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Studie: Mehr Kindergartenplätze helfen nicht gegen Gehaltseinbußen bei Müttern

Die außerfamiliäre Betreuung sollte für mehr Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sorgen. Laut dieser Studie tut sie das aber nur zu einem Teil. Warum?

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Studie: Mehr Kindergartenplätze helfen nicht gegen Gehaltseinbußen bei Müttern
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Der Ausbau der Kindergartenplätze ist vor jeder Wahl ein wichtiges Thema. Suggeriert er doch, die Gehaltsschere von Männern und Frauen schließen zu wollen. Laut einer neuen Studie soll das Kinderbetreuungsangebot aber weniger Einfluss darauf haben als bisher angenommen. Frauen müssen nach der Geburt eines Kindes mit großen Lohneinbußen rechnen. Da sie (leider) noch immer zu einem großen Teil für die Kinderbetreuung in der Familie verantwortlich gemacht werden, trifft es sie finanziell am meisten. Die außerfamiliäre Betreuung sollte dem ja entgegenwirken. Laut dieser Studie tut sie das aber nur zu einem Teil. Warum?

Ausbau von Kindergarten- und Krippenplätzen kaum Einfluss auf Lohneinbußen von Frauen

Eine logische Schlussfolgerung wäre: Mehr Kindergartenplätze – mehr Möglichkeiten für Familien Karriere und Kinder unter einen Hut zu bekommen. Die Studie, die von der Universität Zürich sowie von Forschenden der London School of Economics, der University of Princeton und der University of Edinburgh mitearbeitet wurde, kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Teilzeitarbeit von Frauen nach der Geburt eines Kindes ist schuld an der Gehaltsschere zwischen den Geschlechtern. Im Vergleich zu ihrem Verdienst vor der Geburt eines Kindes, sinkt das Einkommen 10 Jahre nach der Geburt eines Kindes bei Frauen in Österreich im Schnitt um 51 Prozent. In Wien, wo das Betreuungsangebot größer ist (mit längeren Öffnungszeiten) als in anderen Gemeinden in Österreich, betragen die Gehaltseinbußen bei Frauen nach 10 Jahren trotzdem 45 Prozent.

Warum die WissenschaftlerInnen die Situation in Österreich untersucht haben? Weil hierzulande in den letzten 60 Jahren zahlreiche Veränderungen und Reformen vonstatten gingen.

Was sagt die Studie?

Die Forschenden teilten die Gemeinden in zwei Kategorien:
- Gemeinden, in denen das Betreuungsangebot (Plätze & Öffnungszeiten) um mindestens 20 Prozent im Verhältnis zu den Kindern ausgeweitet wurde.
- Gemeinden, in denen das nicht der Fall war.
Die Einkommensverluste der Mütter waren in beiden Gruppen gleich – und das auch fünf oder zehn Jahre nach der Geburt des Kindes.

Teilzeitarbeit

Der größte Teil der Gehaltseinbußen entsteht nämlich durch die Reduzierung der Arbeitszeit vieler Mütter. Einige Frauen kehren nach der Geburt des Kindes zudem gar nicht mehr auf den Arbeitsmarkt zurück. In der Studie wurden auch Reformen beim Karenzgeld untersucht. Das Ergebnis: Egal, ob die Frauen länger oder kürzer in Karenz waren, später verloren sie gleich viel Einkommen.

Unterschiedliches Angebot und Qualität der Kindergärten in Österreich

In Österreich herrscht zudem ein gesetzlicher Fleckerlteppich, was die Öffnungszeiten und das Angebot an Kindergarten- und Krippenplätzen betrifft. Während in vielen ländlichen Regionen der Kindergarten nur halbtags offen hat, ist das Angebot in den Städten meist besser. Wir haben hier genauer darüber berichtet und Bildungsexpertin Raphaela Keller über die Versäumnisse der letzten Jahre gesprochen, die während der Pandemie besonders zum Tragen kommen.

Familienpolitik für mehr Gleichberechtigung?

"Wir sagen nicht, dass Familienpolitik obsolet ist", so Josef Zweimüller von der Universität Zürich. "Aber es wäre naiv zu glauben, dass man die Jobsituation von Frauen allein mit Familienpolitik, etwa mehr Kinderbetreuung, verbessern kann." Mehr Gleichberechtigung bringe nur eine Veränderung der "Normen" – das heißt: Männer müssten einen größeren Teil der Kinderbetreuung übernehmen, so Zweimüller.

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