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Sie verkaufen ihren Körper: Leihmutterschaft als Geschäftsmodell

Sie nähen nicht nur unsere Kleider, sie gebären jetzt auch unsere Kinder: das Leihmutter-Business in Indien. Werden arme Frauen hier als biologische Ressourcen für den reichen Westen ausgenützt?

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Schwangere Frauen in Indien

Schwangere Frauen in einer einkommensschwachen Region Indiens

© Shutterstock

In wenigen Ländern ist der Unterschied zwischen sehr reich und sehr arm so eklatant, wie in Indien: Von der aktuell boomenden Wirtschaft des Landes profitiert nur eine kleine Schicht, während der Großteil der Bevölkerung in Armut versinkt.

Arbeitskraft ist extrem billig in Indien und daher siedeln viele internationale Unternehmen hier ihre Callcenter, Firmen und mehr an. Ein weiterer "Vorteil": Arbeitsrecht und Schutz der Arbeitnehmerinnen und -nehmer wird im Gegensatz zu Europa im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft leider hinten angestellt.

Und das wird nun auch auf medizinischem Sektor ausgenützt, wie Elo Luik im Guardian berichtet: Denn einerseits entwickeln sich hier Bio-Technologie sowie klinische Forschungen auf höchstem Niveau, andererseits gibt es genügend Menschen, an denen man dieselben ausprobieren kann. Also boomen derzeit medizinische Tests, aber bedauerlicherweise auch extreme Schattenseiten wie Organhandel.

Ein weiteres Geschäft, das derzeit immer mehr im Kommen ist, ist die kommerzielle Leihmutterschaft über Grenzen hinweg: Frauen aus finanziell schwachen Schichten tragen die Kinder aus für finanziell sehr gut situierte Eltern aus dem Ausland, die selbst keine Kinder bekommen können.

Bei einer Leihmutterschaft verleiht quasi eine Frau für die Dauer einer Schwangerschaft ihre Gebärmutter. Dabei wird eine In-vitro-Fertilisation durchgeführt, also eine künstliche Befruchtung mit einer fremden Eizelle, die heranwächst, um schließlich das Baby einer anderen Person, nämlich der genetischen Mutter, zur Welt zu bringen.

In Österreich und vielen anderen europäischen Ländern ist diese Vorgehensweise verboten. Ist die Leihmutterschaft erlaubt, wie in einigen Staaten der USA oder Russland, dann ist es oft nicht einfach eine Frau zu finden, die eine Schwangerschaft für ein Kind, das sie danach abgeben muss, auf sich nehmen will. Dazu kommen noch hohe medizinische Kosten sowie gesetzliche Auflagen.

All das will man mit dem neuen, bereits überaus erfolgreichen Geschäftsmodell in Indien umgehen und betreibt quasi "Outsourcing" auf andere Frauenkörper in einem anderen Land, wo es genügend arme Menschen gibt, die wirklich alles tun würden, um das eigene Überleben zu sichern. Darüber hinaus gibt es diesbezüglich (noch) keine gesetzlichen Regelungen oder Schutzbestimmungen. Und selbst wenn sich diese ändern sollten, gibt es bereits Überlegungen, die Geburten nach der Befruchtung dann in afrikanische Länder umzusiedeln. In Länder, wo die Menschen vielleicht noch ärmer sind...

Mehr dazu liest du hier: theguardian.com

Thema: Report

Kommentare

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Einerseits es tut mir leid für diese Leihmütter. Ich denke keine Frau würde ihr Kind aus Nächstenliebe abgeben. Und andererseits bin ich glücklich, dass solche Dienstleistung überhaupt existiert. Ich kann eigene Kinder leider nicht mehr bekommen. Kann sie nicht austragen. Aber meine Eizellen und auch Samen meines Mannes sind in Ordnung, deshalb kam für uns eine Leihmutterschaft in Frage.

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Wir sind dieser Frau sehr dankbar. Eine arme ukrainische Frau hat unser Kind zur Welt gebracht. Nun sind wir überglücklich! Vielleich in paar Jahre wenden wir uns noch mal an diese Klinik

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Wir sind dieser Frau sehr dankbar. Eine arme ukrainische Frau hat unser Kind zur Welt gebracht. Nun sind wir überglücklich! Vielleich in paar Jahre wenden wir uns noch mal an diese Klinik

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Auf die Erfüllung unseres Kinderwunsches sollten wir jahrelang warten. Es war ehrlich zu sagen eine Belastungsprobe für unsere Ehe. Schwere Zeit… ständige Untersuchungen, die zeigten, dass nicht alles optimal bei mir für die Schwangerschaft war, enorme Hoffnung auf die Verfahren der Fortpflanzungsmedizin (nämlich die Leihmutterschaft), viel Stress, aber die Wahrscheinlichkeit war eher gering...

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Doch eines Tages wurden wir für all die Leiden reich belohnt. Es klappte! Ein unfassbares Glück - ich war schwanger geworden :-)

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Vanessaglueckpilz, das freut mich sehr, dass du selbst schwanger geworden bist. War auch dazu die künstliche Befruchtung nötig?
Ich persönlich bin gegen die Leihmutterschaft, also eher für die Leihmutterschaft nur in den Ausnahmezuständen.