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Marie Kreutzer: Ein T-Shirt als politisches Statement

Die Regisseurin hat sich ein T-Shirt drucken lassen, von dem inzwischen mehr als 1.000 Stück im Umlauf sind. Anzutreffen auch heute in Wien, wenn es heißt: Es ist wieder Donnerstag.

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Marie Kreutzer: Ein T-Shirt als politisches Statement
© Elsa Okazaki

Politische Mode ist wieder im Trend. Auch in Österreich. In diesem Fall kommt das modische Statement aber nicht von begnadeten Designerinnen, sondern von Regisseurin Marie Kreutzer. Im Juli teilte sie auf Instagram ein Bild mit ihrem regierungskritischen Kleidungsstück und erhielt sehr viel Zuspruch dafür. Wie es dazu kam? „Ich habe mir den Schriftzug ganz impulsiv auf ein T-Shirt drucken lassen, weil ich so zornig und verzweifelt war über den politischen Stil unserer aktuellen Bundesregierung. Ich wurde sofort angesprochen und vielfach angeschrieben, wo das Shirt zu erhalten sei“, erzählt die 41-jährige Filmemacherin.

Über 1000 Shirts im Umlauf

Das war vor drei Monaten - inzwischen ist das T-Shirt zum Selbstläufer geworden. Als ihr das Bestellen und Weitervertreiben der Shirts zu viel wurde, verschickte sie kurzerhand die Druckdaten an Interessierte. Mit der Hilfe von einigen Bekannten ist das begehrte Leibchen auch in einigen Wiener Shops erhältlich, etwa im „Samstag Shop“ in der Margaretenstraße, im „Pregenzer“ in der Schleifmühlgasse oder im „Wall-Shop“ in der Westbahnstraße. Und: Auf ihrem Instagram-Account hat Kreutzer gestern bekannt gegeben, dass die T-Shirts in Kürze auch über einen Online-Shop erhältlich sein werden, also: "stay tuned!"

Laut Kreutzer sind mittlerweile über 1000 Stück im Umlauf und das Interesse reißt nicht ab. Auch einige bekannte Schauspielerinnen, wie etwa Michou Friesz oder Patricia Aulitzky unterstützen das Projekt, und sogar bei der Vienna Fashion Week war das "Designerinnen-Stück" gut vertreten.

Doch was will die Regisseurin mit ihrer Initiative erreichen? „Anfangs wollte ich mich nur mitteilen. Inzwischen sehe ich in diesem ganz emotionalen und durchaus provokanten Statement vor allem etwas Verbindendes: Es stärkt das Wir-Gefühl, es stellt Kontakt und Verbindung her mit Gleichgesinnten, aber auch mit Andersdenkenden, die stehenbleiben und reden wollen, wenn sie mein T-Shirt sehen. Es bringt Bewegung und reißt aus der Starre des Sich-Beklagens und der Angst, was diese Regierung aus unserem Land wohl noch machen wird. Es ist eine Sichtbarmachung des Nicht-Einverstandenseins. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ So bietet sich das T-Shirt nicht zuletzt als Outfit für die Neuauflage der Donnerstagsdemos an, die übrigens auch heute, am 25. Oktober wieder ansteht. Passenderweise gibt es um 18 Uhr am Urban-Loritz-Platz eine Kundgebung unter dem Motto "Feministischer Protest".

Prominente Unterstützung

Marie Kreutzer ist nicht die einzige Künstlerin, die sich öffentlich gegen Politik der türkis-blauen Regierung positioniert. Im Sommer sorgte bereits ein „Süddeutsche“-Interview von Wolfgang Ambros, in dem er erklärte: „Ich bin mir sicher, dass es viele braune Haufen in der FPÖ gibt“, für Schlagzeilen und Solidaritätsbekundungen. Auch Kollegen wie Rainhard Fendrich, Jazz Gitti oder Hubert von Goisern äußerten sich im „News“-Magazin regierungskritisch. Und die Donnerstagsdemos erhielten ebenfalls mit Schauspielerin Erni Mangold, Autorin Stefanie Sargnagel oder Sängerin Clara Luzia prominente Unterstützung. "Was in unserem Land geschieht, geht uns alle an, jede Trafikantin, jeden Lehrer, jede Künstlerin, jeden Vater, jede Mutter. Ich bin selbstständig und zahle hohe Einkommenssteuern, mit denen ich im Moment Ausgaben mittragen muss, die ich für absolut falsch halte“, argumentiert Kreutzer.


Und sie ruft alle, die mit diesem Vorgehen nicht einverstanden sind, dazu auf, politisch aktiv zu werden: „ Das kann ein Gespräch mit Andersdenkenden sein, das kann eine Demo sein, das kann ein T-Shirt sein. Das kann auch viel Größeres sein. Aber ich bin überzeugt, dass wir nicht schweigen dürfen.“