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Sie bricht die Stille: #MeToo im arabischen Fernsehen

Eine Frau hat in einer arabischen Talk-Show offen über sexuellen Missbrauch gesprochen und so die #MeToo-Bewegung im nahen Osten angefacht.

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Deutsche Welle Sendung Eklat
© dw.com

"Ich wurde sexuell belästigt und als ich zur Polizei ging, haben die Polizisten auch mit mir geflirtet und mich bedrängt.", erzählt die junge Jordanierin. Sexuelle Belästigung sei etwas, das jede Frau kennt, sagt sie. Das Gesicht des jordanischen Politikers und Parlamentsabgeordneten Mahmoud Kharabsheh wird immer röter und zorniger. "Jordanische Mädchen machen so etwas nicht. Die reden nicht im Fernsehen. Bist du überhaupt Jordanierin?", brüllt er die Frau an und verlangt heftig nach einem Ausweis.

"Sie müssen alle meine Gäste respektieren!", wiederholt Moderator Jaafar Abdul Karim immer wieder und versucht den Erzürnten zu beruhigen. Doch jener hört nicht auf, die Frau zu beschimpfen: "Mit deinen 21 Jahren hast du schon so viel Erfahrung?" und "Diese Show verdient keinen Respekt!". Diese Szenen aus der "Shabab Talk"-Show des Senders Deutsche Welle lösten einen medialen Eklat aus.

Unzählige Frauen aus dem arabischen Raum meldeten sich per soziale Medien zu Wort und sprachen offen über sexuelle Belästigung im Alltag. Damit schlossen sie sich der aktuellen #MeToo-Bewegung an, die durch die Missbrauchsvorwürfe in Hollywood ausgelöst worden war. Zahlreiche bedankten sich auch bei Moderator Jaafar Abdul Karim, der es geschafft hatte in jener heiklen Situation Ruhe zu bewahren. In einem Spiegel Online Interview beschrieb er sein Erstaunen und die Freude über die Offenheit der arabischen Frauen.

Gleichzeitig verurteilt er aber auch das Verhalten seines Gastes: "Man hat also nicht der Geschichte der Frauen zugehört, sondern sich gedacht: 'Sie stellt eine Gesellschaft schlecht dar und das gehört sich nicht!' Und genau so war es auch, denn anstatt der Frau zuzuhören, entschied sich der Politiker dafür, das Gesagte als persönlichen Angriff gegen Jordanien zu sehen.

Einerseits passt diese Reaktion zu dem starken Wertesystem vieler arabischen Gesellschaften, wo die Ehre der Familie und des Landes sehr leicht angreifbar ist. Andererseits ist dies die extreme Form der schon oft beobachteten Verhaltensweise von Organisationen oder Institutionen, wenn Anschuldigungen bezüglich sexueller Belästigung kommen.

Dies konnte man auch gut im aktuellen Fall der Missbrauchsvorwürfe gegen den ÖSV beobachten. Im ZIB 2-Interview mit Armin Wolf versuchte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel die Anschuldigung von Nicola Werdenigg vom Ski-Verband abzuwälzen indem er betonte, dass ja so viele andere Menschen am Skisport, genauer gesagt an den Ski-Events, beteiligt sind. Da könne man ja gar nicht genau wissen, wer alles dort ist. Sprich: Falls jemand überhaupt Schuld ist, sind es immer die anderen.

Reaktionen zu Missbrauchsvorwürfen sind verschieden, aber sehr oft negativ.

Oder sogar die Frauen selbst. Victim Blaming kennt viele Formen. Dieser Satz des jordanischen Politikers: "Mit deinen 21 Jahren hast du schon so viel Erfahrung?" ist Victim Blaming. Und auch diese Aussage von Peter Schröcksnadel ist Victim Blaming:"Es wäre so schön gewesen, hätten wir damals schon davon gewusst. Dann hätten wir schon den Täter gefunden. Denn so ist das für mich Täterschutz!"

Was man als Frau auch tut, man tut es auf jeden Fall falsch. Egal, ob man Opfer eines Übergriffes geworden ist, das einen für immer traumatisiert hat, wird es immer Menschen geben, die trotzdem mit dem Finger auf einen zeigen. Trotzdem scheint die #metoo-Bewegung sich nicht so schnell vom Tableau wischen zu lassen. Und das ist sehr gut so!

Thema: Feminismus