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Liebe ist Kopfsache

Warum verlieben wir uns in einen bestimmten Typ Mann? Pheromone? Haarfarbe? Glaubt man Evolutionsbiologen, dann ist die Liebe eine reine Kopfsache.

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Ein jugner Mann und eine junge Frau sitzen verliebt auf einem Bett und albern herum

Die schönsten Liebesgeschichten sind im Kopf

© Thinkstock

Zunächst hielt der Evolutionsbiologe Charles Darwin den männlichen Pfau für das wohl dümmste Tier der Welt. Für seine Feinde weit hin sichtbar, plusterte sich das Vieh auf, präsentierte seine funkelnden Federn und seine glänzende Brust. Der lebende Gegenbeweis zur Darwin'schen These vom "Survival of the fittest", wonach der Vogel eigentlich mit grau-sandigen Tarnfarben durch die Büsche huschen müsste.

Doch dann fand Darwin den Schlüssel für das biologische Rätsel: Mit seiner Balz ergatterte der hübsche Pfau die Gunst zahlreicher Vogelfrauen, pflanzte sich fort und sorgte so für Verbreitung seiner Gene bis zu seinem (womöglich dann doch ein paar Jährchen früheren) Tod.

Und wir Menschen? So unähnlich sind wir dem eitlen Federvieh gar nicht. Wir bemalen uns, plustern uns auf, flirten, paaren, zeugen, betrügen oder haben zumindest im Gespür, betrogen zu werden. Doch seit Darwins Zeit hat sich in Sachen evolutionsbiologischer Forschung einiges getan. Statt sich nur mehr auf Äußerlichkeiten wie die Körpergöße, die symmetrischen Gesichtszüge oder die Pheromone zu konzentrieren, haben die Wissenschaftler immer mehr auch unser Denken im Fokus, unsere kognitiven Talente zur Liebe. Wir haben ein paar der Bausteine der Liebesintelligenz unter die Lupe genommen …

Hirn statt Body: Warum Kreativität so sexy ist

Nehmen wir nur einmal unser Balzverhalten: Warum finden wir einen Mann sexy? Oder wodurch beeindrucken wir ihn? Manche Faktoren liegen auf der Hand. Männer achten verstärkt aufs Aussehen Haare, Haut, Busen, Po, Beine). Frauen hingegen ist der soziale Status und die finanzielle Versorgung wichtiger (wir haben uns das nicht ausgedacht! - Das sagt die Wissenschaft, sorry!) . Für beide Geschlechter spielt aber der Charakter die größte Rolle. Humor, Offenheit, Freundlichkeit – das sind die am häufigsten genannten Attribute, nach denen Männlein und Weiblein bei ihrem Lebens(abschnitts)partner suchen.

Ein wesentlich verblüffenderer Faktor hingegen ist Kreativität. Untersuchungen zeigen, dass vor allem männliche Künstler ein abwechslungsreiches Liebesleben vorweisen können. Und: Erfolgreiche Künstler kriegen mehr Frauen ins Bett als weniger begabte Kollegen. Der Effekt bleibt sogar dann bestehen, wenn man Einkommen und sozialen Status aus der Statistik herausrechnet. Ein sonderbares Ergebnis. Denn nach der Darwin'schen Evolutionslehre sollte man doch eher meinen, ein kräftiger, durchtrainierter Muckimann würde dem schmächtigen Kreativen vorgezogen – also lieber ein Kerl, der Fleisch nach Hause bringt als Sonette zu schreiben (okay, wir bedienen mal ein paar Klischees ).

Doch die Erklärung ist simpel: Kreativität ist eine komplexe Leistung unseres Gehirns – und damit nichts anderes als ein Anzeichen für gute Gene, die den eigenen Nachkommen einen Überlebensvorteil versprechen.

Mann und Frau flirten
Die Anmache, wissenschaftlich erforscht

Warum Direktheit ins Bett führt

Doch auch das Prinzip der Anmache wurde von der Wissenschaft durchleuchtet. Immerhin, so die Forscher, sei das Ansprechen eines potenziellen Partners der allerwichtigste Schritt im Liebesprozess. Wie das Magazin Psychologie Heute anführt, untersuchten die US-Psychologen Russell Clark und Elaine Hatfield in den 80er Jahren das Geheimnis der Anmache mit folgendem Versuch: Eine junge, attraktive Studentin wurde auf den Campus geschickt und fragte Männer: „Hallo, hast du Lust,dichmitmirzuverabreden?“Rund 50% der Männer sagen ja. Im umgekehrten Fall (ein sexy Mann ging auf Frauen zu) sah das Ergebnis wenig anders aus: 50% der Frauen stimmten einem Date zu. Fragten die Tester jedoch direkter, dann kehrte sich das Geschlechterverhältnis um. Auf "Möchtest du mit auf mein Zimmer kommen?“ stiegen 69% der Männer ein, aber nur noch sechs Prozent der Frauen. Noch drastischer: Lautete die Frage "Wollen wir miteinander schlafen?", waren 75% der Männer dazu bereit – aber keine einzige Frau.

Der Versuch wurde mehrmals wiederholt – zuletzt 2010 von einem dänischen Forscherteam. Das Resultat war im Kern immer dasselbe: Um einen Mann ins Bett zu kriegen, kann frau gar nicht direkt genug sein. Denn während die Ansprüche an den Lebenspartner bei beiden Geschlechtern ganz ähnlich sind, lösen sie sich auf, sobald es um schnellen Sex geht. Dann senken Männer ihre Ansprüche drastisch, Frauen dagegen reagieren extrem wählerisch.

Positives Selbstbild bedeutet bessere Partnerschaft

Wer mit sich selbst zufrieden ist, wirkt auch auf andere Menschen attraktiver. Diese Weisheit kommt uns zwar nicht sofort bahnbrechend vor, ist aber wunderbarer Weise wissenschaftlich belegt. Denn zahlreiche Menschen neigen dazu, sich selbst in einem übertrieben positiven Licht zu sehen. "Positive Illusion" lautet der Fachbegriff dafür. Wir schauen in den Spiegel und sehen Kate Moss vor uns, wir schieben die gewürfelte Sechs beim Gesellschaftsspiel auf unsere ausgezeichnete Wurftechnik und sind der Ansicht, dass niemand besser Einparken kann als wir. Diese Selbstüberschätzung ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil auf dem Heiratsmarkt. Indem wir uns nämlich selbst beeindrucken, gelingt uns das auch bei unserem Partner.

Die amerikanischen Evolutionspsychologen Glenn Geher und Scott Barry Kaufman, Autoren des wirklich ausgezeichneten Buches "Mating Intelligence" (zu deutsch: "Liebesintelligenz") gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie machen die grandiose Fehleinschätzung und mangelnde Reflektion sogar für das Gelingen von Ehen verantwortlich. In jeder langfristigen Beziehung kommt es irgendwann zu Konflikten. Es geht um Geld, um Zeit und natürlich auch um Sex. Was Paaren in solchen Situationen hilft, so argumentieren Geher und Kaufman, ist dasselbe Phänomen, das wir bei Würfelspielen so belächeln: das Gefühl, die Sache im Griff zu haben. Das Gegenteil davon? Wäre die Gewissheit, ein Opfer zu sein, das nichts an seiner unangenehmen Situation zu ändern vermag. Eine Einstellung, die selten zu einem guten Ende führt.

Thema: Liebe

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