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Warum Megxit und nicht Haxit? Der frauenfeindliche Shitstorm gegen Meghan

Seit Prinz Harry und Herzogin Meghan das britische Königshaus verlassen wollten, brach ein Sturm der Empörung über die beiden ein - die Schuld daran gibt man aber vor allem ihr.

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Warum Megxit und nicht Haxit? Der frauenfeindliche Shitstorm gegen Meghan
© 2020 Getty Images

"Verzogene Gören", "falsche Clowns", "intrigant", "Möchtegern-Kardashians" - das sind nur ein paar der Vokabel, mit denen Prinz Harry und Herzogin Meghan in den letzten Tagen von der Presse bedacht wurden. In den sozialen Netzwerken sind die Bezeichnungen noch weitaus härter.

Der Grund für die Beschimpfungen? Die beiden hatten angekündigt, von ihrer Rolle als "Senior Royals" zurückzutreten, mehr Zeit in Nordamerika zu verbringen und finanziell unabhängig werden zu wollen - ohne dabei die Pflichten gegenüber Königin Elisabeth II. vernachlässigen zu wollen.
Diesen Wunsch nach mehr Privatsphäre ließ jedoch kaum jemand gelten - als wären die beiden öffentliches Eigentum und hätten kein Anrecht auf eigene Entscheidungen. Stattdessen wurden die beiden als undankbar und unverantwortlich beschimpft.

Und das, obwohl erst vor wenigen Monaten in Schweden durchaus Ähnliches passierte, was jedoch keinerlei Wirbel auslöste: Auch einige der Enkel von König Carl Gustaf von Schweden sind seit Kurzem nicht mehr offizielle Mitglieder des Königshauses. Die Kinder von Prinzessin Madeleine sowie Prinz Carl Philip wurden von all ihren Pflichten entbunden. Eine Entscheidung, die vom schwedischen Volk begeistert unterstützt wurde, während in Großbritannien seitdem blankes Entsetzen herrscht.

Schuld ist IMMER die Frau?

Und die Schuld am aktuellen Ausnahmezustand trägt natürlich die Frau. Wie schon Hollywood-Star Rita Hayworth in ihrer Paraderolle "Gilda" sang: "Put the Blame on Mame" - gib der Frau die Schuld: Egal ob Erdbeben, Stürme oder Naturkatastrophen - verantwortlich ist in dem Lied irgendwie stets eine Frau. Sie hat sich (in welcher Form auch immer) "versündigt" - siehe auch Adam und Eva. Oder John Lennon und Yoko Ono. Oder nun eben Harry und Meghan.

Hört auf mit den misogynen Klischees

Das zeigt auch deutlich die Wortschöpfung „Megxit“ und eben nicht „Haxit“. Denn schließlich ist doch der Mann willenlos und völlig der bösen Frau ausgeliefert? Vielleicht kann man aber auch abseits von frauenfeindlichen Klischees rund um die „undankbare Schwiegertochter“ denken und annehmen, dass hier eine Frau eine Meinung hat (und unbedingt haben soll!) und dazu einen Mann an ihrer Seite, der damit partnerschaftlich umgeht? Und weil ein Mann zu seiner Frau steht, ist sie nicht automatisch die Böse. Abgesehen davon, dass niemand sagen kann, von wem die Entscheidung wirklich ausging - außer die beiden.

Denn es gibt einen massiven Grund, warum vornehmlich Harry dahinter stehen könnte. Schließlich musste er miterleben, wie seine Mutter Diana bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam - der verursacht wurde, weil sie von Paparazzi verfolgt wurde. Die sie bereits seit vielen Jahren bei jedem Schritt verfolgten. Und Ähnliches geschah nun bei seiner Frau und seinem Kind - inklusive einer Vielzahl bösartiger, hetzerischer und rassistischer Berichterstattungen.

Aus dieser Situation wollte man sich also befreien und sich schützen - ohne das Königshaus dabei maßgeblich zu beeinflussen, da Prinz Harry ja aktuell an 6. Stelle der Thronfolge steht und somit definitiv nicht essenziell für den Erhalt der Royals ist.

Alleine in den Stunden nach der Bekanntgabe der "Kündigung" rollte eine Welle an wütenden und regelrecht hasserfüllten Meldungen gegen Meghan an, die die Entscheidung der beiden nur bekräftigen kann. Ganz im Gegensatz zu den gleichzeitig relativ spärlichen beziehungsweise neutral gehaltenen Beiträgen zu Prinz Andrews angeblichen Missbrauch von Minderjährigen...