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Lohndiskriminierung bei Raiffeisen KAG: Fondsmanagerin gekündigt

Nach einem Bericht von WOMAN.at über eine Klage wegen Lohndiskriminierung gegen ihren Arbeitgeber, wurde jene Fondsmanagerin, die die Klage eingebracht hat, gekündigt. Jetzt klagt auch der Betriebsrat den Arbeitgeber.

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Lohndiskriminierung bei Raiffeisen KAG: Fondsmanagerin gekündigt
© iStock/asiseeit

Anfang März hat WOMAN.at über einen haarsträubenden Fall von Lohndiskriminierung in der Finanzwelt berichtet. Eine Mitarbeiterin der Raiffeisen Kapitalanlagen Gesellschaft (KAG), dort seit 10 Jahren erfolgreich als Fondsmanagerin tätig, hatte ihren Arbeitgeber geklagt, weil sie nach ihren Aussagen eklatant schlechter bezahlt werde, als ihre männlichen Kollegen. Demnach verdient jener Mann aus ihrer Abteilung, der am wenigsten verdient, immer noch rund 2.000 Euro mehr als Frau Rosinger*. Und das, obwohl sie in ihrem Job sehr erfolgreich ist - was sich anhand der Performance der von ihr verantworteten Fonds schwarz auf weiß belegen lässt. Dennoch: Der erste Teil ihrer mehrstufigen Klage wurde in erster Instanz vom Gericht abgewiesen.

Pikant: Gegenstand diese Klage war, die Lohnkonten der männlichen Kollegen offen zu legen um zu überprüfen, ob tatsächlich eine Lohndiskriminierung vorliegt. Das Gericht rechtfertigte die Abweisung der Klage mit dem Datenschutz. Ob dieses Urteil rechtens ist wird das OLG Wien bzw. der europäische Gerichtshof klären müssen, denn Frau Rosinger* hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. (Die ganze Geschichte rund um Frau Rosingers* langen Kampf um Lohngerechtigkeit gibt's hier zur Nachlese.)

Vom Platz eskortiert

Was ist nun seit der Veröffentlichung des Artikels passiert? "Als ich nach Erscheinung zurück in die Firma kam, gab es nur hängende Gesichter bei meinen Chefs. Auf den Artikel angesprochen hat mich fürs erste aber niemand. Erst paar Tage später bekam ich eine E-Mail von einem der Geschäftsführer, der von mir wissen wollte, ob ich "Frau Rosinger" sei. Das habe ich ehrlich mit "Ja" beantwortet. Wiederum ein paar Tage später wurde ich zu meiner Bereichsleiterin gerufen. Die hat mir mitgeteilt, dass ich freigestellt bin. Ich durfte dann noch einmal zurück um meinen Platz zu räumen und meine Sachen zu holen, danach wurde ich von meinem direkten Chef hinunterbegleitet und das war's dann", beschreibt Frau Rosinger* die Geschehnisse ihres letzten Arbeitstages.

"Ab diesem Moment war ich dann nicht mehr in der Arbeit. Noch eine Woche später habe ich per Einschreiben meine Kündigung erhalten." Ob in dem Brief ein Grund für die Kündigung angegeben war? "Nein, in Österreich muss man bei einer Kündigung keinen Grund angeben", sagt Frau Rosinger*. Wie es ihr in dem Moment gegangen sei? "Ich wusste schon von der bevorstehenden Kündigung, nachdem ja der Betriebsrat vorab über die Kündigung informiert werden muss. Aber ich war natürlich perplex. Damit hatte ich nicht gerechnet." Szenen, die nahezu filmreif klingen - nun aber ein bzw. mehrere gerichtliche Nachspiele haben werden.

Betriebsrat klagt Raiffeisen KAG

Denn nicht nur Frau Rosinger* selbst wird juristisch gegen ihre Kündigung vorgehen, auch der Betriebsrat hat sich mit einer ungewöhnlich scharfen Maßnahme eingebracht: Er klagt den Arbeitgeber ebenfalls. Das passiert so gut wie nie und dürfte ein Anzeichen dafür sein, wie schwerwiegend der Fall ist. Denn ob diese Kündigung vor dem Arbeitsgericht halten wird, wird von ExpertInnen angezweifelt - vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass hier auch ein Exempel statuiert werden soll: "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass hier anderen Mitarbeiterinnen gezeigt werden soll, dass sich die Firma so etwas nicht gefallen lässt."

Bis allerdings Klarheit darüber herrscht, ob die Kündigung von Frau Rosinger rechtmäßig war oder nicht, wird es noch dauern. Denn obwohl die beiden Termine am Arbeitsgericht (Anm., ihre Klage und jene des Betriebsrat werden in getrennten Verfahren abgewickelt) bereits für Ende Mai/Anfang Juni festgesetzt sind - das Verfahren selbst kann sich durchaus über Jahre hinziehen. Zu beruflichen und emotionalen Implikationen dieser Causa kommen insofern auch noch finanzielle, denn für ihren Rechtsbeistand muss Frau Rosinger* selbst aufkommen. "Zum Glück habe ich eine Rechtsschutzversicherung, aber die wird auch nicht die kompletten Anwaltskosten abdecken."

"Ungerechtigkeit muss aufgezeigt werden"

Ob sie rückblickend irgendwas in der ganzen Sache anders gemacht hätte? "Nein. Weil diese Ungleichbezahlung einfach nicht in Ordnung ist und diese Ungerechtigkeit aufgezeigt werden muss. Die Firma hatte genug Chancen das - auch ohne Öffentlichkeit - in Ordnung zu bringen. In den vergangenen 10 Jahren und vor allem in den letzten beiden." Damit spricht Frau Rosinger* auf den Beginn ihrer offiziellen Beschwerde - und damit ihr eigentliches Anliegen, nämlich Lohngerechtigkeit - an. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich an die Gleichbehandlungskommission gewandt. Diese hat inzwischen auch über ihren Fall entschieden. Und zwar absolut zu ihren Gunsten. Konkret heißt es in der "Information über den Ausgang des Verfahrens":

"Der Senat I der GBK gelangt zu der Ansicht, dass Frau Rosinger* aufgrund des Geschlechtes bei der Festsetzung des Entgelts gemäß § 3 Z 2 GIBG durch die Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft mit beschränkter Haftung diskriminiert worden ist."

Leider hat diese Ansicht der Gleichbehandlungskommission - die übrigens im Bundeskanzleramt angesiedelt ist - "nur" Empfehlungscharakter und ist rechtlich nicht bindend. Dennoch bleibt zu hoffen, dass sie "einen gewissen Einfluss auf mein Verfahren hat", so Rosinger*. Und wie es in diesem - dem "ursprünglinchen" Verfahren vor dem Arbeitsgericht wegen Lohndiskriminierung - weitergeht, bleibt abzuwarten. Frau Rosinger* hat ja wie eingangs erwähnt Berufung gegen die Nicht-Öffnung der Gehaltskonten der männlichen Kollegen eingelegt.

Raiffeisen KAG: "Keine Stellungnahme zu laufendem Verfahren"

"Es ist schon ein bisschen absurd, dass ich nur den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit haben wollte - und jetzt sehe ich mich mit einer Kündigung und einer Vielzahl an Gerichtsverfahren konfrontiert", sagt Frau Rosinger*. Was sagt man bei der Raiffeisen auf Nachfrage von WOMAN.at zu den Gründen für die Kündigung? Eine Sprecherin antwortet, dass man um Verständnis bitte, "dass wir zu einem laufenden rechtlichen Verfahren medial keine Stellungnahme abgeben möchten."

"Bereue nichts"

Und dennoch habe sie nie bereut die Klage wegen Lohndiskriminierung eingebracht oder das Interview gegeben zu haben: "Ich werde von sehr vielen Seiten bestärkt. Viele sagen mir, dass ich einen wichtigen und mutigen Schritt gesetzt habe. Das passiert so vielen Frauen - egal wo man hinschaut, Frauen verdienen für die gleiche Arbeit weniger." Ob sich andere Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, nun durch ihre Kündigung abschrecken lassen sollte, selbst für Gerechtigkeit aufzustehen? "Ich finde nicht, aber natürlich wäre es aboslut verständlich. Das ist ja auch der Grund, warum so wenige überhaupt den Schritt wagen, ihren Arbeitgeber zu klagen."

Wie geht Frau Rosinger* nun mit der plötzlichen Arbeitslosigkeit um? "Das ist schon schräg muss ich sagen. Selbst in Studienzeiten habe ich in den Ferien immer gearbeitet, ich kenne das überhaupt nicht, nichts zu machen. Fad wird mir aktuell nicht, aber es ist ein merkwürdiges Gefühl." Wie es jobmäßig weitergeht, wagt sie nicht zu prognostizieren, fürchtet aber, dass es schwierig für sie werden könnte in Wien einen ähnlichen Job wie ihren bisherigen zu bekommen. Obwohl das ihr absoluter Wunsch wäre, denn "ich habe meinen Job ja immer gerne gemacht und war gut darin. Ich wollte nur fair bezahlt werden."

Frauenfreundliches Image der Banken?

Sieht man sich die aktuellen Werbekampagnen anderer heimischer Bankkonzerne an, könnte man ja durchaus noch Hoffnung haben: Sowohl Erste Bank und Sparkasse wie auch die BAWAG werben derzeit massiv mit starken Frauenfiguren und versuchen damit ein Image aufzubauen, das Frauen - jedenfalls als Kundinnen - ansprechen soll. Sollte sich diese Philosophie auch bis auf die Ebene des Personalmanagements niederschlagen, könnte ja durchaus Bedarf an fähigen Fondsmanagerinnen bestehen.

WOMAN.at bleibt dran

Wie auch immer sich das berufliche Leben von Frau Rosinger* aber vor allem ihr Kampf für Lohngerechtigkeit weiter entwickeln wird - WOMAN.at wird weiterhin über den Fall berichten. Und das heißt nicht zuletzt auch die Österreichische Gesetzgebung genau im Blick halten. Denn das - Stichwort: Fehlende Einsicht in die Lohnkonten um Lohndiskriminierung überhaupt feststellen zu können - ist eine Sache, die längst nicht nur Frau Rosinger*, sondern alle österreichischen ArbeitnehmerInnen betrifft.

* Name wurde geändert, der echte Name ist der Redaktion bekannt.

Kommentare

Autor

Das ist typisch für ÖVP-nahe Organisationen. Man müsste Raiffeisen mit Protestmails überschwemmen und die Geschäftsbeziehungen auf ein Minimum reduzieren bis die obersten Manager von Raiffeisen Einsicht zeigen.

Conny Sellner

Tolle Geschichte und ein wichtiges Signal an alle "da oben", dass man mit derartigen Geschichten nicht immer so einfach durchkommt!