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Lilian Klebow im WOMAN-Interview

„Die Menschen sind medial so zugemüllt mit Negativmeldungen, dass sie nicht darauf reagieren wenn man ihnen einen glühenden Erdball oder den Weltuntergang prophezeit. Wir brauchen Hoffnung – nur sie bewahrt uns davor, den Kopf nicht in den Sand zu stecken“, begründet Schauspielerin Lilian Klebow ihr Engagement in Sachen Umweltschutz und Nächstenliebe. Seit einem Jahr ist die 32-Jährige Ehrenbotschaftern des „Jane Goodall Instituts-Austria“. Und vor wenigen Wochen wurde sie auch zur Botschafterin für Friedensnobelpreisträgerin Betty Williams ernannt. Von ihrer Leidenschaft will Klebow nun auch anderen weitergeben – und startet einen neuen Blog (www.makeadifference.janegoodall.at) in dem sie aufzeigt, wie man jeden Tag die Welt retten kann...


Lilian Klebow im WOMAN-Interview
© Roland Unger

Woman: Was haben Sie heute für unsere Umwelt getan?

Klebow: Mit meinem Trinkbecher und meiner Aluflasche habe ich mindestens drei Plastikbecher und sechs Plastikflaschen gespart. Noten für die Bandprobe wurden auf einem alten Drehbuch ausgedruckt. Leere Flaschen habe ich zum Recycling gebracht, ich bin Rad gefahren, habe den Biomüll entsorgt, beim Einkaufen hatte ich meine eigene Tasche dabei, und Tomaten und Avocados habe ich in kompostierbarer Verpackung besorgt.

Woman: Und: Wo waren Sie heute weniger zufrieden mit sich?

Klebow: Leider bin ich mit dem Auto zum Set gefahren worden. Immerhin waren wir zu dritt. Und ich habe meine armen Gartenkräuter verdursten lassen.

Woman: Wie grün ist Ihr Tag?

Klebow: Meinen Morgenkaffee koche ich mir mit einer Schraubmaschine am Herd, Kaffeepulver kommt dann in den Biomüll. Kein Wegwerffilter oder Restmüllwahnsinn! Ich bin ein großer Feind von Kapselmaschinen in jeder Form. Auch wenn die Firmen die leeren Tabs zurücknehmen. Selbst wenn sie recycelt werden, verbraucht das wertvolle Ressourcen. Mit der Restwärme der Herdplatte mache ich dann Sojamilch für mein Müsli warm. Kaffeereste werden nicht weggeschüttet sondern für einen Eiskaffee in einer separaten Kanne gesammelt. Und das Glas Wasser, das nachts neben meinem Bett steht und morgens nicht leer ist, verwende ich zum Gießen meiner Küchenkräuter. Ich lebe sehr einfach. Lebensmittel kaufe ich saisonal und aus der Region oder zumindest jene mit dem kürzesten Anfahrtsweg. Kein Fastfood. Keine Fertigprodukte. Keine industriell gefertigten Gewürze oder Geschmackszusätze. Kleidung kaufe ich mir nur zu besonderen Anlässen. 90 Prozent meiner Garderobe sind gebraucht. Ich liebe Flohmärkte, Tauschportale … Mein Hochzeitskleid plus Schleier hat 80 Euro gekostet und ist wahrscheinlich älter als ich. Möbel habe ich, bis auf ein oder zwei Ausnahmen, noch nie neu gekauft. Mein Mann Erich und ich tischlern auch gern. Klar, man kann nicht immer alles selber machen, aber es ist wichtig, dass man bewusst lebt und etwas unternimmt! Keiner ist ein perfekter Gutmensch!

Woman: In welchen Bereichen fällt Ihnen der Verzicht besonders schwer?

Klebow: Ich lebe seit zwei Monaten vegan. Das ist für mich als begeisterte Köchin eine Herausforderung! Doch bis jetzt macht das Experimentieren in der Küche Spaß. Mein Mann nimmt meine veganen „Backunfälle“ genüsslich in Kauf. Und Wurst oder Schweinefleisch esse ich schon seit Jahren nicht mehr. Jeder Verzicht auf Fleisch oder Fastfood macht einen Unterschied.

Woman: Wann haben Sie beschlossen, Ihr Leben bewusst ökologisch zu führen?

Klebow: Früh, dank meiner Mutter: Mülltrennung, nichts Wegschmeißen, Selbermachen, kochen, Radfahren, gärtnern, in die Natur gehen. Nicht das ich damals gleich alles toll fand, aber es hat mich sehr geprägt. Ein großes Glück war auch mein Gymnasium in München: politisch sehr engagiert und mit viel Freiraum für Aktionen der Schüler, wie einem Arbeitskreis für Umweltschutz. Dann gab es eine schulübergreifende Münchner Schülerbewegung, die S.A.U.(Schüler Aktion Umwelt): Radldemos für eine autofreie Innenstadt und Aktionen den Handel dazu zu bringen Umverpackungen zurück zu nehmen standen unter anderem am Programm. 2010 war dann meine Begegnung mit Jane Goodall, sowie die intensive Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit, für mich ein Anstoß wieder in der Öffentlichkeit aktiv zu werden. Es war frustrierend zuzusehen, wie wenig sich wie langsam ändert! Bedenkt man z.B. das Thema Verpackung von Lebensmitteln. So viele Dinge weiß man schon sehr lange. Jetzt habe ich das Gefühle, dass endlich ein großes Umdenken stattfindet. Und unsere Verantwortung ist es die Hoffnung nie aufzugeben. Daran hat mich Jane Goodall erinnert.

Woman: Ihr biologischer Fußabdruck: Wo liegt der zahlenmäßig?

Klebow: Bei der Ernährung im sehr kleinen Bereich: 0,45. In den Bereichen Wohnen und Konsum im kleinen Bereich: zwischen 0,47 und 1,85. Unter DEM Durchschnitt. Bei der Mobilität leider im Durchschnitt mit 0,6. Leiderreist man in meinem Job viel, auch beim Drehen sind wir viel unterwegs. Da kann ich echt noch mehr tun.

Woman: Sie sind aktiv als Botschafterin von Jane Goodall und Betty Williams – waren Sie schon immer umwelt- und nächstenliebend veranlagt?

Klebow: Ich liebe die Natur. Auch die Menschen. Ich kann manchmal genauso wütend und ungerecht sein, wie jeder andere auch – es kommt nur darauf an in welche Bahnen man seinen Zorn lenkt. Und vor allem darauf, ihn nicht an anderen auszulassen.

Woman: Wer sind Ihre Vorbilder?

Klebow: Frauen wie Dr.Jane Goodall oder Friedensnobelpreisträgerin Betty Williams. Jane Goodall hat mich sehr inspiriert, als sie gesagt hat, dass sie "der Welt etwas zurückgeben wollte, für das große Glück, das ihr in ihrem Leben widerfahren ist." In Dankbarkeit dafür wurde sie Aktivistin. Sie ist ein wahres Vorbild als Frau. Und als Mensch. Betty Williams mit ihrem unglaublichen Mut. Ihrem Engagement. Ihrer Leidenschaft mit der sie auf der Green Expo 2012 gesprochen hat. Ihr Einsatz für Kinder auf der ganzen Welt. Sie ist als einfache Frau in Irland in derNachbarschaft losgezogen um Unterschriften gegen die Gewalt der IRA und desbritischen Militärs zu sammeln. Aus Ihrer Riesenwut über die Zustände in den 70ern in Irland wurde eine Riesenfriedensbewegung und sie mobilisierte schließlich eine halbe Million Menschen für den Frieden in Irland.Beides Frauen, die ohne große Ausbildung oder jahrelange Studien Überlebensgroßes geschaffen haben! Beide geben uns das wichtigste auf der Welt: Hoffnung! Sie beide stehen für mich dafür, das jeder von uns seinem Traum folgen kann und sich entscheiden kann zur Aktivistin zu werden. Es muss nicht jeder Jane Goodall oder Betty Williams werden, aber jeder von uns trägt diese Kraft in sich!

Woman: Werden Sie manchmal als Öko-Fuzzi abgestempelt?

Klebow: Früher in der Schule: ja! „Ökotussi“ stand in der Abizeitung. Aber mein Gott, das sehe ich als Kompliment. Und heute? Nein! Ich trage meine Gesinnung nicht vor mir her oder erzähle anderen Leuten, wie sie ihr Leben besser leben. Positive Veränderung ist der Schlüssel. Vorleben. Anregen. Mitreißen. Mit Besserwisserei erreicht man nichts. Außer dass sich andere schlechter fühlen und erst recht nichts machen.

Woman: Viele denken sich wohl: „Was soll das schon bringen?“ Ihr Gegenargument?

Klebow: Sägst du auch den Ast ab, auf dem du sitzt? Es ist die Welt, in der WIR leben! Alle suchen den Sinn des Lebens. Hier ist er! Übernehmt Verantwortung! Seid simpel statt kompliziert. Wir haben eine Wahl! Da können wir doch zumindest Verantwortung für die Welt, in der wir leben, und für unsere Mitmenschen übernehmen! Also tun wir es! Jetzt!

Interview: Melanie Zingl