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Les Misérables: Anne Hathaway im Interview

Bei den Anne Hathaway für "Les Misérables" als große Favoritin. Wir trafen sie zum Interview.

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Les Misérables: Anne Hathaway im Interview
© Getty Images

Es ist eines der weltweit meistgespielten Musicals und wurde oftmals verfilmt: "Les Misérables“. Die neue Version von Star-Regisseur Tom Hooper ("The King´s Speech“) kommt am 22. Februar ins Kino und ist ein heißer Oscar-Tipp. Zwei der acht Nominierungen gehen an: Anne Hathaway in der Rolle einer geschundenen Prostituierten und an Hugh Jackman als Sträfling und Ehrenmann.

Das aufwendige Filmepos basiert auf dem Roman von Victor Hugo "Die Elenden“, der zur damaligen Zeit durchaus realistisch war: Die Fabriksarbeiterin Fantine bekommt ein Kind und wird entlassen. Um sich und Cosette (als Erwachsene: Amanda Seyfried ) zu ernähren, schlägt sie sich als Sexsklavin durch, verkauft sogar ihre Haare und Zähne, erkrankt schwer und stirbt. Der Einzige, der sie retten möchte, ist Jean Valjean. Der Sträfling - sein Delikt: Brotdiebstahl - wird nach 19 Jahren entlassen und beginnt unter neuem Namen ein zweites Leben. Doch der hasserfüllte Polizeiinspektor Javert (auch großartig: Russell Crowe ) identifiziert ihn als Exhäftling und zerstört die neue Existenz. Valjean hat aber Fantine versprochen, sich um ihre Tochter zu kümmern, und so kommt es doch noch zu einem Happy End …

Anne Hathaway im Interview

Mit uns sprachen Anne Hathaway, die Mut zur Hässlichkeit zeigte und für die Rolle der armen Kreatur ihr echtes Haar schneiden ließ, und Hugh Jackman über ihre Hungerkuren, sexuelle Sklaverei und den Gesangsspaß bei den Dreharbeiten.

WOMAN: Es ist faszinierend, Sie beide singen und weinen zugleich, wie geht das?

Hathaway: Ich denke, da steckt kein Geheimnis dahinter, es ist ein Impuls. Es war mein Versuch, sich ganz intensiv in den Charakter und in die Geschichte der Fantine hineinzuversetzen. Es gibt ja heute noch sexuelle Sklaverei, und ich habe mir vorgestellt, sie lebt heute in New York. Diese Ungerechtigkeiten gibt es noch immer.

Jackman: Also, ich kann das schon erklären: Regisseur Tom Hooper hat von Anfang an gesagt, es werde viele Proben geben. Man kann sich kaum vorstellen, beim Film neun Wochen lang zu proben. Wir haben täglich 12 Stunden lang gesungen und gespielt. Jeden Freitag hat uns Russell Crowe in sein gemietetes Haus eingeladen, und wir haben weitergesungen.

Hathaway: Und das hat uns wirklich wie eine Familie zusammengeschweißt. Wir waren die "Les Mis“.

WOMAN: Fühlen Sie sich in Ihrem Element, wenn Sie Musical spielen?

Jackman: Als mir meine Agentin vor Jahren vorschlug, ein Musical zu drehen, dachte ich, sie sei auf Drogen! Dann aber lernte ich singen.

Hathaway: Ich wollte unbedingt bei diesem Film dabei sein. Als ich ein Kind war, sah ich meine Mutter als Zweitbesetzung in der Rolle der Fantine, und ich wollte schon damals unbedingt "I Dreamed a Dream“ singen.

WOMAN: Sie haben beide wahnsinnig abgenommen während der Dreharbeiten!

Jackman: Stimmt, mehr als 30 Pfund. Die Rolle des Valjean spannt sich über mehrere Jahre, er soll nicht zum Wiedererkennen sein und völlig ausgemergelt aussehen. Bei den Sträflingsszenen habe ich 36 Stunden davor nicht einmal Wasser getrunken, um ausgezehrt zu wirken. Anne war noch härter und hat 14 Tage lang gefastet!

Hathaway: Mir war derart schlecht vor Hunger, ich konnte kaum schlafen! Aber ich habe durchgehalten!

WOMAN: Wie war das, als Ihre Haare abgeschnitten wurden, haben Sie sich an den Kurzhaarschnitt schon gewöhnt?

Hathaway: Ich habe darauf bestanden, keine Perücke zu tragen! Es hat mir in der Seele wehgetan, meine schönen Haare abzuschneiden, aber es tut mir nicht leid! Nur wenn ich neben meiner Filmtochter Amanda Seyfried mit ihrem wundervollen Haar stand, wurde ich ein bisschen neidisch. Ich habe mich aber inzwischen an den Pixie Cut gewöhnt.

WOMAN: Im Film geht es um Armut. Wie erklären Sie das Thema Ihren Kindern?

Jackman: Ava ist sieben, Oscar zwölf, wir erklären ihnen, dass es in der Welt Ungleichheiten gibt. Das begreifen sie schwer, noch glauben sie an das Gute im Menschen. Meine Frau und ich bringen ihnen bei, dass es ein Geben und Nehmen gibt. Heute lernen sie in der Schule viel über globale Verantwortung.

WOMAN: Sie sind beide für den Oscar nominiert. Ihre Gefühle?

Jackman: Dafür bin ich unglaublich dankbar, die Rolle von Valjean bedeutet mir so viel, wie Hamlet zu spielen.

Hathaway: Ich bin überwältigt. Das ist das beste Jahr meines Lebens. Ich bin 30 Jahre alt geworden und bin glücklich darüber, habe diesen großartigen Film gedreht und außerdem "Robopocalypse“ mit Steven Spielberg. Und ich habe die Liebe meines Lebens geheiratet.

WOMAN: Dieser Film handelt von unbedingter Liebe und Leidenschaft. Glauben Sie an die Liebe auf den ersten Blick?

Hathaway: Ich glaube an eine Seelenverwandtschaft und stelle mir vor, dass sich die Seelen auf einem höheren Niveau treffen als der Blitzstrahl bei der sogenannten Liebe auf den ersten Blick. An die ich sowieso nicht recht glauben mag und die ich auch nie erlebt habe.

Thema: Anne Hathaway