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Studie: Höhere Suizidrate wegen globaler Erwärmung?

In manchen Teilen der Welt werden auch heuer Rekordtemperaturen gemessen. Dass dies mit der globalen Erwärmung zusammenhängt, ist klar. Doch, dass die Hitze auch massive Auswirkungen auf die Psyche haben kann, ist erschütternd.

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Studie: Höhere Suizidrate wegen globaler Erwärmung?
© istockphoto.com

Obwohl wir es hier in Wien noch gut mit unserem moderat-heißen Sommer haben, schwitzen in Deutschland die Niedersachsen ganz schön. Vor kurzem wurden Rekordtemperaturen von 35,9 Grad gemessen, was viele der Bauernhofe jener Region in die Verzweiflung gestürzt hat. Und nicht nur das: der Hannoversche Flughafen musste 12 Stunden gesperrt werden, weil es Hitzeschäden an den Flugbahnen gab und sogar die Autobahn wölbte sich bei dieser Temperatur! Wer nicht an die globale Erderwärmung glaubt, meint vielleicht, dass dies einfach ein Ausnahmezustand sei. Doch man kann die Augen einfach nicht davor verschließen: unsere Erde wird immer heißer und heißer. Und das hat auch Auswirkungen auf unsere Psyche, nämlich keine guten, so Marshall Burke, Professor an der amerikanischen Stanford Universität.

Er hat nämlich den Zusammenhang zwischen heißen Temperaturen und der Suizidrate von Mexiko und den USA untersucht. Das Ergebnis ist klar und deutlich: wenn sich die Erde bis 2050 um 2,5 Grad erwärmt, dann wird auch die Suizidrate in Amerika (um 1,3 Prozent) und jene in Mexiko (um 2,3 Prozent) steigen. Für ihre Forschung nahm das Ökonomen-Team 30 verschiedene Klima-Modelle und die Bevölkerungswachstumsrate unter die Lupe. Laut dem Forschungsteam dürfe man die marginal wirkenden Prozente aber nicht unterschätzen. Sie vergleichen die Auswirkungen der Hitze auf die Suizidmordrate nämlich mit jenen Auswirkungen, die ein besseres Waffengesetz haben würde (weniger Suizide) und jener Auswirkung, die eine Finanzkrise hat (mehr Suizide).

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Wenn die Hitzewelle nicht nur Autobahnen wölbt... / (c) iStockphoto

Burke führt auch an, dass die Menschheit recht machtlos diesem Zusammenspiel gegenübersteht. Es könne in bessere Suizidaufklärung investiert werden und natürlich in den Ausbau des Gesundheitssystems. Warum es einen scheinbar "natürlichen" Zusammenhang zwischen der Hitze und der menschlichen Psyche hat, wurde schon häufig von diversen ForscherInnen hinterfragt. Demnach sei es möglich, dass das Gehirn sich bei gewissen Temperaturen einfach nicht mehr anständig regulieren und abkühlen könnte. Neurotransmitter, die eben nicht nur Temperatur, sondern auch die Emotionen und mentale Gesundheit beeinflussen, könnten dann nicht die entsprechende Leistung erbringen. Und obwohl die Biologie dahinter noch immer nicht ausreichend erforscht wurde, zeigt die Statistik den Zusammenhang zwischen Hitze und Suiziden auf. Eine amerikanische Langzeitstudie konnte nachweisen, dass im Sommer die Selbstmordrate noch stärker in die Höhe geht als in den anderen Monaten.

Trotz der beängstigenden Ergebnisse räumt Professor Burke ein, dass die globale Erwärmung nicht als wichtigster Faktor für eine steigende Suizidrate gesehen werden darf. Dafür sei die Forschung einfach noch nicht weit genug in diesem Bereich. Trotzdem betonte er in The Atlantic, dass die ganze Welt einer weitaus rosigeren Zukunft entgegenschauen würde, wenn wir die globale Erderwärmung aufhalten.

Du brauchst Hilfe?

Wenn du dich in einer Krisensituation befindest, wende dich an www.suizid-praevention.gv.at. Dort findest du Notrufnummern und Erste Hilfe bei Selbstmordgedanken.

Die Telefonseelsorge erreichst du unter der Nummer 142 , täglich und von 0 bis 24 Uhr.