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Mit einem Löffel geht Schweden gegen Genitalverstümmelungen & Zwangsheirat vor

Wie kann ein Löffel dabei helfen, wenn Mädchen ins Ausland gebracht werden, um verheiratet oder beschnitten zu werden? Dies beantwortet ein Flughafen in Göteborg.

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loeffeltrick schweden
© Photo by Naghme Kn on Unsplash

Wenn ein junges Mädchen mit ihrer Familie ins Ausland reist, denkt man sich dabei eigentlich nichts Böses. Doch in manchen Kulturen kann ein solcher Trip in der Beschneidung des Mädchens oder sogar in einer Zwangsheirat resultieren. Warum dies im Ausland passiert? Weil solche Handlungen in Europa verboten sind.

In Schweden kann man aber sogar dafür belangt werden, wenn ein solches Vebrechen im Ausland verübt wurde. Obwohl die schwedische Regierung keine ausreichenden Zahlen hat, wie viele Mädchen wirklich misshandelt und verheiratet werden, nimmt man in Göteborg das Problem ernst. Und so wird jungen Frauen, die befürchten, selbst Opfer zu werden, zum "Löffel-Trick" geraten. Sie sollen einen Löffel in ihrer Unterwäsche auf den Flughafen zu schmuggeln. Dieser löst beim Security Check den Alarm aus und so haben die Mädchen noch die Möglichkeit beim Überprüfen allein mit dem Personal zu sprechen.

Ein Löffel für die Freiheit.

Laut Katarina Idegard, die für die Bekämpfung dieser Verbrechen in der Göteborger Regierung zuständig ist, haben die Mädchen nur noch diese eine Chance, bevor sie ins Ausland gebracht werden.

Die Idee mit dem Löffel kommt aber gar nicht aus Schweden, sondern von der britischen NGO Karma Nirvana. Sie raten Mädchen schon seit Jahren zu diesem Trick. Doch nur, wenn sie über 17 Jahre alt sind. Denn Jüngere dürfen in England nur in Begleitung ihrer Eltern durchgecheckt werden und für sie könnte es schlimme Konsequenzen haben, wenn der Löffel entdeckt wird, so Natasha Rattu, Pressesprecherin von Karma Nirvana, in einer Aussendung.

Wie sieht die Lage in Österreich aus?

In Österreich ist die Zwangsheirat seit einer Gesetzesänderung 2015 ein eigener Tatbestand. Es drohen bei einer Verurteilung im Falle von Zwangsheirat bis zu fünf Jahre Haft. Laut einem Bericht von Gewaltinfo aus 2013, schätzen ExpertInnen, dass jährlich um die 200 Mädchen gegen ihren Willen verheiratet werden. In einem wissenschaftlichen Artikel von 2018 zeigt die Autorin auf, dass sich das Thema in Österreich in den letzten Jahren weiter verschärft hat. Die KlientInnen sind nämlich vermehrt geflüchtete Frauen. Laut Expertin könne man diese am besten dann erreichen, wenn sie in Schutzeinrichtungen und nicht privat untergebracht werden. Sowieso müssen vor allem öffentliche Stellen wie Schulen, Arbeitsplätze und soziale Betreuungseinrichtungen besser für diese Problematik geschult werden.

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