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Verrückt nach Liebe - Jojo Moyes, die Frau hinter "Ein ganzes halbes Jahr"

Millionen weltweit weinten bei ihrem Bestseller. Nun wurde die Lovestory "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes verfilmt. WOMAN traf die dreifache Mutter exklusiv in London zum Gespräch über ihre Obsession für die Liebe.

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Jojo Moyes - "Ein ganzes halbes Jahr"

Jojo Moyes, 46, Bestsellerautorin

© 2016 Getty Images

Märchen können wahr werden. Selbst auf dem hart umkämpften Buchmarkt geschehen noch Wunder. Jojo Moyes, 46, schrieb drei Bücher, die nie gedruckt wurden, und acht Romane, die zwar gute Kritiken hatten, aber bleischwer in den Buchläden liegen blieben. Und dann verfasste die Ex-Journalistin mit "Ein ganzes halbes Jahr" eine Liebesgeschichte mit letalem Ende und verzauberte damit die Welt.

Millionen Leserinnen und Leser weinten mit Lou und Will, weil ihre Liebe nicht in Erfüllung ging. Nun wurde der Bestseller mit Emily Clarke ("Game of Thrones") und Sam Claflin ("Die Tribute von Panem") verfilmt und ist im Kino zu sehen.

Und weil das Buch so bekannt ist, darf man den ganzen Inhalt verraten: Will ist ehrgeizig, erfolgreich und absolut unabhängig -bis ihn ein Motorrad überfährt. Seitdem sitzt er vom Halswirbel abwärts gelähmt im Rollstuhl und möchte so nicht mehr leben. Als die unbekümmerte, arbeitslose Kellnerin Lou als seine Pflegerin engagiert wird, macht ihr Will das Leben schwer, bockt und demütigt die Nicht-Intellektuelle. Doch langsam gelingt es der jungen Frau mit Hang zu gestreiften Strümpfen und Schuhen in Blümchen-Design, in dem verbitterten Pessimisten wieder Gefühle zu wecken. Die beiden freunden sich an, verlieben sich. Doch Wills Todessehnsucht ist stärker, er will niemandem auf dieser Welt zur Last fallen...

Wer ist die Frau, die hinter dieser berührenden Geschichte steht? Jojo Moyes (sprich: Djodjo Meus) ist eine zierliche, zurückhaltende Blondine mit energischem Zug um den Mund. Aufgewachsen als Tochter eines Künstlerehepaares im damals gefährlichen, heute hippen Londoner Stadtteil Hackney, jobbte sie in Bars und arbeitete 15 Jahre lang bei einer Tageszeitung, bis ihre drei Kinder Saskia, Harry und Lockey zur Welt kamen. Mit Ehemann Charles, ebenfalls Jounalist, zog sie auf einen Bauernhof. Der frühe schriftstellerische Misserfolg hat die Britin nicht verhärmt, "aber ich machte mir unentwegt Sorgen. Ich bin generell ängstlich. In einem Hotel sehe ich auf der Zimmertür nach, wie der Fluchtweg geht." Seit sich ihre Bücher so gut verkaufen, ist sie viel unbelasteter, wie sie im Interview erzählte:

WOMAN: Sie haben als Journalistin gearbeitet. Wie fühlt sich das nun an, eine begehrte Interviewpartnerin zu sein?
Jojo Moyes: Großartig! Mein Leben ist so völlig anders verlaufen, als ich es mir je vorgestellt habe. Aber ich war gerne Journalistin und brauchte wirklich Therapiestunden, als ich die Zeitung verließ. Aber Tagesjournalismus und drei Kinder gehen sich schwer aus, ich musste immer erreichbar sein.

WOMAN: Unter welchem emotionalen Aspekt haben Sie Ihre Lovestory geschrieben?
Jojo Moyes: Wir sind doch alle verrückt nach Liebe, ich bin da ganz sicher. Und ich interessiere mich dafür, wie man sich verliebt, wie das ist, wenn man liebt, warum die Beziehungen meiner Freunde funktionieren oder auch nicht. Da bin ich neugierig, nähere mich einer Obsession. Es muss nicht immer die romantische Liebe sein, es gibt Mutterliebe oder Patriotismus.

WOMAN: Ihre Protagonisten Will und Lou sind ganz verschiedene Charaktere...
Jojo Moyes: Umso besser, weil zwei Weltanschauungen aufeinanderprallen. Für mich funktionieren Lovestorys nur, wenn es ein Hindernis gibt. Hier gibt es einige: Die beiden haben verschiedenen Backgrounds, sie denken sehr unterschiedlich, sie haben gegensätzliche Wünsche - und dann Wills physischer Zustand. Liebesgeschichten leben doch von der inneren Spannung.

WOMAN: Ein bisschen vermisst man in dem Film die Sexszenen, die Sie im Buch schon mehr als andeuten.
Jojo Moyes: Ich glaube nicht, dass man Sex so deutlich zeigen muss. Eine Sexszene kann oft in die falsche Richtung laufen. Das Wichtigste ist doch, die Fantasie der Zuschauer zu erwecken. Sie ist auch schwer zu schreiben, ein Autor muss doch auf die Ausdrucksweise achten. (lacht) Ich finde die Filmszene, in der Lou Will rasiert, ist intim und sexy.

WOMAN: Haben Sie sich für das Buch mit Sterbehilfe beschäftigt?
Jojo Moyes: Als ich das Buch schrieb, hatten zwei meiner Verwandten eine 24-Stunden-Pflege. Sie waren total abhängig. Da fragt man sich: Wie gibt man Lebensqualität? Mich interessiert, wie jemand reagiert, wenn der Partner an Sterbehilfe denkt.

WOMAN: Wie hat sich Ihr Leben seit dem Romanerfolg verändert?
Jojo Moyes: Nach den Büchern, die sich schlecht verkauft haben, war es großartig, dass mir Menschen sagten, dass sie meinen Roman lieben. Auch mein Mann, der alle meine Bücher als Erster liest, war begeistert: "Bitte ändere gar nichts!" Wir haben ein größeres Haus gekauft. Mein jüngerer Sohn ist taub und kann in eine spezielle Schule gehen. Ich habe mir immer um alles Sorgen gemacht, jetzt kann ich mich hinsetzen und schreiben, das ist ein Geschenk. Ich bin 46 und habe das Gefühl, ich wachse noch. Das ist ein Privileg.

WOMAN: Haben Sie noch Ihr Schreibbüro über dem Dorffriseur?
Jojo Moyes: Klar! Das Angenehme am Landleben ist: Man wird nicht als Berühmtheit angesehen, denn die Leute dort sind schwer zu beeindrucken.

Seit dem Erfolg von "Ein ganzes halbes Jahr", 2012, hat Jojo Moyes insgesamt neun Millionen Bücher weltweit verkauft, und die wurden in 34 Sprachen übersetzt.

Jojo Moyes - "Ein ganzes halbes Jahr"
Im Film "Ein ganzes halbes Jahr" spielt Emily Clarke die lebenslustige Lou, die den todessehnsüchtigen Will (Sam Claflin) betreut.
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