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"Liebe siegt": Mit einem Schlager gegen Gewalt an Frauen

Die Wiener Künstlerin Mascha (26) hat einen erstklassigen Schlager produziert - nur, dass es dabei um ein sehr ernstes und wichtiges Thema geht: Gewalt gegen Frauen. Und das wird in dem provokanten Video mit ungeschönter Brutalität thematisiert.

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"Liebe siegt": Mit einem Schlager gegen Gewalt an Frauen
© Mascha Peleshko

Bergkulisse, Dirndlkleid, blonde Haare und ein breites Lächeln: Das neue Video von Mascha verfügt über alles, was ein guter Schlager braucht. Vom Alpenidyll bis hin zur eingängigen Melodie, schunkelbaren Beats und einem einfachen Text über die Liebe. Oder besser: Dem vermeintlich einfachen Text, denn Maschas Lied "Liebe siegt", wirkt nur im ersten Moment wie klassischer Schlager-Content.

Spätestens wenn der Refrain zum zweiten Mal erklingt, hat sich etwas verändert. Am Text, aber auch an Mascha. Als sie sich zur Kamera dreht, ist sie plötzlich grün und blau im Gesicht, ihr Auge schaut aus wie nach einem Boxkampf. Nur: Ihre Verletzungen stammen nicht vom Sport. "Und wenn die Hand ab und zu mal ausrutscht, lächle ich halt grün und blau - ohne ihn wäre mein Leben viel zu grau" , so der Text, der mit jeder Zeile noch düsterer wird und sich bis zum Ende des Videos zum "Finale Furioso" steigert.

Dass bei den ZuseherInnen das Happy-Peppi-Schlagerfeeling also sehr schnell einem beklemmenden Gefühl, das sich immer tiefer in die Magengrube vorarbeitet, weicht, ist genau das, was Mascha mit dem Lied erreichen möchte, wie sie im Gespräch mit WOMAN.at erklärt: "Die Reaktionen auf das Lied sind ganz unterschiedlich. Das geht von anfänglichem Lachen weil es so unerwartet ist, bis hin dazu, dass den Leuten schlecht wird. Es wird zuerst so eine schöne, heile Welt aufgebaut - um dann komplett zerstört zu werden", sagt Mascha zur gelungen Verbindung eines so ernsten Themas mit dem Schlager-Genre.

Passt in keine Schublade: "Post-Genre"

Und der Schlager war es auch, der eigentlich am Anfang dieses Liedes stand - denn so ein Lied fehlte der DIY-Künslterin noch für ihr Debütalbum, das im Herbst erscheint. Mascha, die ihren Stil als "Post-Genre" bezeichnet, macht nämlich alles - vom Chanson, über Elektropop bis eben hin zum Schlager.

"Wut wegen Kürzungen bei Frauenorganisationen"

"Aber wenn ich schon Schlager mache, dann einen mit Twist", so Mascha. Also war schnell klar, dass es ihr Schlager nicht mit Helene Fischer aufnehmen will, sondern mit Männern, die ihre Partnerinnen schlagen. So habe sie nicht zuletzt die erschreckende Zahl an Frauen, die im Jahr 2018 aber auch in den ersten Wochen des Jahres 2019, von ihren (Ex)-Partnern getötet wurden, dazu gebracht, das Thema aufzugreifen. "Letztendlich war es Wut. Aber meine Wut richtet sich vor allem gegen die Kürzungen, die von der Regierung im vergangenen Jahr bei Institutionen vorgenommen wurden, die sich eigentlich gegen Gewalt an Frauen engagieren. Alle reden davon, wie schrecklich diese Morde sind - aber gekürzt wird trotzdem. Das verstehe ich einfach nicht", sagt Mascha, die durchaus auch ein aktivistisches Anliegen mit ihrem Lied hat.

Spendenaktion für Frauenhäuser

So wird - nach dem bildgewaltigen Ende des Musikvideos - einerseits die Info eingeblendet, dass "jede fünfte Frau* in Österreich von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen ist, Gewalt in allen sozialen Schichten statt findet und wir nicht wegschauen dürfen." Andererseits eingeblendet wird auch noch die Telefonnummer der Frauenhelpline (0800/222 555). Außerdem verweist sie darauf, "dass Gewalt nicht erst bei der Ohrfeige anfängt, sondern sie beginnt bereits dort, wo Frauen benachteiligt und diskriminiert werden." Deshalb müsse man verstärkt auf Prävention setzen. Auf Facebook hat sich die Künstlerin ebenfalls zu Wort gemeldet und die Erscheinung ihrer Single mit einer Spendenaktion zu Gunsten der Österreichischen Autonomen Frauenhäuser kombiniert.

"Brutalität ungeschönt darstellen"

Ursprünglich hatte sie als Zielgruppe für das Lied vor allem die Politik im Visier. Die zahlreichen Reaktionen, die sie nach der Veröffentlichung von betroffenen Frauen erhalten hat, hätten ihr aber auch gezeigt, dass es unter ihnen ein großes Bedürfnis gibt, dass ihr Geschichten gehört werden. "Es gibt ganz offensichtlich Redebedarf. Und ich finde es wichtig, die Brutalität dieses Themas ungeschönt darzustellen." Dass sie dabei durch die Wahl des Schlager-Genres auch noch mit dem Heimatbegriff spielt, könnte ihrem Anliegen, die Politik zu provozieren, durchaus noch Schub verleihen.

Debütalbum erscheint im Herbst

Apropos Politik provozieren: Für internationale Schlagzeilen sorgte Mascha erstmals im Herbst 2018 mit dem viralen Protestsong „Sigi Maurer“, in dem sie mit anonymen Hasspostern abrechnete. Die Musik für "Liebe siegt" komponierte sie übrigens im Alleingang auf ihrem Laptop und auch das Musikvideo entstand in Eigenregie. Es ist die erste Single ihres im Herbst erscheinenden Debütalbums „mascha.exe“, auf das wir uns schon gespannt freuen dürfen. Bis dahin kann man Maschas Kunst jedenfalls auf Facebook, Instagram oder ihrer Website verfolgen.

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