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Lustlosigkeit beim Mann

SIE will – aber er hat keine Lust mehr. Warum Männern in Beziehungen der Appetit auf Sex vergeht – und wie frau damit umgehen kann.


Lustlosigkeit beim Mann

Wenn der Mann plötzlich nicht mehr will, steht die Beziehung auf dem Prüfstand.

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Seit Wochen, ja, vielleicht schon seit Monaten herrscht tote Hose im Bett. Statt Erotik und knisternder Stimmung gibt's Flanellpyjama und Gute-Nacht-Küsschen. Ein lustloser Mann und seine fordernde Frauen – ein neues Phänomen.

Er dreht den Fernseher ab, gibt ihr einen Schmatzer auf die Wange, "Gute Nacht, Schatz", Licht gelöscht, umgedreht und weggeschnarcht. Sie liegt da, verwirrt, schaut ins Dunkle und fragt sich: "Will er mich nicht mehr? Bin ich ihm nicht mehr attraktiv genug?"

Wie kann es sein, dass nach kurzer Beziehung der Sex erschlafft? Dass auf einmal die einzige Bett-Bewegung der Griff zur Fernbedienung oder dem Krimi bleibt? Wo ist die Neugierde, die Begierde geblieben?

Laut Statistik hat das durchschnittliche österreichische Paar einmal pro Woche Sex. Und man selbst? Kommt maximal (auf) einmal im Monat. Der Frust ist groß. An frau liegt es nicht. Nur er, der Mann, der will auf einmal nicht mehr. Und die Verunsicherung wird größer und größer.

Während sexuelle Lustlosigkeit der Frau in Zeitschriften oft thematisiert wird, gilt der Mann, der nicht mehr will, als neues Phänomen. Die Folge: Die Frau fühlt sich unsexy, ungeliebt, vernachlässigt, betrogen.

Warum ER nicht mehr will

Dabei sind die Gründe für seinen mangelnden (An)Trieb selten bei der Partnerin zu suchen. Meist ist es so, dass ER seine Energie in andere Lebensbereiche gesteckt hat: Job, Fitnessstudio, Sozialleben. Nur etwa 10 Prozent der Männer unter 40 haben einen Hormonmangel – alle anderen leiden nicht unter einem organischen Problem.

Um ihren Job gut zu machen, setzen sich selbst Männer, die weniger karriere-ambitioniert sind, permanent unter Druck. Zehn Stunden Büro, dann stürzen sie sich im Studio an die Geräte und trainieren, bis sie vollkommen erschöpft sind. Kaum verwunderlich, dass am späten Abend nicht mehr viel Energie übrig ist.

Bedeutend für die männliche Unlust ist oft auch massiver Internetkonsum. Manche Männer reagieren dann nur noch auf pornografisches Material aus dem Netz und schließen ihre Partnerin von ihren erotischen Wünschen aus. Und viele werden auch unsicher angesichts der Männlichkeits-Ideale...

Veränderte Rollen

Der lustlose Mann und seine fordernde Frau - eine Zeitkrankheit, die vor allem in Großstädten grassiert? Vermutlich. Denn Frauen haben in den letzten Jahren Selbstbewusstsein entwickelt, Sex in Beziehungen hat sich insgesamt verändert. Bei Paaren ist immer einer von beiden in der fordernden Rolle.

Sexualtherapeuten meinen: Männer sind oft durch das immer stärker werdende weibliche Selbstbewusstsein eingeschüchtert. Viele Frauen von heute nehmen sich, was sie wollen, da sind alte männliche Eroberungsmuster nicht mehr gefragt.

Nicht zu vergessen: Männer haben den Höhepunkt ihrer sexuellen Potenz mit 17, Frauen etwa ab Mitte 30. Das Leiden in einer Partnerschaft fängt immer dann an, wenn es zu einem sexuellen Ungleichgewicht kommt. Wenn einer von beiden mehr will als der andere. Viele Männer haben Angst, den Ansprüchen einer Frau nicht zu genügen. Da kann eine Therapie helfen.

Oft genügt es schon, wenn die Frauen beharrlich bleiben und sich nicht nach ein paar erfolglosen Annäherungsversuchen gleich zurückziehen. Und wie immer: der größten Fehler, den die Paare machen, ist, nicht über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Und: Erotik braucht Zeit, Inszenierungen und eine Nische jenseits des Alltags.

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