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"Wir fühlen uns auch heute noch zu dick!“

Essgestört: Isabelle aß fast nichts mehr, Heidy hingegen Unmengen an Lebens- und Abführmitteln. Doch das ist vorbei. Die beiden Freundinnen stehen heute gemeinsam auf der Bühne und spielen die Sucht nur mehr.

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Magersucht
© Thinkstock

Gebeutelte Körper, schmerzverzerrte Gesichter, verzweifelte Schreie... Und dann sitzt Isabelle auf einem Sessel, starrt ins Leere und sagt: das Essen bestimmt meinen Tagesabauf.“ Heidy liegt am Boden, schweißgebadet, wütend und brüllt: „Ich finde es zum Kotzen!“ Was die beiden Münchnerinnen in ihrem selbstgeschriebenen Theaterstück „Food Diaries“ auf der Bühne zeigen, haben sie bis vor Kurzem noch selbst erlebt. Erst durch die Therapie in einer speziellen Wohngemeinschaft fanden die Schauspielerinnen aus ihrer langjährigen Essstörung. Isabelle Koob, 25, schaffte es, die Magersucht hinter sich zu lassen und wieder 57 Kilo statt 43 auf die Waage zu bringen. Heidy de Blum, 29, besiegte ihre Fressattacken, die sie durch Abführmittel und Sport wettzumachen versuchte.

Wie schwer es ist, dem Gewirr aus Verzweiflung, Einsamkeit und Kontrolle zu entkommen, versuchen die beiden nun Interessierten näherzubringen. Und touren seit Mai durch Deutschlands Schulen und Universitäten. Heidy hat mehr vor: „Wir wollen die Augen öffnen, Hoffnung geben und die Realität zeigen. Und das am besten überall, gerne auch in Österreich.“ Isabelle ist es wichtig, dass das Theaterstück berührt und „zum Nachdenken anregt. Das Publikum soll verstehen, wie es dazu kommen konnte, was mich bewegt hat und was ich gefühlt habe. Denn im Endeffekt geht es immer um das gleiche Problem: Dass man sich nicht wertgeschätzt, leer und einsam fühlt.“ Mit WOMAN sprachen die Freundinnen über die Jahre des Kalorienzählens, die therapeutische Wirkung des Theaterstücks und ihre Verwunderung darüber, wie sehr sich das Leben zum Guten geändert hat.

WOMAN: Sie zeigen auf der Bühne Ihre eigene Vergangenheit, kotzen, würgen, schnüren sich ein, essen nicht oder stopfen sich voll. Hat all das auch heilende Wirkung auf Sie?
Isabelle: Für mich ist es ein Teil, um mit der Krankheit abzuschließen. Jedes Mal, wenn ich mich in die Situationen hineinversetze, weiß ich, wohin ich nie zurück will. Und ich möchte Vorbild sein, anderen Hoffnung machen, dass man die Sucht besiegen kann.

Das komplette Interview findest du in der aktuellen WOMAN-Ausgabe 24/2013.