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Martina Ebm aus den "Vorstadtweibern": Verführen ist ein schönes Spiel

In "Vier Stern Stunden", dem neuen Stück von Daniel Glattauer, umgarnt Martina Ebm einen älteren Herren. Privat zieht die Caro aus den "Vorstadtweibern" ihre Zwillingsbuben vor. Und sie macht sich stark für Frauen, die wegen jüngerer Lover angefeindet werden.

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Martina Ebm
© WOMAN/ Lukas Gansterer

Die Proben zu Daniel Glattauers lang erwarteten "Vier Stern Stunden" waren in der Endphase, Martina Ebm, 36, sieht ein bisschen erschöpft aus, als sie zum Interview mit WOMAN erscheint. Sie setzt sich auf einen unbequem aussehenden Sessel und streckt die Schultern. Die Ex-Judo-Juniorenmeisterin ist der Typ Schauspielerin, der bei Proben keine halben Sachen macht. Sie schwärmt von der tollen Atmosphäre unter Regisseur Michael Kreihsl, der "auf kleine Wichtigkeiten achtet, wie ich es sonst nicht erlebt habe".

In dem Vierpersonenstück spielt Ebm die junge Freundin eines alternden Schriftstellers. Ob Autor Daniel Glattauer, dessen Lesungen von seinen weiblichen Fans gestürmt werden, sich vielleicht selbst gemeint hat? "Dazu kann ich nichts sagen", lacht die zarte Aktrice, "weil ich den Herrn Glattauer bis jetzt nur ein Mal getroffen habe. Ich weiß nicht, woher er die Inspiration zu seinen Stücken nimmt."

In "Vier Stern Stunden" scheitert die Beziehung älterer Mann/junge Frau letztlich. Dieses Klischee kennt Ebm von den "Vorstadtweibern", wo sie ihren grau melierten Ehemann (gespielt von Bernhard Schir) um den Finger wickelt, betrügt und verlässt. Sind ältere Männer für sie persönlich anziehend? "Nein, eher nicht, aber ich verstehe es, wenn Frauen erfahrene Persönlichkeiten anziehend finden, die schon etwas geleistet haben." Gleichzeitig ärgert es sie, dass das Gegenmodell ältere Frau/jüngerer Mann noch immer angefeindet wird. "Man kann über Heidi Klum denken, was man will, aber die nimmt sich reihenweise jüngere Lover. Dafür wird sie in den sozialen Medien angegriffen. Dem Vater ihrer Tochter Leni, Flavio Briatore, um Jahrzehnte älter, ist das nicht passiert."

Ob sie selber gern verführe, wie Lisa im Stück? "Es ist ein schönes Spiel, bei dem es um Lassen und Einlassen geht, darum, wie weit Menschen aufeinander zugehen. Es gibt nichts Schöneres, als verführt zu werden, und das muss nicht immer sexuell sein. Mich verführen Menschen, die mich auf andere Gedanken bringen, mir neue Perspektiven eröffnen, mich zum Nachdenken bringen. Auch ein Flirt kann wunderbar sein, manchmal will man wissen, wie man wahrgenommen wird."

Sex in der Serie: Martina Ebm und Nina Proll buhlen in den "Vorstadtweibern" um Murathan Muslu. Fünf Folgen der vierten Staffel sind abgedreht.

ZWILLINGE. Martina Ebm ist seit eineinhalb Jahren Mutter von Zwillingsbuben und nimmt sich als solche sehr wahr. "Ich bin erfüllt von einer Liebe zu den Kindern, von der ich vorher nicht ahnen konnte, dass es sie gibt. Ich empfinde eine bedingungslose, starke Liebe, auch wenn ich nach manchen schlaflosen Nächten oft ausgepowert bin. Natürlich habe ich jetzt weniger Zeit für mich selber, aber ich bin trotzdem erfüllter, weil ich sehr produktiv erledige, was zu tun ist. Ich frage mich, was ich früher mit meiner vielen Zeit angefangen habe."

Trotz vieler Vorstellungen und Dreharbeiten: Martina Ebm liest ihren kleinen Zwillingssöhnen jeden Abend etwas vor. Über starke Mädchen wie Nobelpreisträgerin Malala, die viel Mut haben.

Ebms Partner, Kultregisseur Umut Dağ, ist der Sohn von kurdischen Immigranten. Er spricht in seiner Muttersprache mit den Kindern, sie selbst lernt Türkisch über eine App. Kulturelle Probleme gibt es nicht. "Es gibt keine Diskrepanzen. Für Umuts Familie bin ich die Frau, die ihr Sohn liebt." Zusammengearbeitet hat das Paar noch nicht, obwohl es seit über sieben Jahren zusammen ist. Achselzucken. Vielleicht werde sich einmal etwas ergeben. Die Schauspielerin legte immer Wert darauf, ihren eigenen Weg zu gehen. Und dass sie niemals als die Freundin des Regisseurs gelte, da habe sie ihren eigenen Stolz. "Jetzt wäre eine Zusammenarbeit ohnehin unmöglich, wer bleibt dann bei den Kindern?"

Seit über einem Jahr glückliche Eltern: Martina Ebm und Umut Dağ.

WENIGER ZUKUNFTSÄNGSTE. Im Sommer wurden fünf Folgen der vierten "Vorstadtweiber"-Staffel gedreht. Kann man sagen, es gibt ein Leben vor und nach den "Vorstadtweibern"? "Ja sicher, vorher kannte mich nur ein spezielles Theaterpublikum, jetzt gibt es Menschen, die glauben, dass ich schon geschminkt aufstehe und wahnsinnig sexbesessen bin, wie meine Serienfigur." Wie sich diese weiterentwickelt, darüber darf sie nicht sprechen. Aber Ebm hat sich gefreut, die Truppe wiederzusehen, nicht nur die Kolleginnen und Kollegen, auch die gesamte Crew von der Beleuchtung bis hin zur Tontechnik. "Man kennt sich gut, aber man darf sich nicht leichtfertig darauf verlassen, dass es ohnehin gut läuft. Das ist alles mit viel Arbeit verbunden", meint die immer mit vollem Einsatz spielende Ebm, die zugibt, seit der Serie weniger Zukunftsängste zu haben.

In "Vier Stern Stunden" verlässt die junge Frau den älteren Künstler. Martina Ebm kennt das Gefühl des Verlassenwerdens. "Es war ganz schlimm", erinnert sie sich lächelnd. "Ich schrieb damals in mein Tagebuch, dass ich keinen Menschen mehr in meinem Leben lieben werde. In der Teenagerzeit ist es besonders schwer. Man glaubt, man stirbt, später lernt man damit umzugehen. Man glaubt, das Leben ist zu Ende, wenn man verlassen wird. Erst später lernt man, damit umzugehen. Es ist wichtig, sich darin zu trainieren, den richtigen Dingen ihren Lauf zu lassen."

Thema: Society