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Was kostet deine Welt? Eine Marketing-Assistentin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eigentlich eine Studentin, die nebenbei als Marketing-Assistentin arbeitet? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer neuen Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Marketing-Assistentin über ihren Kontostand
© Privat

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir in unserer neuen Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im dritten Teil haben wir eine Marketing-Assistentin, die bereits nach der Matura Vollzeit gearbeitet hat, nun aber ein Studium angefangen hat, zum Interview gebeten.

Cornelia ist 27 Jahre alt und hat die HLW in St. Pölten absolviert. Nach der Matura arbeitete sie fünfeinhalb Jahre Vollzeit als Sachbearbeiterin bei einem Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Der Job war allerdings nicht der richtige für sie. Im vergangenen Jahr erfolgte die Neuorientierung und nach Kursen in Grafikdesign und Online Marketing hat die gebürtige Niederösterreicherin, die gemeinsam mit ihrem Lebenspartner in Wien lebt, den Bereich Kommunikation für sich entdeckt. Sie begann ein Studium an der FH Wien für Kommunikationswirtschaft und arbeitet 15 Stunden als Marketing-Assistentin für eine Personalberatungsfirma.

Wie viel verdienst du monatlich - brutto bzw. netto?
Cornelia: Ich verdiene im Monat 714 Euro brutto, davon bleiben netto 606 Euro übrig. Zusätzlich bekomme ich ein Selbsterhalterstipendium in Höhe von 841 Euro monatlich. Das ergibt ein monatliches Netto-Einkommen von 1.447 Euro. (Anm.: Ein "Selbsterhalterstipendium" erhält man in Österreich, wenn man vor Studienbeginn mindestens vier Jahre mit einem Einkommen von mindestens 8.580 Euro jährlich gearbeitet, also "sich selbst erhalten", hat.)

Wie hoch sind deine Fixkosten?
Cornelia: Die Fixkosten belaufen sich auf ca. 1.000 bis 1.100 Euro. Ich wohne mit meinem Freund zusammen, wir machen bei allen Ausgaben halbe-halbe. Also darunter fallen Miete (ca. 980 für beide zusammen), Versicherung, Auto (220 Euro für beide) und Lebensmittel (400 Euro für beide). Wir besitzen auch zwei Katzen, die kosten uns rund 100 Euro im Monat. Dazu kommen noch "meine" Ausgaben für Handy, Internet, Öffis, Kleidung und das Fitnessstudio.

Hast du eine private Pensionsvorsorge?
Cornelia: Nein. Ich habe darüber bisher noch gar nicht nachgedacht.

Sparst du Geld? Wenn ja - wie viel und wie legst du es an?
Cornelia: Ich spare schon, aber nicht regelmäßig. Ich besitze ein Sparkonto und wenn mal eine größere Summe übrig bleibt, überweise ich das.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Cornelia: Das ist sehr unterschiedlich. Aber so 100 bis 200 Euro auf jeden Fall.


Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Cornelia: Ja, zusammen mit dem Selbsterhalterstipendium schon.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Cornelia: Nein. Es interessiert mich auch nicht so sehr. In meiner früheren Firma hätte ich es gerne gewusst, da war es ein riesiges Tabuthema. Damals habe ich 2.500 Euro brutto verdient, davon blieben 1.748 netto übrig.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Cornelia: Ich gehe unheimlich gerne auf Reisen. 2017 war ich mehrere Wochen in Indonesien. Marokko und Thailand sind die nächsten Reiseziele. Aber auch Kurztrips machen mir Spaß. Ich mag die Mischung aus Entspannung und Abenteuer.

Für Reisen hätte Cornelia gerne mehr Budget.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Cornelia: Fürs Reisen, meine Katzen und Essen gehen.

Redest du mit deinem Freundeskreis übers Geld?
Cornelia: Ja, manchmal taucht das Thema auf, dann rede ich auf offen darüber. Aber ich weiß jetzt nicht, wie viel jeder verdient. Es gibt im Freundeskreis dann doch eher andere Themen, über die wir uns austauschen.

Was ist dein größter Luxus?
Cornelia: Auch mal auswärts Essen oder was Trinken zu gehen. Das ist eigentlich nicht selbstverständlich. Und das Auto - wir haben uns vor kurzem einen gebrauchten Ford Focus zugelegt. Die langen Reisen zählen natürlich auch dazu.

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Cornelia: Ja, meine Eltern haben mir das schon früh beigebracht.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst oft auf was verzichten?
Cornelia: Verzichten muss ich nicht, eigentlich kann ich mir alles leisten, was ich möchte. Klar, eine Reise im Privatjet ist nicht drinnen, aber ich bin zufrieden. Das ist alles im normalen Bereich. Jeder muss sich seine Finanzen gut einteilen.

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?
Ich arbeite aufgrund meines Studiums ja schon weniger. Und wenn ich dann mit der FH fertig bin, möchte ich natürlich mehr arbeiten. Aber es müssen nicht 40 Stunden sein. Solange es sich finanziell ausgeht, können es auch nur 30 sein. Freizeit ist mir schon wichtig.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Cornelia: Es ist natürlich ein großer Bereich und wenn es in der Arbeit schlecht läuft, kann das sehr unglücklich machen. Mir ist es wichtig, dass ich etwas mache, was mir Spaß macht, also eine Arbeit, die mich erfüllt. Das war bei meinem letzten Job leider nicht so, deshalb wollte ich mich auch neu orientieren. Aber das Privatleben sollte keinesfalls zu kurz kommen. Also eine gesunde Work-Life-Balance sollte vorhanden sein.

Was kostet deine Welt? Alle Teile der Serie

Hier findest du alle bisher erschienen Teile der Serie .

Kommentare

ABGBkant

Habe jetzt die erschienenen Teile gelesen und muss anmerken, dass ihr an der Wirklichkeit vorbei berichtet. Der Großteil aller arbeitenden Frauen lebt nicht annähernd so! Berichtet doch mal über Handelsangestellte oder Frauen ohne Studium und Matura! Das sind leider immer noch die Meisten. Hier wird auf hohem Niveau gejammert und verglichen!
Übrigens...Zigaretten sind kein Luxus sondern Blödheit!

Autor

Wir sind bemüht ganz unterscheidliche Frauen und Berufe vorzustellen. Bisher sind eben diese drei Frauen portraitiert worden, weil die bereit waren uns ein Interview zu geben. Jede Lebensrealität ist anders - insofern würde ich nicht sagen, dass wir an der "Wirklichkeit" vorbei berichten, sondern sie hat einfach viele Seiten. Also, bitte gerne selbst mitmachen, einfach an online@woman.at mailen.