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Lizzo: „Hört auf zu sagen, ich bin mutig. Ich bin nur sexy.“

Sie ist aktuell DER Star am Musikhimmel: Ihre Musik zwischen R&B, Pop und Hip-Hop und vor allem ihre Bühnenshows reißen einfach jedeN mit und neben uns zählen auch schon Rihanna oder Beyoncé zu ihren Fans. Aber immer wird die vielseitige Künstlerin auf eines reduziert: ihren Körper.

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Lizzo: „Hört auf zu sagen, ich bin mutig. Ich bin nur sexy.“
© 2019 Getty Images

Wer Lizzo einmal auf der Bühne erlebt hat, vergisst diesen Moment wohl nie. Die treibende Musik, die farbenfrohen Outfits, die mitreißende Choreographie. Und ebenso die Kommentare, die auf YouTube zu ihren Auftritten landen, spiegeln die so positiven Vibes wieder: Die Menschen sind begeistert von ihr. Allerdings taucht in den enthusiastischen Kommentaren sowie in der medialen Berichterstattung immer ein besonderes Vokabel auf: confident. Zu deutsch: mutig oder selbstbewusst. Lizzo ist also mutig, weil sie vorne auf der Bühne steht. Und dabei Beine, Po oder Dekolleté zeigt?

Seltsam. Im Zusammenhang mit Taylor Swift oder anderen Musikkolleginnen taucht dieses Wort eigentlich nie auf. Weil diese schlank sind. Und es damit ja ganz "normal" ist, dass sie sich sexy und offensiv präsentieren. Während Frauen mit Kurven scheinbar erst den Mut und das Selbstbewusstsein aufbringen müssen, um ihren Körper zu zeigen? Oder gar ihren Körper zu lieben?


"Wenn die Leute meinen Körper sehen und sagen: 'Oh mein Gott, sie ist so mutig.', denke ich: 'Nein, bin ich nicht. Ich bin nur ich. Ich bin einfach nur sexy. Wenn sie Anne Hathaway im Bikini auf einer Werbetafel sehen würden, würden sie sie nicht als mutig bezeichnen. Ich denke, es gibt da eine Doppelmoral in Bezug auf Frauen." so die 31-Jährige dazu im Interview mit der "Glamour".
"Ich mag es nicht, wenn die Leute denken, dass es mir schwer fällt, mich selbst als schön anzusehen. Ich wünschte, die Leute würden aufhören zu glauben, es sei ein Wunder, wenn eine Frau mit Übergröße Selbstvertrauen hat."

Und da sie genau dem immer wieder einen Gegenpol bietet, hat sich Lizzo mittlerweile zur Ikone der Bodypositivity erhoben: Um mit ihren Auftritten das Bild einer sexy Frau in Übergröße zu normalisieren. Auf der Bühne, in ihren Videos, auf Zeitschriften-Covers, in Make-up- und Werbekampagnen. Und natürlich im Internet.

Denn zumindest im Internet beziehungsweise auf Social Media wird wirklich allen Menschen eine Bühne geboten. Ein Raum sowie Sichtbarkeit. Damit alle sehen: Hey, da gibt es andere wie mich.

"Das ist der Grund, warum alles, was als schön angesehen wurde, so begrenzt wurde. Es wurde nur von Fernsehen und Medien gesteuert. Aber jetzt haben wir das Internet. Wenn du also jemanden sehen möchtest, die oder der schön ist und wie du aussieht, gehst du ins Internet und tippst einfach etwas ein. Tippe blaues Haar ein. Tippe dicke Oberschenkel ein. Tippe Rückenfett ein. Du wirst dich selbst wiederfinden. Das habe ich getan, um die Schönheit in mir selbst zu finden."


Sich selbst präsentiert zu sehen, ist jedoch noch nicht alles. Denn darüber hinaus ist auch entscheidend, wie diese Präsentation ausfällt. Und wie sie beurteilt wird. Lizzo tritt dafür ein, dass wir zudem einen Raum schaffen, worin alle Menschen ihr Leben mit authentischer Freude leben können. Damit es nicht mehr nur als "überraschend", "inspirierend" oder "mutig" angesehen wird, wenn sich eine Frau abseits von Modelmaßen sexy fühlt. Und sich einfach mag, so wie sie ist.

Und nicht "trotz ihrer üppigen Figur" twerkt. Sondern nur twerkt. Und tanzt und singt und Spaß daran hat. Und diese Freude auch ganz vielen anderen vermittelt! Und dabei gottverdammt sexy und großartig ist!