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Lebenshungrig: Interview mit Laura Pape

Laura Pape litt an Magersucht: Bei 1,71m wog sie nur noch 47 Kilo. Mit WOMAN spricht sie über Anorexia und ihr Buch "Lebenshungrig", das von ihrer Krankheit erzählt.

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Laura Pape - Lebenshungrig Buch über Magersucht

Laura Pape: Heute isst sie was und so viel sie will!

© Stefanie Brandenburg

Als Laura mit 17 Jahren eine Diät machen will, um ein paar Kilo abzunehmen, gerät sie in eine Magersucht. Mit 1,71m Körpergröße wiegt die junge Frau aus Hannover irgendwann nur noch 47 Kilo, doch die Sucht noch weiter abzunehmen bleibt bestehen. Erst in einer Klinik findet Laura den Weg aus der Essstörung. WOMAN spricht mit der heute 20-Jährigen über ihre Magersucht und ihr Buch "Lebenshungrig", das von ihren Erfahrungen mit der Krankheit Anorexia erzählt.

Lebenshungrig - Laura Pape erzählt von ihrer Magersucht
In nur 5 Monaten hatte das Mädchen 21 Kilo verloren.

WOMAN: Als du deine erste Diät machtest, wogst du 68 Kilo. Dein Ziel war es ein paar Kilo abzunehmen, doch dann hattest du die Kontrolle verloren und die Waage zeigte nur noch 47 Kilo an. Wie konnte das passieren?
Laura: Ursprünglich war mein Plan, nur unter 60 Kilo zu kommen. Doch ich habe schnell gemerkt, dass es mir ein Hochgefühl verleiht, wenn der Zeiger der Waage Tag für Tag ein bisschen mehr nach links wandert. Davon wollte ich mehr, und an das wenige Essen hatte ich mich bereits gewöhnt. Zudem bekam ich immer mehr Angst vor einer Zunahme, sodass ich viel und kalorienreiches Essen vermied.

»Ich habe mir oft nur eine Hand voll mit Vollkornflakes über den Tag hinweg eingeteilt.«

WOMAN: Was hattest du in der Zeit mit der Anorexia täglich gegessen?
Laura: Ich habe mir oft nur eine Hand voll mit Vollkornflakes über den Tag hinweg eingeteilt. Das ist nicht gerade viel, vielleicht 100 oder 150 Kalorien. Aber je weniger, desto schneller ging es mit der Abnahme. Und das Hungergefühl blieb irgendwann aus.

WOMAN: Würdest du sagen, dass die Glorifizierung von schlanken Models aus Zeitschriften und dem TV Schuld hatten an deiner Magersucht?
Laura: Nicht ganz. Das Problem lag ja in mir, ich war unsicher und hatte meinen Platz in dieser Welt noch nicht gefunden. Da kommt man als Teenager schon mal auf die Idee, weniger zu essen, um ein bisschen abzuspecken. Natürlich sah ich mir auch Model-Shows oder Fotos in Zeitschriften an und fand die Figuren der Frauen schöner als meine, in die Magersucht reißt einen das aber nicht unbedingt, wenn man ansonsten zufrieden mit sich ist.

WOMAN: Wie haben deine Freunde auf dein neues Gewicht und Aussehen reagiert?
Laura: Anfangs bekam ich viel Lob, weil ich so gut abgenommen hatte und meine Figur zwischenzeitlich auch wirklich richtig toll aussah. Als ich jedoch den Schlussstrich nicht zog und mit meinen Diäten übertrieb, wandelten sich die Komplimente nach und nach in Warnungen um. Niemand fand es mehr schön, wie abgemagert ich aussah.

WOMAN: Deine Mutter brachte dich dann in eine Klinik, in der du es geschafft hattest wieder 9 Kilo zuzunehmen. Wie war es für dich wieder zu essen?
Laura: Anfangs ein schreckliches Gefühl. Ich wurde Tag für Tag jeweils fünf mal dazu gezwungen, etwas zu tun, das ich dringend vermeiden wollte: Essen. Außerdem sollte ich mich nicht viel bewegen, am besten nur im Bett liegen, um keine Kalorien zu verbrennen. Ich habe mich gefühlt, wie in einem Gefängnis mit knallharten Regeln. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an den Klinik-Alltag und wenn die Einsicht kommt, fällt auch das Essen nicht mehr ganz so schwer.

Lebenshungrig - Laura Pape erzählt von ihrer Magersucht
Laura Pape heute: Ein gesundes, hübsches Mädchen mit Normalgewicht!
»Kalorienrechnen ist ein schlimmer Zwang, von dem ich heute nichts mehr wissen will.«

WOMAN: Wie geht es dir heute? Zählst du noch immer Kalorien?
Laura: Ich zähle heute überhaupt keine Kalorien mehr, das habe ich mir nach der Klinik Gott sei Dank irgendwann abgewöhnen können. Wenn ich Hunger habe, dann esse ich so viel, bis ich satt bin, wenn ich Appetit habe, auch mal ohne Hunger. Und vor allem die Dinge, auf die ich gerade Lust habe. Kalorienrechnen ist ein schlimmer Zwang, von dem ich heute nichts mehr wissen will. Mein ganzer Alltag hat sich früher darum gedreht – heute habe ich den Kopf frei für die schönen Dinge des Lebens.

WOMAN: Was rätst du Mädchen, die mit ihrem Gewicht unzufrieden sind?
Laura: Es ist zwar immer gut, wenn man ein bisschen auf eine gesunde Ernährung achtet, aber zu sehr übertreiben sollte man es damit nicht. Man rutscht zu schnell in eine Essstörung ab, auch wenn man es vorher nicht glauben mag – die Zahlen aus Statistiken und die langen Wartelisten von Kliniken beweisen es. Magersucht ist ein großes Problem unserer Zeit, das sollte man nicht unterschätzen. Das Leben ist viel schöner und wertvoller, wenn man die schönen Seiten davon genießt und mit sich zufrieden ist, so wie man ist.

WOMAN: Wer sollte dein Buch unbedingt lesen?
Laura: Vor allem Betroffene und Angehörige, aber auch Außenstehende, die vorher vielleicht gar nichts von diesem Krankheitsbild wussten und sich darüber informieren möchten. Am Anfang denkt jeder: "Ich werde doch nicht magersüchtig!" oder "Wenn ich will, dann kann ich jederzeit wieder normal essen!" Aber da irrt man sich. Ich habe auch mal so gedacht, heute weiß ich es besser. Mir liegt es sehr am Herzen, meine Leser besser über das Thema Magersucht zu informieren, vor allem aber auch den Betroffenen zu zeigen, dass es wieder einen Weg aus der Essstörung gibt. Darum habe ich "Lebenshungrig" geschrieben.

Lebenshungrig - Laura Pape erzählt von ihrer Magersucht
Das Buch "Lebenshungrig" erzählt Laura Papes Geschichte mit der Magersucht.

Erhältlich ist das Buch von Laura Pape bei Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag
Preis: Euro 9,95