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LumiDolls: Das Bordell der Sex-Roboter

Menschliche Nähe, Zärtlichkeit? Spielt im "LumiDoll" in Barcelona keine Rolle. Es ist das erste Bordell, in dem ausschließlich Sex-Roboter "arbeiten".


LumiDolls: Das Bordell der Sex-Roboter
© Lumi Dolls

Die menschliche Sexualität ist ein weites Feld. Wer wären wir, darüber zu richten, Vorlieben als Perversion abzustempeln (solange alle Teilnehmenden damit einverstanden sind)?

Und so berichten wir auch in diesem Fall: Neutral.

In Barcelona eröffnete vor fünf Monaten das "LumiDoll", das erste Bordell, in dem statt Prostituierten Sex-Roboter arbeiten. Lebensechte Puppen aus Silikon, die sogar so etwas wie Mimik besitzen und sich nach Wunsch des Kunden verbiegen lassen.

Das Liebespuppen-Bordell ist für Außenstehende kaum zu finden, versteckt in einem alten Stadthaus an der Ecke Les Cortes/Carrer de Pau Gargallo. Die Kunden können ihr Schäferstündchen mit einer der vier Sex-Dolls nur online reservieren – erst dann gibt es per WhatsApp-Nachricht die Türnummer, an der man klingeln kann.

Katy, 1,70 Meter pures Silikon

30 Minuten mit der blondperückten "Katy" und ihren drei asiatisch aussehenden "Kolleginnen "Kanda, "Lily" und "Yoko" kosten 80 Euro, die Stunde gibt es für 100 Euro. Auch Paare können sich mit einer der Puppen vergnügen, da kommen 60 Minuten dann auf 160 Euro.

"Oral, vaginal und anal" - das sind die angebotenen Praktiken, die man an den Sex-Robotern ausüben kann. Doch der spanische Reporter David López Frías, der als "Kunde" getarnt das "LumiDoll" aufsuchte, berichtet, dass seine gemietete Puppe ein Loch an der Brust hatte. Einer seiner Vorgänger hatte ihr offenbar mit den Zähnen ein Stück Plastik aus der Brust gerissen... "Geben Sie uns im Vorfeld bekannt, welche Fantasie Sie ausleben möchten. Wir tragen Sorge, dass sie erfüllt wird," heißt es auf der Homepage des Puffs.

Lily, auf der Bordell-Website mit ihrer "unschuldige Ausstrahlung" angepriesen

Die Amtosphäre sei nicht schmuddelig, berichtet Frías in seinem Artikel für die Tageszeitung "El Espanol", sondern fast schon klinisch sauber. Jede Puppe wird nach ihrem Einsatz gründlich gewaschen und desinfiziert. Dennoch hatte "Lily" Flecken von der schwarzen Kleidung, in die man sie für den Besuch des Kunden gesteckt hatte.

Das Fazit des Reporters: "Die Zielgruppe des Clubs sind nicht die normalen Bordell-Gänger, dafür ist auch das Angebot zu teuer. Das Ganze richtet sich mehr an Leute, die einen Fetisch für Puppen haben."

Sex-Roboter: Liebesdiener der Zukunft?

Auch der Verein "Hetaria", der sich für die Rechte von Prostituierten einsetzt, schätzt die Kundengruppe eher klein ein. "Klassische Bordell werden dadurch garantiert nicht ersetzt," so eine Sprecherin.

Dennoch gelten Sex-Roboter in manchen Kulturen bereits als Liebesdiener der Zukunft. In Japan etwa werden pro Jahr 2.000 Stück der lebensechten Silikon-Puppen verkauft – und das trotz Preisen ab 10.000 Euro. Auch der US-Sexpuppenhersteller Sinthetics ist ein riesiger Player auf dem globalen Sexpuppenmarkt. Er forscht an Puppen, die sich noch lebensechter verdrehen und durch Artificial Intelligence die Bedürfnisse ihres Besitzers immer besser verstehen lernen.

Für Empörung sorgte zuletzt die Entwicklung der Firma "True Companion" . Der Roboter verfüge über verschiedene Persönlichkeiten, zum Beispiel „Wild Wendy“ oder „Frigid Farrah“. Die frigide Farrah kontert laut Hersteller zu forsche Annäherungsversuche mit dem Hinweis, dass sie den Besitzer doch gerade erst kennen gelernt habe und wehrt sich zunächst gegen die Begrapschung. Für Laura Bates vom „Everyday Sexism Project“ ist der Roboter ein Vergewaltigungsobjekt. "True Companion" wehrt sich gegen die Anschuldigung: "Es handelt sich um eine Simulation einer Beziehung, Vergewaltigung gehört nicht dazu."

Thema: Sex & Erotik