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Mein Freund ist ein Stubenhocker - wie krieg ich ihn von der Couch?

Gemeinsame Erlebnisse stärken die Beziehung - aber was, wenn sie unternehmungslustig ist, aber er am liebsten immer nur auf der Couch bleiben will?


Stubenhocker
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"Er will nichts unternehmen!"

"Ich befinde mich in einem echten Dilemma. Mein Freund ist ein Stubenhocker. Ich möchte am Wochenende Ausflüge machen, er will lieber daheim bleiben und kuscheln. Ich möchte gerne mal einen Wellnessurlaub machen, ihm ist das zu mühsam: Weil dort ist es überfüllt, viel zu heiß, uninteressant oder das Wasser zu dreckig.

Wenn ich ihm vorschlage, alleine zu fahren und ihn zurückzulassen, wird er grantig. Das geht schon seit Monaten so. Die einzigen Tätigkeiten, zu denen er sich hinreißen lässt, sind Spaziergänge im Umkreis von 20 km, hie und da ein Kinobesuch oder mal Dinner mit Bekannten.

Was soll ich tun? Ich bin 32 und nicht in Pension. Ich will leben! Trotzdem liebe ich diesen Mann sehr und will ihn nicht stehenlassen."

Der Rat des Experten:

Der Paar-Berater, Psychologe und Autor Dr. Michael Schmitz kennt sich aus mit Beziehungen und berät realistisch, aus männlicher Sicht sowie mit viel Herz.

Dr. Schmitz: In keiner Partnerschaft sind die Bedürfnisse beider Partner völlig deckungsgleich. Weil jeder von beiden eine eigene Persönlichkeit ist, mit eigenen Interessen, Vorlieben, Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten. Gemeinsame Unternehmungen machen beiden Freude, wenn jeder darin etwas Attraktives für sich findet.

Man kann schon mal etwas tun, was man aus eigenem Antrieb nicht tun würde, um dem anderen eine Freude zu machen. Womöglich ist auch unter solchen Umständen gemeinsame Zeit schöner, als allein zu sein. Allerdings schafft Widerwillen keine gemeinsame Freude.

Vielleicht solltest du versuchen, etwas genauer zu verstehen, was deinen Freund abhält, auf deine Vorschläge einzugehen. Sind es wirklich "viele Leute"? Dann schlage ihm etwas vor, wo halt nicht so viele sind. Es ist auch nicht überall "zu heiß", und das Wasser ist nicht überall schmutzig.

Vielleicht steckt etwas anderes dahinter, als er bisher gesagt hat. Frage genau nach. Lass ihn überlegen, was er sich an gemeinsamen Unternehmungen vorstellen könnte. Was, wo, unter welchen Bedingungen.

Ermuntere ihn zu konkreten Vorschlägen. Wenn es schlussendlich immer noch so sein sollte, dass er etwas, das dir sehr wichtig ist, nicht mitmachen will, muss er lernen, es auszuhalten, dass du es für dich oder mit einer Freundin unternimmst.

Partnerschaft kann nicht gedeihen, wenn der eine für den anderen zur permanenten Spaßbremse wird. Du kannst ihm ja sagen: "Wenn du nicht mit willst, mach es dir nett zu Hause. Ich geh dir mit meinen Wünschen nicht weiter auf die Nerven. Ich bereite mir nur ein bisschen Freude und komme dann fröhlicher wieder heim."

Würdest du das wollen? Und würdest du es schaffen? Oder fühlst du dich doch wohler, wenn du ihm nachgibst? Ich meine, auf Dauer.


Du hast ebenso eine dringende Frage zu deiner Partnerschaft? Keine Sorge: Dein Name wird hier nicht genannt. Bitte schick dein Anliegen per E-Mail an fragensiedoch <AT> woman.at .