergs war dann die Sache mit den antisemitischen Stickern. Der Verein entschuldigte sich zwar, doch nahm die jüdische Gemeinschaft diese nicht ganz ernst, denn Klubpräsident Claudio Lotito hatte danach in einem Interview mehr oder weniger deutlich gesagt, dass er die Sache für eine "Inszenierung" gehalten hatte. Kein Wunder also, dass die Ultras so weitermachen wie bisher. Und bei den weiblichen Fußballfans wird man sich sicher nicht entschuldigen.