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Hollywood: 64 % der Autorinnen erlebten sexuelle Gewalt

Die Gewerkschaft der Autoren und Autorinnen in der Film- und Fernsehindustrie hat eine Umfrage veröffentlicht laut der 64 Prozent der Befragten Autorinnen sexuelle Belästigung im Job erlebt haben.

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me too hollywood
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Vulgäre und rohe Sprache, sei kein Akt der sexuellen Gewalt, bestimmte 2006 ein Gericht im Falle der Serie "Friends". Damals hatte die assistierende Drehbuchautorin Amaani Lyle die Serienmacher verklagt, weil sie am Arbeitsplatz täglich Gesprächen über sexuelle Handlungen ausgesetzt gewesen war. Sie habe sich immer unwohl gefühlt und deshalb schon nach 4 Monaten gekündigt und es sei zu erwarten, dass man auf seinem Arbeitsplatz nicht ständig über Sex reden muss, so Lyle. Doch das Gericht sah dies anders und bewertete die fragwürdige Sprache als Teil des kreativen Arbeitsprozesses. Was damals noch wie eine nichtige Angelegenheit wirken mochte, wirft heute ein ganz anderes Licht auf die Gemeinschaft der DrehbuchautorInnen.

Demnach sind 64 Prozent der befragten weiblichen Mitglieder der WGA schon Opfer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz geworden, berichtete Deadline. Die WGA, Writers Guild of America, ist die Gewerkschaft der Autoren und Autorinnen in der Film- und Fernsehindustrie. Befragt wurden mehr als 2000 Personen und nicht nur Frauen gaben an, sich auf ihrem Arbeitsplatz oft nicht wohl zu fühlen. Auch 11 Prozent der Männer betrifft die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Die WGA will damit aufzeigen, wie schlecht sich ArbeitgeberInnen um das Wohl ihrer Angestellten kümmern.

Arbeiten in Hollywood? Nicht sehr rosig!

Schon im Januar hatte die Gewerkschaft ein Statement zur Lage der sexuellen Gewalt in Hollywood veröffentlicht, in dem sie die Industrie aufrufen, die Zukunft aktiv und besser zu gestalten. Doch zu einer besseren Zukunft gehört auch die Aufarbeitung der Vergangenheit. Und Hollywood ist da gerade mittendrin. Angefangen hatte alles mit dem Artikel in The New Yorker , in dem missbrauchte Frauen den Produzenten Harvey Weinstein mit Vorwürfen konfrontierten. Die #MeToo-Bewegung erfasste in kurzer Zeit ganz Hollywood und auch andere Männer des Business wurden an den Pranger gestellt. Schauspielerinnen schlossen sich zur Time's Up Initiative zusammen, die gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kämpft. Und "Wonder Woman 2" ist der erste Film, der mit offiziellen Anti-Belästigungs-Richtlinien gedreht wird.

Die WGA wünscht sich derweil, dass ein stärkeres Moralgefühl in der Community entsteht. Man wolle ja den kreativen Prozess nicht verhindern, aber es sei wichtig, dass eine Zero-Tolerance-Einstellung vorherrscht, unter der keine Form von Mobbing oder Diskriminierung existieren kann. "Es muss ein ordentliches Verfahren für angebliche Täter und angemessene Strafen für verurteilte Täter geben. Die Wahrheit ist aber, dass es schwer ist, dieses Problem schnell abzuhandeln, da die Wurzeln so verzweigt sind und weit zurückreichen. Doch wir arbeiten jeden Tag daran, der Diskriminierung in Hollywood ein Ende zu setzen." , schloss die WGA ihren Bericht.

Themen: Report, Kino & TV