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Lipstick Index: Durch die Wirtschaftskrise mit mehr Lippenstift

Geht's der Wirtschaft schlecht, werden mehr Kosmetikprodukte gekauft! Das ist keine Binsenweisheit aus der WOMAN-Redaktion, sondern eine wirtschaftliche Tatsache.

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Lipstick Index: Durch die Wirtschaftskrise mit mehr Lippenstift
© iStock/AndreyPopov

Wer hat schon einmal vom "Lipstick Index" gehört? Dabei geht es weder um die Qualität der Produkte noch um die Benennung der Farben - sondern um handfeste wirtschaftliche Kennzahlen. Und zwar jene der Kosmetikbranche. Die erstaunlicherweise immer dann Rekord-Ergebnisse erzielt, wenn es der restlichen Wirtschaft schlecht geht. Das war in den USA erstmals 1929 beobachtbar: Während der folgenden vierjährigen Weltwirtschaftskrise halbierte sich die industrielle Produktion der USA, der Umsatz bei Lippenstiften und Co. stieg jedoch stark an.

Eine ähnliche Entwicklung sieht die „Financial Times“ auch seit Beginn der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise vor rund zehn Jahren. Seit den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 hat das Phänomen auch seinen Namen, denn damals bemerkte der Vorstand des US-Kosmetikkonzern Estee Lauder, dass wesentlich mehr der teuren Lippenstifte verkauft wurden. Der damalige Vorstandsvorsitzende, Leonard Lauder, kreierte daraufhin eben den sogenannten "Lipstick Index" - einen alternativen Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Krisenzeiten.

Eine Erklärung warum gerade in Krisenzeiten mehr Luxus-Produkte gekauft werden lautet folgendermaßen: Während für größere Investionen wie Haushaltsgeräte oder Autos nicht genug Geld da ist, will man sich trotzdem was gönnen und greift dann eher zu "kleinen" Luxusprodukten, wie eben Schminkzeug, Parfum und Co. Diesem Phänomen hat kürzlich auch der ORF einen Artikel gewidmet und darin die Umsätze der Branche dem Österreichischen BIP gegenüber gestellt. Demnach werde der globale Kosmetikmarkt derzeit mit 400 Milliarden Euro beziffert - tendenz stark steigend. Bis 2024 sollen die weltweiten Umsätze auf 650 Milliarden Euro steigen. Zum Vergleich: Das österreichische Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 330 Milliarden Euro. Für dieses enorme Wachstum spielen nicht zuletzt die sozialen Netzwerke eine große Rolle, wie nicht zuletzt die Financial Times feststellt.

Kylie Jenner: Geballte Markmacht auf Insta

Demnach hätten Kooperationen von Kosmetikfirmen mit Influcenrinnen inzwischen weitaus mehr Impact, als Inserate in Hochglanzmagazinen. Davon kann Kylie Jenner ein Lied singen - sie soll angeblich mehr als eine Million pro Werbeschaltung auf Instagram kassieren. Auch wenn diese Summe astronomisch wirkt - ganz so verwunderlich ist es nicht. Auf der Rangliste von YouTube belegt das Thema „Beauty“, also Videos zu Make-up, Haarstyling und Hautpflege, den zweiten Platz hinter Clips zu Video- und Computerspielen. Immerhin: Davon profitieren auch kleinere Firmen, da sie laut "Financial Times" flexibler auf Trends reagieren bzw. diese überhaupt erst setzen.