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Die Liebe von morgen

Weg mit Klischees: Online-Beziehungen sind nicht stabil, Männer unromantische Realisten und Frauen von Natur aus monogam: Wer's glaubt, irrt! Neue wissenschaftliche Erkenntnisse verändern unser Liebesleben gewaltig. Wir haben die sechs wichtigsten Trends.

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Die Liebe von morgen
© Jupiterimages/Goodshoot/Thinkstock

Oberflächlich, unromantisch und ein unwürdiger Markt für Partnershopping. Die Partnersuche im Internet hat nicht nur Freunde. Tatsache ist, dass sich bereits ein Drittel aller Paare übers Netz kennenlernt und der Boom große Zukunft hat. Denn jetzt kommt’s: Online-Paare haben die stabileren Beziehungen. Eine groß angelegten Studie der University of Chicago hat das ans Licht gebracht. Zwei, die sich auf freier Wildbahn verlieben, trennen sich mit 20 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit wieder. "Paare, die im Internet aufeinandertreffen, interessieren sich von Anfang an mehr füreinander, als man das gemeinhin beim Ausgehen tut", nennt Christian Thiel, dienstältester Singleberater im deutschsprachigen Raum, dafür Gründe, "und man tauscht rasch persönliche Informationen aus."

»1. Internet: Mehr Kitt für Partnerschaften.«

Wer passt? Voraussetzung ist ein ehrliches und aussagekräftiges Profil auf der jeweiligen Plattform, das passende Kandidaten anlocken und unpassende abschrecken kann. Die psychologischen Tests bei vielen Börsen sind ein zusätzlicher Filter. Die Möglichkeit, von vornherein nur auf Menschen zu treffen, die mit viel höherer Wahrscheinlichkeit zu einem passen als jeder Beliebige aus der Bar, ist so viel höher. Außerdem kann sich Thiel vorstellen, dass bei Offline-Paaren der Alkohol beim Kennenlernen eine größere Rolle spielt. Man kann sich sein Gegenüber "schön trinken", was zu einem schnelleren Eingehen auf erotische Angebote führen kann. Nicht aber dazu, dass der andere auch passt.

»2. Facebook macht Liebeskummer extralang.«

Trennungsschmerz. Wenn's dann schiefläuft, ist einer gern schnell zur Stelle: der Liebeskummer. Und er wird zukünftig länger quälen, denn Expartner sind durch Facebook, Twitter, Instagram und Co. weiterhin ständig verbunden. Man kriegt mit, was der Verflossene so treibt, wen und was er liked, mit wem er sich fotografieren lässt und wer - ganz hart - seine Neue ist. Soziale Netzwerke verleiten dazu, dem Ex nachzuspionieren. Und der Trennungsschmerz wird durch all das länger. "Mein erster Ratschlag bei einer Liebeskummer-Therapie ist, den Kontakt, sowohl den realen als auch den virtuellen, zum Ex- Partner abzubrechen", sagt die Psychologin Jasmin Ruprecht (liebesdoc.com) aus Villach. Also blocken oder entfrienden. Man braucht dringend erst einmal Abstand. Gebildete, gut verdienende Frauen mussten sich schon viel haltlose Kritik (Rabenmütter!) gefallen lassen. Etwa den Vorwurf, sie würden sich, ökonomisch unabhängig wie sie sind, viel schneller von ihren Partnern trennen als weniger gebildete. Eine groß angelegte australische Studie brachte das gegenteilige Ergebnis: Sie trennen sich deutlich seltener von ihren Männern! Tiefenpsychologe Alfred Adler vertrat schon 1920 die These: Eine auf männlicher Überlegenheit gegründete Partnerschaft ist unbefriedigender für beide Beteiligte als eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Was sich seither weitgehend bestätigte: In Ländern mit einem geringen Macht-Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern ist etwa die Zufriedenheit mit der partnerschaftlichen Sexualität deutlich größer. Die Emanzipation brachte also auch größere Zufriedenheit der Männer mit ihrer Beziehung. Der wichtigste "Verdächtige" für das Phänomen ist: das Selbstwertgefühl, das Beziehungen stabilisiert. Gutes Einkommen und Bildung tragen zu diesem bei.

»3. Beziehungen auf Augenhöhe gewinnen.«

Männer sind in Sachen Liebe die Rationalen, Frauen die gefühlsgesteuerten Romantikerinnen. Ein Klischee, das eine umfassende US-Studie jetzt widerlegte. Die Sache verhält sich nämlich genau umgekehrt. "Eine romantische Liebesvorstellung zu haben, bedeutet nicht, mit einer roten Rose zum Date zu erscheinen", schreibt der Berliner Single- und Paarberater Christian Thiel in seinem Buch. "Es bedeutet viel mehr, dass ein Mensch an romantische Liebesklischees glaubt. An Liebe auf den ersten Blick, daran, dass wahre Liebe alle Hindernisse überwindet ..." Männer bestaunen ein hübsches Gesicht, die langen Beine und das netteste Lächeln der Galaxie und sind schon überzeugt: die absolute Traumfrau. 7 Prozent aller Männer sagen einer Frau schon beim ersten Date "Ich liebe dich!" Glaubt jemand, dass ähnlich viele Frauen so gefühlsgesteuert und unrealistisch bei der Partnersuche sind?“

Wählerische Frauen. Sie sind es nicht. Gerade mal ein Prozent von ihnen würden sich so verhalten beim ersten Treff. Frauen sind bei der Partnersuche ausgesprochen wählerisch, verteilen fünf bis zehnmal so viele Körbe und haben eine Vielzahl von Kriterien - zwischen 20 und 200. Wo Männer gerade mal zwei haben: Schaut sie gut aus und ist sie nett zu mir? Was im Kern nichts anderes bedeutet als: "Komme ich bei ihr gut an?" Wie aber kommt’s zu den romantischen Liebesvorstellungen der Männer? "Time on task" meint Thiel. Auf Deutsch: Je mehr Zeit und Energie wir auf eine Aufgabe verwenden, desto besser werden wir darin. Schon im Kindergarten sind Jungen eher an gewagten Baustein-Konstruktionen interessiert und Mädchen beschäftigen sich mit den Gefühlen der anderen. Wer mag wen und warum? Das ändert sich auch später nicht. Welche Freundin ist gerade verliebt? Wie geht es ihr damit? Wer ist mit wem befreundet und warum? Das Verschlingen von Büchern zu einschlägigen Themen kommt dazu. Frauen wissen also einfach mehr über das menschliche Gefühlsleben. Wer zu wem passt und so. Wie füllen die Männer ihre Wissenslücken? Ganz einfach - mit romantischen Liebesvorstellungen ... Sie sind also die wahren Romantiker, auch noch morgen.

»4. Männer sind die wahren Romantiker.«

Frauen sind von Natur aus monogam. Von wegen! Ein Märchen, das man uns seit ewigen Zeiten reingedrückt hat, das sich aber nicht länger wird aufrecht erhalten lassen. Neueste Forschungen, die US-Journalist Daniel Bergner in seinem Buch "Die versteckte Lust der Frauen" zusammengefasst hat, belegen eindeutig: Frauen haben nicht nur in gleicher (oder gar umfassenderer) Weise sexuelle Triebe wie Männer, sie sind in Wahrheit die, die stärker zu Promiskuität neigen. Schon allein deshalb, weil sie von Gewohnheit und vertrauter Sexualität viel schneller gelangweilt sind. Dazu törnt Frauen viel mehr an als ihre männlichen Counterparts, so die überraschende wissenschaftliche Entdeckung: Zeigte man Frauen pornografische Videos so löste von Heterosex über Gruppensex bis zu Homoerotik, Masturbation und kopulierenden Zwergschimpansen alles messbare Erregung aus, was Bergner zu dem Satz inspirierte: "Die weibliche Libido ist ein Allesfresser!" Männer sind da längst nicht so flexibel. Frauen nehmen allerdings ihre sexuelle Erregung oft nicht wahr oder verdrängen sie, weil’s nicht sein darf.

»5. Frauen liegen in Sachen Sex vorn.«

Was Frau will. Das moralische Korsett, das seit ewigen Zeiten um die weibliche Lust geschnürt wurde, hat da ganze Arbeit geleistet. "Ein sexuelles Wesen zu sein", steht es in Bergners Buch, "jemand, dem Sexualität gestattet wird, diese Freiheit gewährt die Gesellschaft Männern viel bereitwilliger als Frauen." In den Befragungen packten Frauen auch nur dann aus,
wenn absolute Anonymität gewährleistet war. Dann gaben sie die tatsächliche Zahl ihrer bisherigen Sexualpartner an. Doch befreiende Fortschritte sind nicht aufzuhalten. Jüngere Frauen haben zumindest kein Problem mehr, dem Partner zu sagen,
was sie im Bett wollen.

»6. Liebespillen steigern die weibliche Lust.«

Wundermittel. Und wenn sie nichts mehr wollen, dann soll zukünftig eine Liebespille zünden. An dieser wird von Pharmaunternehmen heftig geforscht. "Lybridos" und "Lybrido" sind zwei Produkte, vom holländischen Biochemiker Adriaan Tuiten, 58, entwickelt. 420 Amerikanerinnen schlucken sie schon zu Testzwecken. "Die Pillen erregen und steigern die Motivation für Sex", erklärte der Erfinder in einem Gespräch mit dem Schweizer "Blick". Es gäbe Frauen, die sexuelle Reize kalt ließen. Dafür gäbe es Oft genetische Erklärungen. Andere Frauen würden zwar auf sexuelle Reize reagieren, diese jedoch unterdrücken. Wegen negativer Erlebnisse oder weil sie als Kinder hörten, Sex und Lust wären schmutzig. Ein wenig Kopfweh oder Schwindel können die Nebenwirkungen sein. Aber was ist das schon, wenn die Pille, wie Tuiten frohlockt, die Monogamie retten kann ... Wie bitte? Na ist doch klar: Frau verliert schneller die Lust an Gewohntem. Die Liebespille soll ihr den vertrauten Partner wieder sexy machen. 2016 könnte das "Wundermittel" auf den Markt kommen.

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