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Von Null auf die Höchsten Gipfel der Alpen: Marlies Czernys Buch ist erschienen!

Vor gut 10 Jahren war sie zum ersten mal wandern. Heute hat sie als einzige Österreicherin alle 82 4.000er der Alpen bestiegen und ein Buch darüber geschrieben. Damit kommt man nicht nur teuflischen Graten und wunderschönen Gipfeln näher, sondern kann sich auch eine ordentliche Portion Mut, Entschlossenheit und Lebensfreude anlesen! Absolute Empfehlung der Redaktion - und zwar nicht nur für BergfreundInnen.

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Von Null auf die Höchsten Gipfel der Alpen: Marlies Czernys Buch ist erschienen!
© hochzwei.media

Es ist wirklich ein großes Glück, dass Marlies Czerny eigentlich gelernte Journalistin ist. Wäre sie das nicht, hätte sie ihren sicheren Job - in dem Fall halt nicht jenen in der Redaktion einer großen österreichischen Tageszeitung - ziemlich sicher trotzdem an den Nagel gehängt. Warum? Um sich fortan ihrer liebsten Beschäftigung, dem Erleben von Abenteuern in abgeschiedenen Gegenden auf wilden Bergen, zu widmen. Aber dann hätten wir wahrscheinlich niemals die Möglichkeit bekommen, lesend auf ihre Bergtouren mitgenommen zu werden. Denn Marlies Czerny, die erste Österreicherin, die auf allen 82 Viertausender der Alpen gestanden ist, hat nun ein Buch darüber geschrieben: "4000erLEBEN - von Null auf die höchsten Gipfel der Alpen" heißt es.

Aber von vorne: Wer ist Marlies Czerny, warum war sie auf allen Viertausendern der Alpen und warum von "Null" weg? Müssen nicht alle unten im Tal los gehen? Nun ja, Marlies Czerny war bis vor ca. 10 Jahren alles andere als eine Bergsportlerin. Ihr Herz schlug zwar für den Sport - sie berichtete über Fußballmatches, reiste mit dem Skiweltcup durch die Weltgeschichte, begleitete und interviewte ExtremsportlerInnen auf deren Unternehmungen oder war live dabei in Klagenfurt beim Beachvollyball Grand Slam. Aber dass sie selbst eines Tages zur Alpinistin werden würde, ahnte sie damals noch nicht.

Im "Zwangsurlaub" auf den ersten Hügel

Als sie - die man, bevor sie sich in die Berge verliebte, wohl getrost als "Workaholic" bezeichnen konnte - massiv viele Überstunden angehäuft hatte, schickte sie ihr Chef in "Zwangsurlaub". Überfordert mit der vielen Freizeit ging sie zum ersten Mal wandern - 400 Höhenmeter auf eine nahegelegene Hütte. Dabei musste sie nach jeder Kurve innehalten und schnaufen - bergauf, das war sie (noch) nicht gewohnt. „In meiner Jugend hatte ich mit Bergen echt gar nichts am Hut. Meine Eltern hatten ein Gasthaus, da hab ich am Sonntag Bier gezapft und Backhendl serviert. Zeit für Ausflüge hatten wir nicht, einmal im Jahr ist es zur Tante nach Caorle gegangen zum Strandurlaub“, erzählt Marlies Czerny beim WOMAN.at-Interview im Herbst 2018 - in dem ihr übrigens Marlies Weg auf die 4.000er auch ausführlich nachlesen könnt.

Jeder hat seine eigenen "4.000er" - für Marlies sind es die Berge.

Das kann man sich kaum mehr vorstellen, wenn man die 270 Seiten ihre Buches gelesen hat - und quasi mit Marlies gemeinsam die wildesten Grate, die schönsten Linien und die abgelegensten Routen in den Westalpen erklommen hat. Denn das hat sie inzwischen und nimmt ihre LeserInnen auf eine sehr spannende, unterhaltsame und vor allem lebensnahe Art und Weise mit. Hier geht es nicht um komplexe Routenbeschreibungen oder ein trockenes Abspulen der eigenen Erfolge - bei der Lektüre ihres Buches, wächst man mit Marlies an ihren Herausforderungen. Vom ersten 4.000er bis zum letzten wird nicht nur bei Marlies, sondern auch bei den LeserInnen der Erfahrungsschatz bzw. das Wissen größer - und das fängt schon bei den Begriffen an. Was ist ein Couloir? Und was die gefährlichen Séracs? Welches Material nimmt man auf einen 4.000er mit und wo geht man eigentlich aufs Klo, wenn man tagelang fernab der Zivilisation unterwegs ist? Viele wichtige Fragen, die ganz nebenbei beantwortet werden.

Interessant auch für weniger "Bewanderte"

Die beeindruckenden und schönen Gipfel im Berner Oberland oder im Wallis, die berühmten Grate im Mont Blanc Massiv oder auch der fadeste 4.000er, wo man am Weg mehr Menschen in Flip Flops als mit Bergschuhen trifft - all die Namen und Orte werden auch den LeserInnen von Seite zu Seite zu geläufiger, man bekommt eine Ahnung von der Geografie. Das ist nicht zuletzt den netten Illustrationen an jedem Kapitelanfang zu verdanken, die von Marlies' Partner Andi stammen. Aber auch vom Leben bzw. Übernachten auf Hütten, in Biwakschachteln oder einfach nur mit mobilen Sicherungsgeräten am Grat gesichert erfährt man so einiges. (Da bekommt man übrigens ganz neben auch eine Ahnung davon, was der Mensch eigentlich alles aushält...) Man erfährt, welcher Berg Marlies vor lauter Schönheit den Atem raubt und für welchen 4.000er sie gar drei Anläufe gebraucht hat, um endlich oben zu stehen.

Man erfährt aber auch, wie sich Marlies Leben und vor allem ihre Prioritäten verändern: War sie früher noch getrieben von der Arbeit und durchaus beim Shopping oder in der Disko anzutreffen, wurde all das plötzlich immer unwichtiger - und die Berge immer wichtiger. So ist eine der bezeichnendsten Geschichten jene, wie sie Extremsportler Wolfgang Fasching bei seinem "Seven Summits Projekt" (die höchsten Gipfel der sieben Alpenländer am Stück) als bergsteigende Reporterin begleitet hat. Weil sie Wolfgangs Route durch Zermatt führt und Marlies hier eigentlich selbst etwas zu erledigen hat (nämlich das Matterhorn erkunden) steigt sie kurzerhand vorzeitig aus und trifft sich hier mit einem Seilpartner, um dem eigenen Ziel nachzugehen.

G'schicht aus der Matterhorn-Nordwand

Auf dieser Tour übernachten sie und ihr Seilpartner Christian in einer Felsnische, im Biwaksack sitzend mit dem Klettergurt übers Seil gesichert, ausgesetzt unter der Nordwand. Da bittet Marlies Christian sie bitte für "zwei Stunden zu entschuldigen" - sie muss ja noch die Reportage über Wolfgang Faschings "Seven Summits" schreiben! Und wer sagt, dass man das nicht auf einem Blackberry quasi in der Matterhorn-Nordwand machen kann? Glücklicherweise hat sie neben ihren Notizen auf ein paar Zetteln auch noch Internet-Empfang und kann die fertige Geschichte vor Redaktionsschluss ins Büro schicken. Auch wenn ihr Chef erst viel später erfahren sollte, wo und unter welchen Umständen diese Zeilen getippt wurden.

Hier mit Partner Andi Lattner: An solchen Orten jausnet Marlies aber nicht nur...

Als er es dann erfuhr, sagte er, dass das doch die "eigentliche G'schicht" gewesen sei! Und hatte natürlich völlig recht damit. Aber zum Glück wurde diese "G'schicht" ja auch noch nieder geschrieben - als Teil der ganzen genialen Geschichten von Marlies Czerny's Weg von "Null auf die höchsten Gipfel der Alpen". Und diese Geschichte wiederum wäre hier nicht "vollständig angeschnitten", würde nicht erwähnt, dass im Buch auch noch eine Liebesgeschichte erzählt wird! Eine schöne obendrein.

Liebes- und Lebensgeschichte

Denn Marlies' Weg führte sie nicht nur an den Punkt, wo sie ihren "Brotjob" als Journalistin tatsächlich gekündigt hat, um sich ganzheitlich den Bergen zu widmen - vorher führte sie ihr Weg in die Berge auch noch zu vielen spannenden Begegnungen, zu vielen neuen Freundschaften und eben auch zur Liebe ihres Lebens - Andi Lattner. Den sie zwar am Anfang des Buches wie so manch andere am Prielschutzhaus kennen gelernt hat und erwähnt - bis zum ersten gemeinsam 4.000er, dem ersten Kuss und inzwischen einem gemeinsamen Leben, sollten auch noch ein paar Jahre bzw. Seiten vergehen.

Dass die beiden heute zusammen ihrer gemeinsamen Leidenschaft in Wort, Bild und Ton nachgehen und auch noch ein Publikum daran teilhaben lassen, hätten sie sich bei ihrer ersten Begegnung wohl auch nicht gedacht. Aber auch das lehrt Marlies Buch sowohl Bergbegeisterte wie Unsportliche: Es ist nie zu spät, sich an die Verwirklichung seiner Träume zu machen. Egal, wovon man träumt. Und: Dass man ihnen mit Mut nachgehen muss, wenn man nicht unglücklich in seinem Leben feststecken möchte. (Und dass Marlies in Sachen "Mut" und "Träume verwirklichen" als Expertin durchgehen kann, daran zweifelt man schon nach den ersten beiden Kapiteln, nein, im Grunde schon nach dem Vorwort von Gerlinde Kaltenbrunner nicht mehr.)

Mut kann man nicht kaufen - aber viel von Marlies lernen.

Selbständige Abenteurerin: www.hochzwei.media

Und so kam es, dass inzwischen sowohl Marlies als auch Andi, ihre "Brot-Jobs" gekündigt haben und gemeinsam als hochzwei.media von ihren Bergabenteuern berichten: Auf ihrem Blog, wo Marlies die Texte schreibt und Andi wunderschöne Fotos dazu liefert, auf ihren Vorträgen, auf denen sie wort- und bildgewaltig von ihren Abenteuern erzählen, auf Facebook und Instagram (wo sich all ihre FollowerInnen, die nach wie vor täglich ins Büro gehen müssen, ob der täglichen schönen Bilder und Berichte freuen und manchmal auch ein klein wenig neidisch sein dürfen...) und nun eben auch in Buchform zum Nachlesen. Ob sie davon leben können? Das wissen sie (noch) nicht - aber "es macht uns glücklicher, als tagein und tagaus ins selbe Büro zu gehen."

Schöner als in jedem Büro!

Kein Buch nur für Berg-Wahnsinnige

Dabei ist das Buch wie gesagt keineswegs nur für bergaffine Menschen interessant. Denn dass Marlies Czerny eben nicht nur Alpinistin mit einer Vorliebe für einsame Grate zwischen den wildesten Felszacken ist, sondern gelernte Journalistin, die es beherrscht informativ, ergreifend, unterhaltsam und verständlich zugleich zu schreiben, macht ihr Buch für alle lesbar und ungemein spannend. Und für alle, die selbst gerne einmal einen 4.000er besteigen oder jedenfalls die eigenen Bergabenteuer vorantreiben wollen, kann es getrost als Pflichtlektüre bezeichnet werden - denn neben Marlies persönlichen Erzählungen, bei denen man viel über die Berge erfahren kann, enhält es am Schluss auch noch ein Kapitel mit praktischen Tipps. Erschienen ist es im April im Bergwelten Verlag.

Erschienen im Bergwelten Verlag, erhältlich u.a. bei Amazon um 22 Euro.

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