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Tod auf dem Mount Everest: "Sie starb in meinen Armen"

"Ich warte auf dich, bis du vom Gipfel zurückkommst" sagte Maria Strydom zu ihrem Mann Robert Gropel. Wenig später starb sie auf dem Mount Everest.

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Tod auf dem Mount Everest: "Sie starb in meinen Armen"

Sechs Jahre waren sie verheiratet. Ein schönes Paar, sie Universitätsdozentin, er Tierarzt in Melbourne, klug, glücklich, sportlich. Bergsteigen, das war die große, die verbindende Leidenschaft von Robert Gropel und seiner Ehefrau Maria Strydom.

Eine Leidenschaft, die ihnen zum Verhängnis wurde. Jetzt ist Maria, 34, tot. Und ihr Mann sitzt in einem Hotelzimmer in Kathmandu, Nepal. Immer wieder verbirgt er sein Gesicht in seinen Händen, verzweifelt, unter Schock. "Ich mache mich für ihren Tod verantwortlich, ich finde keinen Schlaf mehr," so Gropel zum TV-Sender Seven Network.

Robert Gropel in seinem Hotel in Kathmandu: "Alles hat an Bedeutung verloren."

Gemeinsam waren die beiden Hobby-Sportler aus Australien Mitte April nach Nepal aufgebrochen. Ihr Ziel: Die Besteigung des Mount Everest, mit 8850 Metern der höchste Berg der Welt, das Sehnsuchtsziel jedes Bergsteigers. Für Maria bedeutete der Gipfelsieg noch mehr. Sie war Veganerin, wollte – wie ihre Mutter in einem Interview erzählte – beweisen, dass sie auch mit dieser Ernährungsweise zu denselben, ja, sogar noch größeren Spitzenleistungen fähig ist wie andere Alpinisten.

»Ich mache mich für ihren Tod verantwortlich«

Am 20. Mai näherte sich das Ehepaar nach zahlreichen Strapazen dem Gipfel. "Maria war erschöpft, wollte die letzte Strecke nicht mehr aufsteigen" so Gropel. "Ich fragte sie, ob sie etwas dagegen hätte, wenn ich die Meter bis zum Gipfel alleine zurücklege. Sie meinte: 'Geh nur. Ich werde hier auf dich warten.'" Der Gipfel sah aus dieser Position nicht mehr weit entfernt aus. "15 Minuten, maximal" schätzt Gropel. Er machte sich an den Aufstieg. "Als ich oben war, hatte der Gipfelsieg plötzlich keine Bedeutung mehr für mich. Maria war nicht bei mir, ohne sie war das alles wertlos."

Maria Strydom: Ihr Körper wird nun vom Berg gebracht

Als er zu seiner Frau zurückkehrte, hatte diese Koordinationsprobleme, klagte über starke Kopfschmerzen und Schwindelgefühle – Symptome der Höhenkrankheit.

Sie entsteht, wenn der Sauerstoffpartialdruck der Luft rapide abnimmt, und der Körper nicht genug Zeit hat, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen. In einer Höhe von 3.000 Metern enthält die Atmosphäre nur noch die Hälfte der Sauerstoffmenge wie auf Meeresniveau, in 5.000 Metern ist es gar nur noch ein Drittel. Die geringe Sauerstoffversorgung und der verminderte Druck in den Lungenbläschen haben zur Folge, dass sich vermehrt Wasser aus den Blutgefäßen in das umgebende Gewebe einlagert. Dies kann besonders Lunge und Gehirn schwer wiegende Probleme bereiten - es entwickelt sich ein Hirnödem oder auch ein Lungenödem.

Maria Strydom wurde von den Sherpas mit Medikamenten und Sauerstoff versorgt, kurzfristig ging es ihr besser. Doch auf dem Weg abwärts brach sie plötzlich zusammen und konnte nicht mehr wiederbelebt werden. Ihr Mann Robert: "Ich bin ihr Mann, es ist meine Aufgabe, sie zu beschützen und sicher wieder nach Hause zu bringen. Ich habe versagt. Sie starb in meinen Armen, ich konnte nichts mehr tun."

Strydoms Körper wurde von den Sherpas ins Basislager Zwei gebracht und von dort mit einem Rettungshubschrauber in Nepals Hauptstadt Kathmandu gebracht. Gropel weiß nicht, wie sein Leben ohne seine Frau weitergehen soll: "Ich kann im Moment kein Bild von ihr ansehen, es zerreißt mein Herz. Wir waren die glücklichsten Menschen der Welt – aber unsere Sehnsucht nach noch mehr Glück hat uns zerstört."

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