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Junges ORF-Team auf dem Vormarsch: Wer ist Matthias Westhoff?

Bei der ORF-Berichterstattung rund um den Ibiza-Skandal vergangenes Wochenende war ein Team aus jungen JournalistInnen am Zug. Wir haben Matthias Westhoff zum Interview gebeten.

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Junges ORF-Team auf dem Vormarsch: Wer ist Matthias Westhoff?
© privat

Das letzte Wochenende war eines der turbulentesten in der österreichischen Innenpolitik – und damit auch für die heimischen Medien. Am Tag des Bekanntwerdens des Ibizia-Videos mussten alle Verlagshäuser, aber auch vor allem das Team des ORF schnell agieren. Am Samstag ging es dann um 9 Uhr los: ZIB-Moderator Tobias Pötzelsberger (36) blieb nach seiner regulären Sendung um 9 Uhr bis in die späten Nachmittagsstunden im Studio und legte einen Moderations-Marathon hin. Neben ihm fielen aber eine Reihe anderer spannenden jungen JournalistInnen auf: So waren Matthias Westhoff und Simone Stribl als Außenreporter unterwegs und hielten das Publikum mit hochprofunden Einschätzungen und raschen Analysen auf dem Laufenden. Oder, um die Oberösterreichischen Nachrichten zu zitieren: "Manchmal ist es ein simpler Dienstplan, der die aufregendsten Geschichten schreibt."

Großes Interesse an jungen Journalistinnen und Journalisten

Die unzähligen positiven Reaktionen auf die Performance der JournalistInnen in den sozialen Medien zeigen, wie gigantisch das Interesse an Nachrichten ist – und der Wunsch jedenfalls mehr von den jungen Köpfen im ORF zu erfahren. "Die einen werden mit 24 Jahren Regierungsmitglied, die anderen beginnen eine unglaubliche Karriere in der ORF-Information", sagt Hans Bürger , Leiter des Ressorts Innenpolitik bei der ZIB. "Fast hätte ich ob ihrer Jugend 'Talente' gesagt, aber das sind sie längst nicht mehr. Sie sind Stammsäulen der ZIB-Berichterstattung über Politik in Österreich. Für beide gilt: Gscheit, kompetent, emotional intelligent und eine Auffassungsgabe in der Topspeed-Variante, sympathisch, schlagfertig, lustig und bodenständig."

Matthias Westhoff ist 32 Jahre alt, kommt aus Ebreichsdorf in Niederösterreich und hat an der FH Wien Journalismus und Medienmanagement studiert. Während seiner Studienzeit hat er Praktika beim Wirtschaftsmagazin trend, beim Kurier, ORF "Report", DiePresse und der ZIB2 absolviert. Seit Dezember 2010 arbeitet er in der ZIB-Innenpolitik-Redaktion - mit einem einjährigen Gastspiel im Team der ZIB2. "Matthias ist ein wandelndes innenpolitisches Lexikon. Sein Fachwissen ist teils beängstigend", sagt Hans Bürger. "Ein Streber, der nur Tag und nach Bücher liest? Keineswegs. Matthias steht mitten im Leben, ist ein sportliches Naturtalent UND versteht es zu feiern." Wir baten Matthias Westhoff zum Interview.

WOMAN: Was war für dich die größte Herausforderung am Samstag?
Westhoff: Locker bleiben und den Überblick behalten! Ich verfolge die Geschehnisse an einem Ort zwar live, aber es passiert ja so viel gleichzeitig an völlig unterschiedlichen Orten. Ohne das tolle Team in der Redaktion, das uns immer wieder mit Infos versorgt hat, wäre das so nicht möglich gewesen. Und bei den Live-Einstiegen vor dem Ballhausplatz wurde im Hintergrund ja lautstark demonstriert - das erfordert volle Konzentration und ich musste den Lautstärkeregler voll aufdrehen, um die Fragen von Tobias Pötzelsberger zu hören. Das war eine unglaublich tolle Teamleistung von Kameraleuten, Regie, Kolleginnen und Kollegen vor Ort und im ORF-Zentrum, die uns unterstützt haben.

WOMAN: Wann hast du erfahren, dass du als Außenreporter im Einsatz sein wirst? Was ging dir da durch den Kopf?
Westhoff: Freitagnacht – ich habe noch an einer ZIB2-Geschichte zum Ibiza-Video mitgearbeitet. Innenpolitikchef Hans Bürger hat bereits den nächsten Tag geplant und eingeteilt - da muss ich mich auch wirklich für den Vertrauensvorschuss und die Unterstützung bedanken - nicht nur an diesem Tag, und nicht nur bei Hans Bürger. Denn es war unser Chefredakteur Matthias Schrom, der die Parole ausgegeben hat. Sie lautete: viele Live-Einstiege, viel reden und mich immer wieder zu wichtigen Schauplätzen schicken. Wenn man von seinen Chefs derart den Rücken gestärkt bekommt, ist das Arbeiten einfach großartig. Als Simone Stribl und ich uns am Ballhausplatz mit Hans Bürger getroffen haben, hat er gesagt: Der Tag wird historisch, das werdet ihr noch euren Enkerln erzählen.

Matthias Westhoff bei einem EU-Gipfel in Brüssel.

WOMAN: Was sagst du über das positive Feedback zur Berichterstattung?
Westhoff: Ich bin absolut überwältigt! Ich freue mich riesig über die vielen Nachrichten auf Facebook, Twitter, per Mail und WhatsApp. Leider hab ich erst einen Teil lesen können - aber sobald es etwas ruhiger wird, freue ich mich richtig darauf, zu antworten. Ein kurzer Blick auf Twitter zwischen zwei Live-Schaltungen - das motiviert wirklich unglaublich. Tausend Dank!

WOMAN: Was war im Zuge deiner Arbeit besonders wichtig am Samstag? Was war dein persönliches Ziel in der Berichterstattung für diesen Tag?
Westhoff: Ich wollte einfach eine gute Arbeit leisten. Dem Publikum vor dem Fernseher und den Live-Streams wollte ich möglichst viel von der Stimmung vor Ort vermitteln. Aber es geht auch darum korrekt, schnell und fair zu berichten. Man muss wichtig von unwichtig - Gerücht von Fakten unterscheiden. Für politische Analysen braucht man viel Hintergrundwissen und ist auf gute Kontakte angewiesen - darauf hab ich nach fast neun Jahren als Innenpolitik-Redakteur zurückgreifen können.

WOMAN. Was wäre das schlimmste Szenario für dich gewesen? Und ist dir so etwas schon einmal passiert?
Westhoff: An das will ich gar nicht denken - sonst passiert es tatsächlich. Der Adrenalinspiegel ist auf Maximum. Ich bin froh, dass alles gut gegangen ist - und das Publikum bitte ich um Verzeihung für den ein oder anderen Versprecher.

Hier haben wir über Tobias Pötzelsberger berichtet. WOMAN begab sich auf die Spurensuche eines hochtalentierten und sympathischen Journalisten und seiner rasanten Karriere.

Thema: Report