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Meine Lehrer haben mich jahrelang gemobbt

Ich wurde als Schülerin in der Oberstufe von zwei Lehrern gemobbt und hatte deswegen Depressionen. Nun möchte ich diesen Personen etwas sagen.

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Ich wurde von meinen Lehrern gemobbt

Jeden morgen hatte ich Magenschmerzen.

© istockphoto.com

Vor zwei Tagen hat mir meine ehemalige Schulkollegin Claudia eine SMS geschrieben: "Hey, wir machen im Juni ein Klassentreffen - bist du dabei?" Und plötzlich spürte ich es wieder. Ein Schmerz in der Magengegend und ein Stechen im Herzen. Selbst 10 Jahre nach meiner Matura scheint es noch was mit mir zu machen... die Zeit in der Oberstufe war keine schöne für mich. Der Grund: ich wurde von zwei Lehrern gemobbt. Ich bin nun fast 30 Jahre alt und möchte nun endlich darüber sprechen.

Ich komme aus einer Kleinstadt in der Südsteiermark. Nach der Hauptschule wollte ich aufs Gymnasium, denn für mich war klar: ich werde sowieso irgendwann Journalismus studieren und später Bücher schreiben. Das mit dem Gymnasium wurde nichts, denn meine Eltern waren der Ansicht, es sei besser eine kaufmännische Schule zu besuchen, die mir in der Zukunft viele Türen offen hält. Also landete ich mit 15 Jahren in der BHAK - Bundeshandelsakademie. Alleine der Name löst bei mir Brechreiz aus. Ich bin ein kreativer Mensch, der mit Zahlen und Buchhaltung nicht umgehen kann. Ich bin oft verplant und sprunghaft. Ich interessiere mich für Menschen, Geschichten und Trends - aber gar nicht für Buchhaltung oder wirtschaftliche Strategien. Zu blöd, dass ich also 5 Jahre lang in einer Schule saß, die ihren Fokus auf BWL, Rechnungswesen oder Wirtschaftsenglisch legt. Was dabei rauskam, war klar: ich war eine der schlechtesten Schülerinnen unserer Klasse. Zumindest in einigen Fächern. Doch das war nicht das Hauptproblem...

»Ich geriet in einen Teufelskreis aus Angst, Scham und noch schlechteren Leistungen...«

Schweißausbrüche und zitternde Hände

Es begann bereits in der 1. Klasse. Mein Mathematik-Professor schien ein Problem mit mir zu haben. Immer wieder holte er mich an die Tafel, um mich vor der gesamten Klasse bloßzustellen. Er stellte sich neben mich, um die Formeln, die ich mit Kreide aufschrieb mit "Pfff...", "das gibt's ja nicht", "neeein, mein Gott" zu kommentieren. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie meine Knie schlotterten und meine Hände beim Schreiben zitterten. Ich hatte Schweißausbrüche. In den Stunden schrie er mich nicht selten vor all meinen Mitschülern/innen an. Das ging dann 5 Jahre so weiter. Oft wurde ich "krank" oder hatte Regelschmerzen und konnte deswegen, die Mathestunden nicht besuchen. Ich geriet in einen Teufelskreis aus Angst, Scham und noch schlechteren Leistungen... Meine Mutter, alleinerziehend und berufstätig, wusste natürlich Bescheid - war aber hilflos. Ich verbot ihr sich einzumischen - zu groß war die Sorge, dass dies alles nur verschlimmern würde.

"Aus dir wird sowieso nichts werden!"

Mein Mathe-Prof war allerdings harmlos im Vergleich zu meinem Englischlehrer. In den Stunden wurde ich regelmäßig beschimpft. Aussagen, an die ich mich sehr gut erinnern kann, waren: "Du wirst sowieso nie einen Job finden und wir bezahlen dann dein Arbeitslosengeld", "aus dir wird sowieso nie was", "glaubst du ernsthaft, du hupfst amal weit?". Ich empfand seine Attacken als persönlich und unberechenbar. Vor der Matura erreichte das Mobbing dann seinen Höhepunkt: als er die Prüfungszettel verteilte, flüsterte er mir zu: "Dich lasse ich sowieso durchfallen." Dann verschwand auf seltsame Weise einer der Zettel und so benotete er mich mit einem "Nicht genügend". Ich wusste: Wenn ich mich jetzt nicht zur Wehr setze, dann falle ich durch. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und kontaktierte den Landesschulinspektor. Dieser ließ meine Arbeit von zwei externen Professoren gegenprüfen und ich erhielt die Note "Befriedigend". Der verloren geglaubte Zettel tauchte plötzlich wieder auf - OH WUNDER!

»Ich weinte häufig und durchlebte ernsthafte Depressionen.«

Eine Botschaft an meine Ex-Profs

Seither war mir klar, dass ich mir nie mehr etwas gefallen lasse. Heute würden solche Situationen natürlich ganz anders ablaufen. Doch als Teenager ist man oft zu eingeschüchtert, um sich zu verteidigen oder sich Hilfe zu holen. Vor allem, wenn man nicht zu den besten Schülern/innen gehört. "Bloß nicht rebellieren, sonst wird alles noch schlimmer", so meine Gedanken.

Die Wahrheit ist aber, dass ich 5 Jahre durch die Hölle ging. Ich weinte häufig und durchlebte ernsthafte Depressionen. Das wurde mir erst später klar. Jahrelanges Mobbing machte auch etwas mit meinem Selbstwert... abgesehen davon, dass dadurch ein wunderbarer Teil meiner Jugend versaut wurde. Dabei hätte alles ganz anders ablaufen können. Mit Lehrern, die mich fördern, anstatt mich anzugreifen.

Heute bin ich selbst Mutter und frage mich: Warum machen das manche Pädagogen/innen mit Schülern/innen? Warum machen das Erwachsene mit Jugendlichen? Sind diese Menschen nicht Lehrer/innen geworden, um junge Menschen zu ermutigen, sie zu begleiten und ihre Stärken zu fördern? Mit Sicherheit bin ich nicht die Einzige, der es so ging. Ich kenne ähnliche Geschichten von Freunden/innen.

Es tut gut, nun hier zu sitzen und endlich darüber zu sprechen. Die Person "aus der eh nie was werden wird" schreibt nun für das größte Frauenmagazin Österreichs und appelliert an ihre Ex-Professoren: unterstützt eure Schüler, stärkt ihre Stärken und respektiert ihre Schwächen. Nicht jeder kann alles gut können. Ich hätte in der Schule Beistand und Einfühlungsvermögen gebraucht - nicht Schikane und Drohungen. Ich wäre trotzdem keine Steuerberaterin geworden, sondern Journalistin - aber ich hätte 5 schönere Jahre in meiner Jugendzeit erlebt.

Eure Erfahrungen

Bestimmt gibt es einige, die ähnliche Erfahrungen - oder auch ganz andere - gemacht haben. Ich würde mich freuen mit euch darüber zu sprechen. Wie habt ihr die Zeit als Schüler/innen erlebt? Wurdet ihr auch mal gemobbt? Was hättet ihr in dieser Zeit gebraucht? Ich freue mich auf eure Geschichten!

Thema: Report

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