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Made in China? Billigmode kommt jetzt aus Äthiopien

Äthiopien wird gerade zum neuen Zentrum für Fast Fashion. Aktuell wandern die üblichen Verdächtigen hinter H&M und Konsorten von China, Bangladesch und Co ab und ziehen weiter nach Afrika. Die Gründe dafür?

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Billigmode
© iStockphoto.com

Wirft man einen Blick auf den Waschzettel der großen Modeketten, dann findet man dort häufig die Worte "Made in China". Ebenso häufig wird Mode in Bangladesch, Indien oder Sri Lanka produziert. Was diese Länder gemeinsam haben? Richtig günstige Arbeitskräfte. Expertinnen und Experten aus dem Textilbereich sprechen daher sogar von modernem Sklavenhandel, da diese kaum bezahlt werden, jedoch ein massives Pensum abzuarbeiten haben, unter gefährlichen Bedingungen arbeiten und selbst diese Jobs schnell gekündigt werden.

Unter internationalem Druck bilden sich nun jedoch Gewerkschaften beziehungsweise strengere Gesetze in diesen Ländern - mit der Konsequenz, dass die Textilindustrie eben weiterzieht. In Staaten, wo die Gewinnspanne für H&M, Levi's, Kik, Calvin Klein, Guess, Tommy Hilfiger und viele weitere Modemarken vielleicht noch vergrößert werden kann, weil die Menschen dort noch weniger Lohn erhalten und noch weniger Rechte haben.

Aktuelles Ziel: Äthiopien. Das autoritär regierte Land zählt zu den ärmsten Staaten der Welt: Ein großer Teil der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze, 2015 sind schätzungsweise 28,8 % Prozent der Bevölkerung unterernährt, trotz eines rasanten Wachstums der Wirtschaft: Im Jahr 2017 lag das Land mit einer Wirtschaftswachstumsrate von 8,3 % weltweit auf Platz 1.

Die Löhne, die im neuen Textilindustrie-Zentrum der Welt gezahlt werden, heben sie jedoch nicht aus der Armut: Die Näherinnen und Näher verdienen 25 Dollar pro Monat.
Und diejenigen, die ausnutzen, haben bereits Erfahrung: Es sind vor allem Unternehmen aus China, Indien oder der Türkei, die sich hier nun niederlassen, um gesetzliche Auflagen in ihrem eigenen Land zu umgehen, um noch günstiger produzieren zu können oder auch steuerliche Vorteile zu genießen. Denn die ersten fünf Jahre müssen produzierende Unternehmen in Äthiopien keine Einkommensteuer zahlen, um so zahlreiche internationale Investoren ins Land zu locken und die Wirtschaft weiter anzukurbeln.

Davon profitiert die Bevölkerung jedoch nur eingeschränkt. Abgesehen davon, dass ohnehin nicht sicher ist, wie die bisher halbwegs stabile politische Lage in den nächsten Jahren aussehen wird. Schließlich wird das Land, das von 105 Millionen Menschen bewohnt wird und unterschiedliche Ethnien umfasst, aktuell von einer 6-prozentigen Minderheit regiert. Dann wird die Billigmode-Industrie wohl wieder einfach weiterziehen. Aber welches Land macht es noch günstiger?

Textilindustrie in China

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